Das verraten dir deine Zähne über deine Gesundheit

Bröckeln Zähne, werden sie gelblich oder rau, sind das nicht immer nur altersbedingte Abnutzungserscheinungen. Ein Experte erklärt, was hinter den Veränderungen am Gebiss stecken könnte.

Flache abgeriebene Zähne

Jeder weiß, dass zu viel Stress Burnout und Herzinfarkte verursachen kann. Dass aber auch flache, abgeriebene Zähne auf erhebliche psychische Anspannungen hinweisen können, ist fast niemandem bekannt. Dabei ist dies eine der Hauptursachen für Zähneknirschen.

Stress ist meist Ursache

Auch der Spruch „die Zähne zusammenbeißen“ kommt nicht von ungefähr. Neben beruflichem oder privatem Kummer führen auch schlecht sitzende Prothesen, Kronen und Füllungen dazu, dass Menschen nachts mit den Zähnen mahlen und diese so sichtbar schädigen. Auch Alkohol, ein schiefes Gebiss, Drogenmissbrauch und bestimmte Medikamente sind weitere mögliche Auslöser.

Individuell angefertigte Kunststoffschienen können helfen – diese müssen während dem Schlaf getragen werden. Sie verhindern zwar nicht das weitere Knirschen der Zähne, aber entlasten Kiefergelenke und entspannen die Kau und Kopfmuskulatur.

Sollte Stress also die Ursache sein, löst sich das Problem meist ganz von selbst, wenn die Anspannungsphase nachlässt. Auch Entspannungsübungen oder eine Psychotherapie können gegebenenfalls positiv wirken.

 

Geschwollenes und blutendes Zahnfleisch

Geschwollenes und blutendes Zahnfleisch beim Zähneputzen sollte man auch keinen Fall herunterspielen. Eine chronische Entzündung des Zahnbetts lässt das Zahnfleisch über die Jahre zurückgehen und schadet auf Dauer dem gesamten Zahnhalteapparat inklusive Kieferknochen. Zudem können die Keime über die Entzündungsherde im Zahnfleisch in die Blutbahn gelangen und so Diabetes, Herzinfarkte und Gefäßverkalkungen verursachen.

Erwiesenermaßen leiden Personen mit Parodontitis besonders häufig an Bluthochdruck. Wie eine aktuelle Studie deutscher Bluthochdruckforscher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein belegt, lässt sich der Bluthochdruck durch eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung senken.

 

Raue Zähne

Raue Zähne weisen auf Karies hin. Dringt dieses bis in das Zahnmark vor, entstehen Entzündungen und in Folge davon heftige Schmerzen – anfangs meist nur gelegentlich, mit der Zeit jedoch dauerhaft. Ein klarer Hinweis sind braune oder weiße Flecken am Zahnschmelz. Für diese Erkrankung ist eine Entkalkung der Zahnsubstanz durch Stoffwechselprodukte der Bakterien typisch. Weitere Anzeichen können wärme sowie kälteempfindliche Zähne sein. Letzten Endes kann das nur ein Zahnarzt sicher beurteilen. Aus diesem Grund sind regelmäßige Kontrollen empfehlenswert.  

 

Gelblich bis braune Verfärbungen bei Kindern

Hinter bröckelnden Kinderzähnen steckt in den meisten Fällen eine bislang fast unbekannte, aber folgenschwere Mineralisationsstörung. Weitere Symptome einer Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) sind gelblich-weiße bis braune Verfärbungen der ersten bleibenden Backen-(Molaren) und Schneidezähne (Inzisiven) im Ober- und Unterkiefer. Gerade zwischen dem vierten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr findet die Schmelzbildung beziehungsweise Reifung statt. Die Zellen sind in dieser Zeit sehr empfindlich gegenüber schädlichen Substanzen.

Bis heute rätseln Wissenschaftler über die Ursachen der Mineralisationsstörung. Infektionskrankheiten wie Masern und Mumps können mögliche Auslöser sein – genau wie eine Schädigung vor der Geburt oder in den ersten Lebensjahren.

Antibiotika während und nach der Geburt und Folsäuremangel im Verlauf der Schwangerschaft gelten als grundlegende Risikofaktoren. Die Frühzeitige Diagnose ist allerdings problematisch.

Befund erst nach Jahren möglich

Die „Schönheitsfehler“ werden erst mit Durchbruch der ersten Zähne sichtbar, also durchschnittlich im Laufe des sechsten Lebensjahres. Je schneller im Falle einer MIH etwas unternommen wird, desto kleiner der zahnmedizinische Aufwand. Wenn die Oberfläche des Zahns noch intakt ist, genügt es meistens, diesen lokal zu fluoridieren. Durch diese Schutzmaßnahme wird die Sensibilität der Zähne und das Kariesrisiko verringert.

Wenn bereits Teile des Zahns zerstört sind, müssen diese vollständig entfernt und saniert werden, um die Restsubstanz zu schützen. So kommt in manchen Fällen nur eine Überkronung in Frage – oder im schlimmsten Fall, das Ziehen des betroffenen Zahnes.

 

Bröckelnde, brüchige Zähne

Oft deuten bröckelnde, brüchige Zähne bei Erwachsenen auf die Refluxkrankheit hin. Bei dieser häufigen Störung des Verdauungstraktes fließt aufgrund eines Schließmuskeldefizits saurer Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Von dieser Säure werden Zähne und Zahnschmelz geschädigt.

Aufstoßen, Sodbrennen und Schluckbeschwerden sind typische Symptome. In den meisten Fällen kann eine medikamentöse Behandlung helfen.

Mit fortschreitenden Jahren kann es zu vermehrt zu Schmelzrissen sowie keilförmigen Defekten kommen. Auch gelbliche Verfärbungen sind in den meisten Fällen Alterserscheinungen. Diese sind das Resultat einer falschen Putztechnik und damit zerstörter Schmelzareale. Auch im Rentenalter ist eine gründliche Mundhygiene unerlässlich. Vor allem bei einem hohen Wurzelkariesrisiko empfiehlt sich die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasten, elektrischer Zahnbürsten sowie Zwischenraumbürstchen und Zahnseide. Hilfreich sind auch spezielle Putztechniken, welche auch bei eingeschränkten manuellen Fähigkeiten eine gründliche Reinigung ermöglichen. Vorsorge-Untersuchungen und professionelle Zahnreinigungen machen sich dabei bezahlt.

Bei Untersuchungen sollten auch auf jeden Fall Kronen, Prothesen und anderer Zahnersatz auf Mängel untersucht werden, um so größere Folgeschäden wie beispielsweise Knochen- und Weichteilentzündungen zu vermeiden.

 

So erkennst du gesunde Zähne

Ein strahlend weißes, intaktes Gebiss signalisiert vor allem eines –  Schönheit und Vitalität. Doch auch bei aller Pflege sind dieser Ausstrahlung natürliche Grenzen gesetzt. Die Grundfarbe der Zähne ist erblich bedingt und zudem spielen Faktoren wie Alter oder Dicke der Zahnschmelzschicht dabei eine wichtige Rolle. Wenn der Zahnschmelz im Laufe der Jahre dünner wird, schimmert das darunter liegende Zahnbein immer dunkler durch – leider ändern daran auch ordentliches Zähneputzen oder Power-Bleachings nichts.

Gesunde Zähne sind vor allem saubere Zähne. Deshalb ist eine intensive Pflege auch so nötig. Man sollte mindestens morgens und abends für jeweils drei Minuten alle Zähne mit fluoridhaltigen Zahnpasten gründlich reinigen.

Auch die korrekte Putztechnik ist enorm wichtig: Die Borsten sanft gegen die Zähne drücken und Speisereste und Beläge dann mit kleinen, rüttelnden Bewegungen beseitigen. Zahnzwischenraumbürstchen und Zahnseide erreichen zudem jene Bereiche, in die „normale“ Zahnbürsten nicht vordringen können. Neben der optimalen persönlichen Mundhygiene ist eine professionelle Zahnreinigung alle sechs Monate empfehlenswert.

 

Quellen: Focus, Zahnärztekammer Nordrhein

Weitere Themen

Mehr von RPR1.