Kerosin-Ablass von Flugzeugen über RLP für Menschen unkritisch

Fast 600 Tonnen Kerosin wurden in den letzten drei Jahren durch Flugzeuge über Rheinland-Pfalz abgelassen – zahlreiche Bewohner der betroffenen Pfalz, Hunsrück und Eifel sind beunruhigt und stellen sich die Frage, ob das unbedenklich für Mensch und Natur ist. Nun hat das Umweltbundesamt eine offizielle Einschätzung herausgegeben und weist darauf hin, dass die Treibstoff-Ablässe als unkritisch einzuschätzen sind.

Viele Rheinland-Pfälzer beunruhigt

Nun ist es von amtlicher Seite bestätigt: Kerosin-Ablässe von Flugzeugen sind nach Einschätzung des Umweltbundesamts (UBA) für Menschen und Umwelt unkritisch.

In Zukunft sollen die Ablässe aber nicht mehr immer über denselben Gebieten erfolgen, weshalb die Deutsche Flugsicherung dies vorsorglich in ihrer Betriebsanweisung festschreiben soll. Dies sei mit Blick auf das besonders betroffene Rheinland-Pfalz wichtig, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer. „Denn in der Pfalz, in der Eifel und dem Hunsrück sind besonders viele Menschen wegen des Kerosinnotablassens von zivilen und militärischen Maschinen besonders beunruhigt.“ Die Studie sei ein „erster Schritt, auf den weitere folgen müssen“. Mehr aktuelle Messungen und Erhebungen seien notwendig.

 

Wieso wird überhaupt Treibstoff freigesetzt?

Kerosin-Ablässe, auch Fuel-Dumping genannt, sind laut Regierung „ein Notverfahren sowohl für zivile als auch militärische Luftfahrzeuge, um aus Gründen der Flugsicherheit eine sichere Kontrolle und Landung des Flugfahrzeuges zu ermöglichen“. Muss eine Maschine etwa die Route vorzeitig abbrechen und außerplanmäßig umkehren, kommt es in einigen Fällen vor, dass der Tank zu voll ist, um sicher zu landen. Piloten geben dann die überschüssige Menge Kerosin frei.

Dabei wird der Kraftstoff nach Angaben des UBA in einer Flughöhe von mindestens 1800 Metern in feine Tröpfchen zerstäubt. Treibstoffschnellablässe kamen laut Bundesamt zwischen 2012 und 2016 im Schnitt 20 Mal pro Jahr vor – die Tendenz ist aktuell rückläufig. Das Fuel Dumping hatte zuletzt zu Demonstrationen unter anderem im Pfälzerwald in Rheinland-Pfalz geführt.  

 

Warum wird fast immer über RLP abgelassen?

Im Pfälzerwald war zuletzt Ende April erneut zerstäubter Treibstoff niedergegangen - wohl zum ersten Mal in diesem Jahr. Wegen einer „technischen Unregelmäßigkeit“ hatte ein Passagierjet auf dem Weg von Frankfurt am Main nach Chicago zurückkehren müssen, hatte die Lufthansa mitgeteilt.

Dem Umweltministerium in Mainz zufolge setzten Flugzeuge zwischen 2016 und November 2018 rund 590 Tonnen Kerosin allein über Rheinland-Pfalz frei.

Warum aber kommt es so oft hierzulande zum sogenannten „Fuel Dumping“? Dafür ist vor allem die geografische Lage verantwortlich: Der Frankfurter Airport ist nah und Langstreckenflüge Richtung Amerika steuern meist über RLP. Auch die Militärflughäfen Ramstein (Westpfalz) und Spangdahlem (Eifel) sind ein Faktor.



 

Quelle: dpa