Immer mehr Kinder können nicht auf Kopfschmerztabletten verzichten

In Klassenzimmern wird es immer mehr zur Gewohnheit, dass Schüler zu Schmerztabletten greifen. Alarmierende Studienergebnisse zeigen, dass Kopfschmerzen bei Kindern deutlich zunehmen. Mit einigen Tricks können diese jedoch leicht verhindert werden.

Kopfschmerzen im Kindesalter nehmen zu

Schüler fragen ihre Lehrer immer häufiger nach Kopfschmerztabletten - diese Beobachtung hat die ehemalige Wiesbadener Gesamtschullehrerin Karin Frisch alarmiert. Um den aus ihrer Sicht „gravierenden Anstieg von Kopfschmerzerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken“, rief sie zusammen mit dem Direktor der Schmerzklinik Kiel, Hartmut Göbel, vor rund drei Jahren die "Aktion Mütze - Kindheit ohne Kopfzerbrechen" ins Leben.

Mehrere Studien zeigen, dass Kopfschmerzen im Kinder- und Jugendalter tendenziell zunehmen. Als Gründe werden unter anderem Multitasking und zu wenig verfügbare Freizeit genannt. „Streit im Freundeskreis ist auch ein Risikofaktor, alles was in Richtung Mobbing geht“, so Charly Gaul von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

 

Volkskrankheit schon bei Kindern angekommen

Kopfschmerzen seien die Volkserkrankung schlechthin, sagt Göbel. Wie viel Kreativität verloren gehen kann, wenn sie das Leben beeinträchtigen, zeige eindrucksvoll das Beispiel der Physikerin und Chemikerin Marie Curie (1867-1934). Sie habe wegen Kopfschmerzen das Studium aufgeben wollen, später aber zwei Nobelpreise bekommen. 

Viele Menschen wüssten jedoch nicht, wie sie den Beschwerden vorbeugen könnten, sagt Schmerztherapeut Göbel. „Viele Kinder werden schon wie selbstverständlich mit Kopfschmerztabletten in die Schule geschickt, das gehört dazu wie das Pausenbrot.“

 

Was sind die Risikofaktoren?

Als Risikofaktoren machen die Experten Alkoholkonsum, koffeinhaltige Getränke, körperliche Inaktivität, Stress und Muskelanspannungen im Schulter-Nackenbereich aus.

Und welche Rolle spielen regelmäßiges Trinken und Essen? „Einzelne können davon gut profitieren“, sagt Gaul. „Es gibt aber keinen einzelnen Mechanismus, der die ganze Migräne erklärt.“

Schmerztherapeut Göbel hält Ernährung für einen entscheidenden Ansatzpunkt. „Das kindliche Nervensystem braucht Kohlenhydrate.“ Damit seien aber nicht Süßigkeiten gemeint, sondern Kartoffeln, Reis, Vollkorn oder Nudeln. Ein Frühstück, ein Pausenbrot und ein festes Mittagessen vor 13 Uhr hält er für wichtig. Regelmäßiges Trinken dürfe auch nicht vergessen werden. „Es gibt immer noch Schulen, wo das verboten ist.“ Das Abendessen solle auch nicht ausfallen, weil es verhindern könne, dass Kinder morgens bereits mit Kopfweh aufwachen.

 

Einfach mal nichts tun

„Alles zu Schnelle, alles zu Viele, alles zu Plötzliche, alles zu Intensive kann Migräne-Attacken auslösen“, mahnt Göbel. Daher sei Regelmäßigkeit im Alltag wichtig. „Kinder sollten einen gleichmäßigen Tagesablauf haben.“ Außerdem sollten sie zumindest eine halbe Stunde am Tag mal nichts tun: „Handy weglegen, Hinsetzen, zur Ruhe kommen, Träumen und an gar nichts denken“, rät er. „Wenn man das Kindern erklärt, verstehen sie das ganz gut.“

 

Nervensystem wird ständig beansprucht

Frische Luft, Sport und ein Spaziergang seien auch hilfreich. „Viele kommen aber gar nicht mehr dazu, weil sie schon wieder hinter den Büchern am Schreibtisch sitzen müssen.“ Dazu komme der Medienkonsum, der den Tag schnell verrinnen lasse, weil sich das kindliche Gehirn kaum lösen könne von den wechselnden Reizen. „Das Nervensystem ist ständig in high action. Das belastet natürlich sehr.“

Erste Ergebnisse der "Aktion Mütze" geben den Initiatoren Recht: Am Ende der Erprobungsphase des Projekts hätten mehr als zwei Drittel der befragten Schüler mit Kopfweh angegeben, dass sich ihre Schmerzenz infolge der Verhaltensumstellung verbessert haben, sagt Frisch.  

 

Quelle: dpa


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