Katastrophenfall: Verheerende Überschwemmungen im Norden von RLP

Anwohner*innen in Notunterkünften, Straßen verwandeln sich in reißende Bäche und sämtliche Brücken sind gesperrt. Es ist von Vermissten die Rede. Vier Menschen starben in den Fluten. In der vergangenen Nacht wurde in vielen Regionen von RLP der Katastrophenfall ausgerufen.

++++ Vermisstenhotline eingerichtet ++++

Inzwischen hat die Polizei eine Hotline für Angehörige eingerichtet, die Personen vermissen. Erreichbar ist die Telefon-Hotlinge unter der 0800-6565651. Desweiteren bittet die Polizei in Koblenz nach Mithilfe der Bewohner*innen des Kreis Ahrweilers, um die Suche nach den Vermissten voranzubringen. Videos oder Fotos, die Hinweise zu den vermissten Personen oder weiteren Todesopfern liefern können, sollen unter https:rlp.hinweisportal.de/ hochgeladen werden. 

 

Norden und Westen von RLP versinkt in Chaos

Heftiger Regen sorgte in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens und in Rheinland-Pfalz für Überschwemmungen, Hochwasser und Stromausfälle. Der extreme Dauerregen sollte zwar laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in der Nacht zum Donnerstag nachlassen. Die Flusspegel steigen jedoch weiterhin. Die Lage im Norden von Rheinland-Pfalz ist extrem angespannt.

 

In Rheinland-Pfalz wurden in folgenden Kreisen der Katastrophenfall bzw. Alarmstufe ausgerufen:

  • Kreis Ahrweiler
  • Kreis Trier-Saarburg
  • Kreis Vulkaneifel
  • Kreis Bitburg-Prüm

 

KREIS AHRWEILER

Um 23.15 Uhr in der Nacht hat Landrat Jürgen Pföhler den Katastrophenfall für den Kreis Ahrweiler ausgerufen und damit auch die Unterstützung der Bundeswehr ermöglicht. Der heftige Starkregen hat für eine Vielzahl überschwemmter Straßen und vollgelaufener Keller im gesamten Kreisgebiet gesorgt und vor allem die Pegel der Ahr dramatisch ansteigen lassen.

Ein Schwerpunkt Adenau und die Hocheifelgemeinde: Schlamm und Geröll blockieren zahlreiche Fahrbahnen. Auch in Remagens Ortsteil Unkelbach verwandelten sich mehrere Straßen wie schon vor zwei Wochen in reißende Bäche.

 

Wie die Polizei Koblenz mitteilte, ist die Anzahl der Todesopfer im Raum Bad Neuenahr-Ahrsweiler mittlerweile auf 18 Personen gestiegen.

 

In der Campinganalage Stahlhütte in Dorsel mussten mehrere Menschen von den Dächern ihrer Wohnmobile gerettet werden. Dazu waren auch Taucher der DLRG im Einsatz. In Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig sowie im Stadtteil Bad Bodendorf sind alle Gebäude im Umkreis von 50 Metern rechts und links der Ahr evakuiert worden. Mehrere Gebäude sind von den Wassermassen schwer beschädigt worden und eingestürzt. Es ist in Schuld bei Adenau von rund 30 Vermissten die Rede, wie uns ein Sprecher sagte. Bestätigt sind inzwischen vier Tote. Aktuell suchen Rettungskräfte in den Trümmern nach Vermissten. Einen genauen Überblick hat die Polizei aber noch nicht. Die Lage ist angespannt.

 

 

Sämtliche Brücken im Stadtgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler sind derzeit gesperrt und dürfen auf keinen Fall betreten oder befahren werden. Alle Schulen im Kreis Ahrweiler bleiben heute geschlossen. THW und Berufsfeuerwehr Koblenz sind zur Unterstützung angefordert worden und haben hunderte von Sandsäcken befüllt und in das Krisengebiet gebracht.

 

Die A 61 war die ganze Nacht in Fahrtrichtung Süden wegen drohender Unterspülung gesperrt, ist aber wieder einspurig befahrbar. Auch eine Stützwand sei umgekippt. Ein Sachverständiger befürchte ein Abrutschen der Fahrbahn. Der Verkehr wird ausgeleitet.

 

 

 

TRIER-SAARBURG

Nach Überschwemmungen wegen anhaltender Regenfälle wurde am Mittwochabend im Landkreis Trier-Saarburg die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen. Nach einer Mitteilung der Technischen Einsatzleitung des Brand- und Katastrophenschutzes waren am frühen Donnerstagmorgen die Verbandsgemeinden Trier-Land, Schweich und Konz am heftigsten vom Hochwasser betroffen.

Mehr als 1000 Einsatzkräfte waren in der Nacht zum Donnerstag im Kreis Trier-Saarburg im Unwettereinsatz.

In Trier hat die Feuerwehr derweil schon in den frühen Morgenstunden den Vollalarm ausgelöst. Wie die Stadt auf Twitter schreibt, droht die Kyll Teile des Stadtteils Ehrang zu überschwemmen. Rund 1600 Bewohner*innen werden mit Durchsagen darauf vorbereitet, möglicherweise ihre Wohnung verlassen zu müssen. In Kordel wurde bereits in der Nacht ein Seniorenheim geräumt. In der Verbandsgemeinde Trier-Land und umliegenden Orten ist in der Nacht außerdem noch der Strom ausgefallen, rund 22.000 Haushalte waren oder sind derzeit ohne Trinkwasseranschluss. Hochdruck an Transport, Unterbringung und Verpflegung der Betroffenen gearbeitet. Schule und Kindergarten in Kordel bleiben am Donnerstag geschlossen.

In Ehrang musste derweilen auch das Klinikum Mutterhaus und die Seniorenresidenz St. Epter evakuiert werden. Im Klinikum kann durch das steigende Hochwasser eine Explosion nicht ausgeschlossen werden. Im Keller des Gebäudes befindet sich ein Heliumtank, der im Normalfall elektronisch gekühlt wird. Während der Evakuierung konnten alle Patient*innen und Bewohner*innen das Gebäude verlassen. Mithilfe von Hubschraubern sollen die Liegend-Patient*innen nun von den Rettungskräften in andere Trierer Kliniken gebracht werden.

 

 

VULKANEIFEL

In Rheinland-Pfalz rief auch der Kreis Vulkaneifel nach starken Regenfällen und Überschwemmungen den Katastrophenfall aus. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte Landrätin Julia Gieseking am Mittwochabend in Daun. Die Schulen im Kreis sollen am Donnerstag geschlossen bleiben. „Ich appelliere an die Bevölkerung, dass alle zuhause bleiben und sich schützen vor den Wassermassen“, sagte Gieseking.

Im Kreis Vulkaneifel sollen die Schulen heute geschlossen bleiben.

 

EIFELKREIS BITBURG-PRÜM

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist infolge der andauernden Regenfälle unter anderem die Nims über die Ufer getreten. Nach Angaben der Feuerwehr Prüm ist besonders der Bereich zwischen Rommersheim und Lasel von Hochwasser betroffen.

Die Flüsse dort haben historische Pegelhöchststände erreicht. In den kommenden Stunden fließt das Wasser dann weiter Richtung Trier und Mosel, auch dort droht Hochwasser.

Im Eifelkreis sind zudem gerade 100 Mitarbeiter der Westnetz GmbH im Dauereinsatz. Die Anlagen zur Stromversorgung sind von den Überflutungen getroffen und mussten aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. Dadurch kommt es im Eifelkreis Bitburg-Prüm momentan zu großflächigen Versorgungsunterbrechungen. 

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm werden momentan sinkende Wasserpegel gemeldet. Der Katasrophenschutz mahnt dennoch, dass Bürger*innen Nähe zu Gewässern meiden sollen! Dementiert wurden unterdessen, dass die Staumauer in den Gemeinden Wiersdorf, Wißmannsdorf, Brecht, Oberweis und Bettingen zu brechen droht. Diese Falschmeldung wurde vereinzelt verbreitet.