Nach Tornado am Niederrhein: Ist das auch in RLP möglich?

Ein Unwetter mit einem Tornado hat am Mittwochabend schwere Schäden im Raum Viersen (NRW) angerichtet. Ein Video zeigt das „Ungeheuer“, das über die Landschaft fegt. Was sich viele nun fragen: Kann das auch in meiner Region passieren? RPR1.Wetterexperte Kai Zorn klärt auf.

Hohe Tornado-Dunkelziffer

Der Tornado am Niederrhein hinterließ am Mittwochabend eine Schneise der Verwüstung. Ein Video zeigt die unfassbare Kraft, die hinter einem solchen Wetter-Phänomen steckt.

Direkt kommt einem der Gedanke: ‚Ich dachte, Tornados gibt es nur in den USA.‘ Dass es so etwas hierzulande gibt, können sich die meisten gar nicht vorstellen. RPR1.Wetterexperte Kai Zorn hat da eine überraschende Antwort: „Tornados sind auch in Deutschland normal. Pro Jahr gibt es hierzulande grob zwischen 40 und 60 Tornados. Die Dunkelziffer liegt erheblich höher.“

 

Kann es auch meine Region treffen?

Theoretisch kann es in jeder Region von Rheinland-Pfalz zu einem Tornado kommen. Die Grundvoraussetzung für ihre Entstehung sind große Gewitterwolken: „Tornados entstehen an großen Gewitterwolken und können das ganze Jahr über vorkommen. Am höchsten ist die Tornadogefahr im Sommerhalbjahr, wenn eben Gewitter entstehen“, erklärt Zorn. „Dazu brauchen wir eine Windscherung. Kommen in der Höhe und am Boden die Winde entgegengesetzt, beginnt die Gewitterwolken zu rotieren - ähnlich wie bei einem Strudel!“

Ein Beispiel: Erhitzt sich durch die starke Sonneneinstrahlung die Luft und es entsteht eine Gewitterwolke, steigt warme Luft empor. Gibt es nun Bodenwind aus beispielsweise südlichen und südöstlichen Richtungen und kommt der Wind in höheren Luftschichten aus Nord bis Nordwest, laufen die Winde ineinander und beginnen zu rotieren.

 

Die stärksten Tornados in Deutschland

Die letzten F5-Tornados (den stärksten in der offiziellen Skala) gab es in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. In Hainichen begann am 23. April 1800 die Luft zu rotieren. „Und am 29. Juni 1764 zog ein F5 Tornado über Woldegk in Mecklenburg-Vorpommern. Es war einer der stärksten Tornados überhaupt in Deutschland. Seine Wucht riss Baumstümpfe aus dem Boden. Bei einem F5 treten Windgeschwindigkeiten von 419-512 km/h auf. Theoretisch könnte ein solcher Tornado asphaltierte Straßen heraus reißen“, schildert Zorn.

„Generell gilt: Tornados können also immer und überall entstehen. Bei Tornados sollte man sich in geschützte Räume begeben, am besten in Räumen auf der Ostseite, der Innenseite oder in den Keller.“

Übrigens: Bei dem gestrigen NRW-Tornado handelte es sich wahrscheinlich um einen F1, also einen schwächeren Tornado. Das spektakuläre Aussehen geschah durch den vielen Staub.

 

Quelle: Wetterexperte Kai Zorn

Radio online hören mit radio.de