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Kein Notendruck für Kinder: Schulstart im Ahrtal

Der Schulstart in der Regionen, die besonders von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind, steht vor der Tür und für viele Schüler*innen sind im Kopf weiterhin bei den schrecklichen Ereignissen vor einigen Wochen. Aus diesem Grund haben Schulpsychologie, die Schulleitungen und das Bildungsministerium besondere Vorkehrungen für das kommende Schuljahr getroffen.

Schule als Ort der Traumabewältigung

Der Schulbetrieb in den Katastrophengebieten hat ganz spezielle Aufgaben zu bewältigen und erklärt sich bereit, diese große Herausforderung anzunehmen. Gewöhnlicher Unterricht ist zu Beginn nicht möglich, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Mainz mitteilte: „Wir haben jetzt diese Katastrophe, über die man viel sprechen muss, und es wird auch eine Weile dauern, bis man darüber sprechen kann.“ Allerdings sei der Schulstart auch darüber hinaus extrem wichtig, ein großer Punkt sei „wieder die gewohnten Menschen zu treffen, wenn man schon nicht mehr die gewohnte Umgebung hat.“

Für die Bewältigung des Traumas werden die Schulpsycholog*innen vor Ort in den Schulen sein sich der Aufgabe annehmen, die verschiedenen Erfahrungen und Perspektiven der Schüler*innen zu berücksichtigen.

 

Kein Notendruck

Viele Schüler*innen blicken mit Angst und Sorgen auf das kommende Schuljahr, sagte Pascal Groothuis von der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler. Nach der Corona-Pandemie kommt bereits die nächste Belastung auf die Schulkinder zu, die sich nicht vorstellen können, bereits mit Tests oder Klassenarbeiten ins Schuljahr zu starten. Zu viele Schüler*innen sind gedanklich noch bei dem Problem, wie ihr Haus wiederaufgebaut werden kann. Auch dazu hat die Bildungsministerin deutliche Worte gefunden: „Es darf jetzt keinen Leistungs- und keinen Notendruck geben.“

 

19 Schulen schwer beschädigt

Auch die Schulen selbst haben die Hochwasserkatastrophe jedoch nicht unbeschadet überstanden. 19 Schulen haben mit schweren Beschädigungen zu kämpfen und drei Schulen sind gar nicht mehr benutzbar: Eine Berufsbildende Schule in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Grundschulen und Dernau und Ahrbrück sowie eine Realschule plus in Altenahr sind besonders betroffen. Dies hat Konsequenzen für über 8000 junge Menschen.

Jedoch wurde der Schulstart für alle Schüler*innen so organisiert, dass das Schuljahr in den gewohnten Klassengemeinschaften beginnt – notfalls in benachbarten Schulen oder in Containern. „Wir waren von Anfang vor Ort und weiter es weiter bleiben,“ kündigt Hubig zum kommenden Schulstart an. Die Kosten für die Aufbauarbeiten von Kitas und Schulgebäuden schätzt sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur auf einen dreistelligen Millionenbeitrag.

 

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Bildungsminsterin Stefanie Hubig in der zerstörten Boeselager-Realschule plus in Ahrweiler, Bild: picture alliance / dpa | Thomas Frey

 

Über 1000 gefüllte Schulranzen

Die Container sollen genau wie alle verlorenen Lernmaterialien über die Soforthilfen des Landes gekauft werden, um den Schüler*innen ein sinnvolles Lernumfeld zu schaffen. Der Landeselternbeirat will darüber hinaus zum Schulstart in zehn Tagen über 1000 gefüllte Schulranzen über die Aktion „Eltern helfen Eltern“ an Schulkinder verteilen.

Quelle: dpa