Haare ausgerissen, Knochen gebrochen: Pflegeeltern quälen Kind

Eine Pflegefamilie aus dem Rhein-Neckar-Kreis steht heute in Mannheim vor Gericht. Dem Paar wird vorgeworfen seinen Pflegesohn im Jahr 2017 brutal misshandelt zu haben.

Damals Dreijähriger muss schrecklich gelitten haben

Ein Ehepaar aus dem Rhein-Neckar-Kreis soll seinen Pflegesohn brutal gequält und misshandelt haben – ab heute müssen sich die Frau und der Mann vor dem Amtsgericht Mannheim verantworten. Die beiden sind wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung mit Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt.

Der damals drei Jahre alte Junge war in einem schrecklichen gesundheitlichen Zustand 2017 aus der Pflegefamilie herausgeholt worden. Offene Wunden, ausgerissene Haare, gebrochene Knochen, eine Leberprellung sowie völlig unterernährt – der damals Dreijährige muss unfassbar gelitten haben. Das Mannheimer Jugendamt war damals auf die Misshandlung aufmerksam geworden und brachte das Kind in eine Klinik, wo er zehn Tage behandelt wurde.

 

Mutter bestreitet Tat

Die 44-jährige Pflegemutter bestreitet laut Anklage eine Misshandlung des Kindes. Es sei gestürzt und habe zu wenig gegessen, um die anderen Familienmitglieder zu „bestrafen“. Die Haare habe der Junge sich selbst herausgerissen. Der Vater hatte sich zunächst in Schweigen gehüllt und dann einen Brief ans Gericht geschrieben, dessen Inhalt nicht öffentlich bekannt wurde.

Die leibliche Mutter des Opfers tritt in der Gerichtsverhandlung als Nebenklägerin auf. Der Strafrahmen für diesen Fall liegt bei sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.

 

Zuvor wohl keine Anzeichen auf Kindeswohlgefährdung         

Wie das zuständige Mannheimer Jugendamte mitteilte, wurde das Kind regelmäßig dem Kinderarzt vorgestellt und besuchte kontinuierlich den Kindergarten - ohne dass es Hinweise auf häusliche Gewalt gegeben habe. Am 13. September 2017 ging dann ein Hinweis beim Jugendamt auf eine konkrete Kindeswohlgefährdung ein – die Behörde prüfte den Fall sofort. Innerhalb von zwei Stunden sei der Junge damals in Obhut genommen worden.

Hätte das Leid des Jungen früher entdeckt oder gar verhindert werden können? Die zuständige Mannheimer Bürgermeisterin für Bildung, Kinder, Jugend und Gesundheit, Ulrike Freundlieb sagte dazu, es sei letztlich immer eine Prognose in die Zukunft, die stets nur aufgrund der aktuellen Situation bewertet werden könne. „In der Nachbetrachtung kann sich die Situation dann jedoch als anders herauskristallisieren, als sie sich zum Beurteilungszeitpunkt dargestellt hat.“ Es sei bedauerlich, dass durch Fälle wie dem aktuellen, dem Ruf und der Leistung von Pflegeeltern ein schlimmer Schaden zugefügt wird.   

Das Jugendamt Mannheim betreut derzeit 203 Pflegefamilien, in denen 235 Pflegekinder leben. Durchschnittlich 25 bis 40 Kinder werden vom Pflegedienst in Familien in Mannheim vermittelt.

 

Quelle: dpa