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Flutopfer aus dem Ahrtal benötigen verstärkt psychologische Hilfe

Die psychologischen Folgen vieler Flutopfer aus der Eifel und dem Ahrtal kommen jetzt zu Tage. Die entsprechenden Angebote verzeichnen eine steigende Anfrage Hilfesuchender.

Die psychische Verarbeitung beginnt erst jetzt

Es sind jetzt zwei Monate her, als die verheerende Flutkatastrophe das Ahrteil heimsuchte. Viele Menschen kämpfen jetzt mit den seelischen Folgen. Dabei „sei es typisch bei Krisensituationen wie etwas bei Hochwasser, dass sich Betroffene erst nach einiger Zeit melden“, erklärt Maja Krischer, die Leiterin der Spezialambulanz für Traumatisierung. „In der Regel sind Traumasymptome nicht sofort da.“ Krischer rechnet damit, dass bis Ende 2021 die Anfragen steigen werden.

Als Erstes haben sich die Menschen um faktische Sachen gekümmert, wie die Aufräumarbeiten und das eigene Hab und Gut zu sichern. Erst danach werden die Ereignisse reflektiert. Zu den Folgen zählen Ängste, Schlafstörungen, wiederkehrende und quälende Erinnerungen. Wie Krischer sagt „beginnt man keine traumaspezifische Behandlung, solange keine Sicherheit da ist.“

„Normalerweise leiden etwa 3 Prozent der Menschen in der Region unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Jetzt sind im Ahrtal mehr als 40.000 Menschen von traumatischen Ereignissen betroffen. Mindestens 40 Prozent davon, also mehr als 15 000 Menschen werden psychiatrisch behandlungsbedürftig sein“, sagt Markus Schmitt, leitender Psychologe beim Eichenberg-Institut, im Interview mit der Rhein-Zeitung.

 

Kind traut sich nicht mehr nach draußen

Zum Beispiel gäbe es eine Patientin, die jeden Tag 20 Mal die Wetter-App checkt, ob es Regen gibt. Ein Kind kann nicht mehr nach draußen vor die Tür, sobald es regnet. Dies seien Symptome, die von der Katastrophe herrühren.

In der Traumaambulanz der Universitätsklinik Köln für Kinder und Jugendliche ist bei den Patienten die Angst ein großes Thema.

Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) stellte allein kurz nach der Flut 100 Therapieplätze für Aktubehandlungen zur Verfügung und richtete ehrenamtliche Telefonsprechstunden ein. Dieter Adler, der Vorsitzende des DPNW berichtet: „Unmittelbar nach der Flut war es zunächst sehr still. Jetzt steigen die Anfragen an.“

 

Quelle: dpa