Alexander Zverev strebt am Montag sein erstes Viertelfinale in Wimbledon an.
John Walton/PA Wire/dpa
Alexander Zverev strebt am Montag sein erstes Viertelfinale in Wimbledon an.
Tennis in Wimbledon

Zverev ist «unfassbar sauber» - und will ins Viertelfinale

Das Waschbecken strahlt immer, die Schuhe müssen gerade stehen. Zverev verrät vor seinem ersten Härtetest in Wimbledon kuriose Angewohnheiten. Sportlich möchte er eine Premiere schaffen.

Von den Marotten des Alltags ist French-Open-Sieger Alexander Zverev auf dem Tennisplatz eher wenig anzumerken. Doch jenseits des Sports habe er «unfassbar viel Aberglaube», verriet der Tennis-Olympiasieger von 2021 vor seinem ersten Härtetest im Achtelfinale des Rasenklassikers am Montag gegen den Tschechen Jiri Lehecka.

«Bei mir muss zum Beispiel alles unfassbar gerade stehen, die Schuhe müssen gerade stehen, die Zahnbürste muss immer gleich liegen und so was, also ich bin unfassbar sauber», erzählte der 29-Jährige bei Prime Video frei heraus. Seine Lebensgefährtin Sophia Thomalla drehe «komplett durch», meinte Zverev. «Wenn im Waschbecken da auch nur ein Tropfen ist, gehe ich abends immer vorm Schlafen und mache das ganze Waschbecken.»

Wie zuletzt in Paris ist TV-Moderatorin Thomalla in Wimbledon wegen beruflicher Verpflichtungen nicht dabei, kommentierte Zverevs Aussagen aber auf Instagram: «Ich wusste bis zu unserer Beziehung gar nicht, dass Wasser im Waschbecken illegal ist.»

Zverev: Turnier geht jetzt erst los

Ordnung am eigenen Stuhl herrscht auch auf dem Tennisplatz, doch im Match sollen Zverev irgendwelche Marotten nicht ablenken. Ohne Sperenzchen strebt Zverev so auch seine Viertelfinal-Premiere beim Rasenklassiker im Südwesten Londons an. Dafür muss er in Lehecka erstmals an der Church Road einen Top-20-Spieler besiegen. 

«Ich habe das Gefühl, dass das Turnier für mich dieses Jahr aus irgendeinem Grund gerade erst richtig losgeht», sagte der 29-Jährige. «Ich bin zufrieden mit meiner aktuellen Position. Ich bin zufrieden mit meiner Spielweise. Natürlich möchte ich so weitermachen.» 

Unaufgeregt und ungefährdet hat der Weltranglisten-Dritte im All England Lawn Tennis and Croquet Club seine ersten drei Runden erledigt. Das 6:2, 7:6 (7:4) 6:4 am Samstag gegen den US-Amerikaner Marcos Giron konnte Zverev schnell abhaken. An sein Leistungslimit musste er nicht gehen. «Manchmal gehst du aus diesen Matches gestärkt hervor, weil du weißt, du hast wahnsinnig Luft nach oben», meinte der Wimbledonsieger von 1991, Michael Stich, bei Prime.

«Mein Handy ist aus»

Eine Angewohnheit wie in Paris behält Zverev bei. Von außen möchte die deutsche Nummer eins wenig mitkommen. «Mein Handy ist aus», berichtete er. Das werde sich auch bei den nächsten Grand-Slam-Turnieren nicht ändern. 

Verändert hat sich seine Selbstsicherheit, der Paris-Triumph auf Sand wirkt sich auch auf Rasen aus. «Ich habe das Gefühl, da ist ein bisschen auch Selbstverständlichkeit dabei jetzt. Vielleicht ein bisschen arrogant, aber das ist auch positiv», sagte der Hamburger. «Natürlich stärkt der Sieg bei den French Open das Selbstvertrauen. Natürlich ist das sehr hilfreich für mich.»

Was Zverev über Lehecka sagt

Mit einem Sieg gegen Lehecka würde der deutsche Spitzenspieler tatsächlich schon sein bestes Ergebnis im Südwesten Londons toppen. Dreimal stand Zverev bei seinem bisher schwächstem Grand-Slam-Turnier zuvor erst im Achtelfinale. 2017, 2021 und 2024 war dann dort jeweils Schluss. Gegen den 24 Jahre alten Lehecka scheint ein Aus in seiner aktuellen Form unwahrscheinlich. 

«Er ist ein sehr aggressiver Spieler, jemand, der wirklich gar nichts zurückhält», beschrieb Zverev seinen Kontrahenten. «Er ist jemand, der entweder unfassbar schlecht spielt oder unfassbar gut spielt.» Da der Tscheche drei Matches gewonnen habe, werde er davon ausgehen, «dass er wirklich sehr, sehr gutes Tennis» zeige. «Ich glaube, das wird meine schwerste Challenge werden bis jetzt.» Doch Zverev fühlt sich bereit, er müsse seinem Spiel vertrauen.

Zverev möchte Emotionen sparen

Mit bisher nur einem Satzverlust sparte Zverev für die schwierigeren Aufgaben Energie - auch emotional. Anders als noch vor einigen Jahren sei er mittlerweile «einer der ruhigsten Spieler» auf der Tour geworden. «Ich zeige wenig positive Emotionen, wenig negative Emotionen. Ich versuche halt, immer bei mir zu bleiben.» So fühlt sich der Australian-Open-Finalist von 2025 auch nach dem Trubel durch den French-Open-Sieg gerüstet.

Die Erfahrung helfe. «Emotional wird man schon ein bisschen müde. Aber ich bin ja auch fast 30 Jahre alt», sagte Zverev. «Ich weiß gewissermaßen, wie ich mit den größten Höhen und Tiefen umgehen muss.» Zu einem Tief mit einem Achtelfinal-Aus soll es diesmal nicht kommen.

Von Kristina Puck, dpa
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