Emotional feierte Alexander Zverev im Viertelfinale gegen Taylor Fritz wichtige Punktgewinne.
Andrew Matthews/PA Wire/dpa
Emotional feierte Alexander Zverev im Viertelfinale gegen Taylor Fritz wichtige Punktgewinne.
Tennis in Wimbledon

Zverev dominiert Angstgegner: Zwei Siege zum Triumph

Deutschlands bester Tennisspieler tritt in seinem Wimbledon-Viertelfinale gegen einen Angstgegner an. Das Duell wird eine überraschend klare Angelegenheit. Nun ist das Finale zum Greifen nah.

Seinen Halbfinal-Gegner in Wimbledon erfuhr Alexander Zverev auf kuriose Weise - und noch bevor der deutsche Tennisstar den Sieg gegen seinen Angstgegner perfekt machte und überglücklich feierte. Weil der Jubel über das Tennis-Märchen des britischen Außenseiters Arthur Fery vom Centre Court herüberschwappte, musste Zverev kurz vor dem Ende seines Matches innehalten.

Er musste sich einmal sammeln. Dann vollendete Zverev seinen dominanten und konzentrierten Auftritt zum überraschend glatten 6:4, 6:4, 6:2-Erfolg gegen den US-Profi Taylor Fritz. Der deutsche French-Open-Gewinner zog damit zum ersten Mal ins Halbfinale des Londoner Rasenklassikers ein. 

«Aufregender Tag»

Am Freitag kann Deutschlands bester Tennisspieler die riesige Chance gegen den Weltranglisten-114. ergreifen, um seine Erfolgsgeschichte gegen den Lokalhelden mit dem Schritt ins Finale fortzuschreiben. «Ihr könnt alle für Fery sein, das ist total ok. Ich verstehe das. Ich habe kein Problem damit. Es wird ein aufregender Tag für beide von uns», sagte Zverev im Siegerinterview. 

Sieben Partien hatte Zverev zuvor am Stück gegen Fritz verloren, diesmal verwandelte er nach 1:58 Stunden seinen ersten Matchball. «Es klingt großartig», kommentierte Zverev seinen Halbfinal-Einzug. «Ich habe ein fantastisches Match gespielt. Es ist ein Traum, der wahr wird, endlich gut in Wimbledon zu spielen. Ich hoffe, noch zwei Matches zu spielen.» Bisher war er nie über das Achtelfinale hinausgekommen.

Zwei Siege trennen ihm vom Wimbledon-Triumph. Fast zeitgleich gewann Fery gegen Zverevs Paris-Finalgegner Flavio Cobolli aus Italien überraschend mit 6:4, 7:6 (7:4), 6:0. Der 23-Jährige, der wenige Minuten entfernt vom All England Club aufgewachsen ist, kam dank einer Wildcard ins Turnier - also ohne sportliche Qualifikation. «Das ist natürlich eine wunderschöne Geschichte. Aber ich muss mich auf mich selber konzentrieren», sagte Zverev beim Pay-TV-Sender Prime Video.

Der Erfolg über Fritz soll ihm den nächsten Schub für den angestrebten Wimbledon-Titel verleihen. «Ich wusste, dass ich vom ersten Moment an konzentriert sein musste. Natürlich hast du es im Kopf, dass du den Gegner zwei Jahre lang nicht geschlagen hast», sagte der Weltranglisten-Dritte.

Zverev wirkt gelöst

Auf die Frage, dass er seinen Sieg sonders leicht aussehen ließ, antwortete der Australian-Open-Finalist von 2025 mit Humor: «Nichts auf dem Tennisplatz ist einfach. Wenn ich gegen meine fünf Jahre alte Tochter spielen würde, wäre es das vielleicht - für sie», meinte der 29-Jährige mit einem Schmunzeln. 

Insgesamt ist es Zverevs 12. Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. In Wimbledon reiht sich der Paris-Champion als Fünfter in die Liste der deutschen Halbfinalisten im Männer-Einzel ein - nach Boris Becker, Michael Stich, Rainer Schüttler und Tommy Haas. 

Für Stich ist Zverev am besten in Form

Da der spanische Tennis-Topstar Carlos Alcaraz wie in Paris verletzt fehlt, ist der deutsche Spitzenspieler hinter Vorjahreschampion Jannik Sinner aus Italien an Position zwei gesetzt. Und er wird seiner Rolle bislang gerecht.

«Eine großartige Leistung - eines seiner besten Matches hier konzentriert, locker, entspannt, mit Spaß, mit Freude. Chapeau», gratulierte Ex-Wimbledonsieger Michael Stich als Experte bei Prime. «Ich habe nicht umsonst gesagt, dass er für mich von allen, die noch drinnen sind, der Beste ist.» Im anderen Halbfinale stehen sich der italienische Titelverteidiger Sinner und der serbische Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic gegenüber.

 

Zverevs außergewöhnliche Aussage

Während bei mehr als 30 Grad Celsius die Zuschauer im All England Club Schattenplätze suchten, war Zverev zwar nicht auf Anhieb im Match, ließ einen kurzen, nervösen Beginn aber schnell hinter sich und wirkte dann hellwach. Zverev mag die Hitze, das hat er oft erzählt. Ein Break zum 2:1 genügte für den ersten Satzgewinn. Als er zum Satz aufschlug, wackelte Zverev zwar, löste die komplizierte Situation aber mit erstklassigen Aufschlägen bravourös.

Fritz holt den Physiotherapeuten

Noch in der Wimbledon-Vorbereitung hatte Zverev gegen Fritz in Halle den Kürzeren gezogen, da hatte der Hamburger aber erhebliche Probleme mit seiner Diabetes-Erkrankung. Diesmal ließ Fritz zu Beginn des zweiten Satzes den Physiotherapeuten rufen und sich rund um das Knie behandeln. Seit dem vergangenen September beschäftigen Knieschmerzen den 28-Jährigen. 

Zverev mit Freudenschrei beim Break

Zverev war emotional, animierte das Publikum, ihn anzufeuern. Mit einem lauten Schrei feierte er das nächste Break zum 5:4 und die Vorentscheidung im zweiten Durchgang. Vor zwei Jahren war Zverev in Wimbledon trotz einer 2:0-Satzführung noch an Fritz gescheitert, es schränkte ihn im Achtelfinale eine Knieverletzung ein. Damals hatte seine Negativspirale gegen den Weltranglisten-Siebten begonnen. Diesmal soll der Sieg nur der nächste Schritt.

Von Kristina Puck, dpa
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