Kai Havertz und Antonio Rüdiger sind Vize-Kapitäne im DFB-Team. (Archivbild)
Bernd Thissen/dpa
Kai Havertz und Antonio Rüdiger sind Vize-Kapitäne im DFB-Team. (Archivbild)
Fußball-Nationalmannschaft

WM-Auftrag für ungleiche Stellvertreter Havertz und Rüdiger

Kai Havertz und Antonio Rüdiger gehören bei der Nationalmannschaft zum engsten Führungskreis. Vermisst wurden die Vize-Kapitäne lange. Der WM-Input könnte von beiden kaum unterschiedlicher sein.

Noch bevor Kai Havertz auf dem DFB-Podium warmherzig über seine ziemlich ungewöhnliche Esel-Liebe sprach, plauderte er angeregt mit seinem Kollegen Antonio Rüdiger. Die heimische Tierwelt dürfte dabei kaum das Thema gewesen sein. Die beiden so grundverschiedenen Stellvertreter von DFB-Kapitän Joshua Kimmich radelten vor dem Geheimtraining der Fußball-Nationalmannschaft locker nebeneinander auf den Ergometern im Fitnessraum des Homegrounds in Herzogenaurach. 

Freihändig. Einträchtig. Fokussiert auf ihre lang ersehnten Comebacks rechtzeitig vor der WM. Zu bereden gibt es genug für die Schlüsselspieler von Julian Nagelsmann vor dem ersten Test-Länderspiel des Jahres am Freitag (20.45 Uhr/RTL) im Basler St. Jakob Park gegen die Schweiz. Nach einem Tag Belastungsteuerung in Franken standen der Innenverteidiger und der langjährige Torgarant zur Freude des Bundestrainers wieder auf dem Platz. 

Besondere Sympathien für Rüdiger

Den jüngsten Wirbel um das richtige Maß an Aggressivität und Einsatz von Rüdiger kann Havertz nicht nachvollziehen. Intensiv und herzlich sei der Kontakt der DFB-Troika gewesen mit dem Real-Verteidiger und mit Kimmich in der für ihn schweren Zeit, die ihn wegen verschiedener Verletzungen zu einer quälenden DFB-Pause seit November 2024 zwang. Dankbar sei er für den im Profifußball nicht selbstverständlichen Zuspruch der Kollegen. 

«Toni kenne ich sehr, sehr lang schon, habe mit ihm zusammen bei Chelsea gespielt und habe mit ihm dort auch sehr, sehr viel Zeit verbracht», erzählte Havertz. «Und da muss ich natürlich für die beiden auch irgendwie so ein bisschen meinen Respekt zollen, weil ich weiß, dass die auch ihre Karriere haben, die auch ihre Familie haben», sagte Havertz. 

Mit der Ernennung von Havertz und Rüdiger zu Co-Kapitänen hatte Nagelsmann im Spätsommer 2024 überrascht. Heute kann man einen Plan des auf Rollenprofile versessenen Bundestrainers erkennen. Im Schatten von Kapitän Kimmich kommen den Stellvertretern im WM-Konzept von Nagelsmann ganz unterschiedliche Aufgaben zu - auch wenn das erwartete Rollengespräch zumindest für Havertz noch aussteht, wie der 26-Jährige berichtete. 

Faible für Esel

Wenn Rüdiger der emotionale Anführer ist, der oft für viele Kritiker knapp an der Vertretbarkeitsgrenze agiert, der pusht und auch mal provoziert, dann ist Havertz der softe Leader. Der Nice Guy. Dessen großes Herz auch für Tiere und ganz speziell seit vielen Jahren eben für Esel schlägt. Dafür müsse er auch bei der Nationalmannschaft manchen Witz einstecken. «Das sind sehr, sehr ruhige Tiere, so ein bisschen wie ich. Und deswegen, keine Ahnung, Liebe war immer da», sagte der Arsenal-Angreifer. 

Mit der Rückkehr des international erfahrenen und mit gemeinsamen Champions-League-Meriten beim FC Chelsea (2021) ausgezeichneten Duos hält jedenfalls wieder eine andere hierarchische Qualität Einzug bei der Nationalmannschaft. Zuletzt war aus der Führungsriege nur noch Kimmich übrig, zumal auch die Mannschaftsräte Marc-André ter Stegen, Niclas Füllkrug und der nun wieder nominierte Pascal Groß fehlten.

Unterschiedliche Aufgaben in Team-Hierarchie

Rüdiger und Havertz werden bei der Entwicklung des von Kimmich vehement eingeforderten WM-Teamgeistes wichtige Aufgaben zukommen. Havertz' spezieller Wert abseits einer großen offensiven Flexibilität auf dem Platz ist dabei auf den ersten Blick schwerer zu erkennen. 

«Es ist klar, dass ich natürlich jetzt kein lautstarker Spieler bin, der in der Kabine die großen Ansprachen hält, das weiß, glaube ich, jeder. Aber es gibt auch Spieler, die einfach dann hoffentlich mit der Leistung vorneweg gehen, und da zähle ich mich auf jeden Fall dazu, einfach weil ich die Erfahrung habe», sagte der 55-malige Nationalspieler, der mit 20 Toren hinter Serge Gnabry (25 Tore) die zweitmeisten im aktuellen Kader für Deutschland erzielt hat. 

Nagelsmann war als Bundestrainer von Anfang an ein Havertz-Fan, setzte ihn trotz Verwunderung und Kritik im misslungenen Spätherbst 2023 gegen die Türkei (2:3) und in Österreich (0:2) sogar als eine Art Linksverteidiger ein. Kritik daran verbat er sich. Jetzt ist Havertz wieder im Offensivverbund gesetzt, wo er in der Schweiz und drei Tage später gegen Ghana auch mit den anderen England-Profis Florian Wirtz und Nick Woltemade wirbeln soll. 

Kommt das Wort auf die breit diskutierten Start- und Formschwierigkeiten der Kollegen in der Premier League, wird Havertz energisch. Beide hätten mit Leistung überzeugt. «Mich hat es persönlich überrascht, weil ich persönlich weiß, wie schwer es ist, nach England zu wechseln, auch einen Club zu wechseln, vor allem für so viel Geld», sagte Havertz, der 2020 für die damalige Rekordsumme von 100 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Chelsea ging.

Von Arne Richter, Klaus Bergmann und Jörg Soldwisch, dpa
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