«Es war ein unglaublicher Kampf», sagte der French-Open-Gewinner erleichtert über den Sieg gegen den italienischen Außenseiter. «Manchmal passieren gute Dinge, wenn du dich durch solche Matches durchgekämpft hast. Ich hoffe, das ist für mich bei diesem Turnier der Fall.» Bereits am Donnerstag geht es für ihn gegen den Franzosen Quentin Halys weiter. Von den deutschen Tennisprofis haben auch Eva Lys und Jan-Lennard Struff die zweite Runde erreicht.
Historische Schmach erspart
In New York startet Zverev erstmals als Nummer eins der Setzliste bei einem Grand-Slam-Turnier und ersparte sich nur mit großer Mühe eine historische Schmach. In der Geschichte des Profitennis waren zuvor seit 1968 nur sechs topgesetzte Spieler bei einem Grand-Slam-Turnier bereits in der ersten Runde gescheitert.
«Das war ein Match, das ich nach den letzten paar Wochen gebraucht habe. Ich hatte die letzten Turniere zu kämpfen», gestand Zverev. Nach dem verlorenen Wimbledon-Endspiel gegen Jannik Sinner hatte der US-Open-Finalist von 2020 eine schlechte Vorbereitung auf das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres absolviert. Immerhin gelang ihm nun im siebten Duell mit Sonego der siebte Sieg.
Zverevs Traum von seinem zweiten Grand-Slam-Titel lebt durch den Erfolg über die Nummer 89 der Welt weiter. Die Ausgangslage für den Triumph in New York ist dabei eigentlich so gut wie selten zuvor. Der Weltranglistenerste Sinner aus Italien fehlt wegen einer Knieblessur. Trotz eines starken ersten Auftritts gibt es bei der Rückkehr von Carlos Alcaraz nach einer mehr als viermonatigen Verletzungspause immer noch Fragezeichen hinter der Verfassung des Spaniers. Und Rekord-Grand-Slam-Turniersieger Novak Djokovic ist bereits ausgeschieden.
Schreckmoment für Zverev im ersten Satz
Zu Beginn zeichnete sich noch nicht ab, dass es eine lange Nacht für Zverev werden würde. Auf einen ordentlichen Start folgte nach einer guten halben Stunde ein Schreckmoment: Als er versuchte, einen Stopp von Sonego zu erreichen, geriet der 1,98 Meter Hüne ins Stolpern, fiel auf den Rücken, blieb dabei aber unverletzt. Sonego kletterte sofort über das Netz, um nach seinem Kontrahenten zu sehen und half Zverev wieder auf die Beine.
Leistungseinbruch nach erstem Satz
Wenig später gelang dem Weltranglistenzweiten durch einen leichten Vorhandfehler des Italieners das erste Break. Zverev blieb bei eigenem Aufschlag souverän, so dass er den Gewinn des ersten Satzes nach 54 Minuten perfekt machte.
Doch wie schon oft zu Beginn eines großen Turniers schlichen sich bei ihm Nachlässigkeiten ein. Sonego versuchte, Zverev mit Netzangriffen in die Defensive zu drängen, entschied fast alle langen Ballwechsel für sich. Der Italiener schaffte das entscheidende Break zum 5:3 im zweiten Satz.
Zverev erklärt Schwächephase mit «Gesamtmüdigkeit»
Zverev wirkte energielos, bewegte sich schlecht. Nach einem weiteren Aufschlagverlust guckte er mit zusammengepressten Lippen zu seinem Vater und Bruder Mischa in der ersten Reihe am Rande des Platzes. Sonego nutzte die Schwächephase, nahm Zverev auch im dritten Satz den Aufschlag ab.
«Das ist eine Gesamtmüdigkeit vom ganzen Jahr», erklärte Zverev sein Tief. «Ich habe ein sehr, sehr gutes Jahr gehabt, ein sehr intensives Jahr. Nach Wimbledon habe ich mich vielleicht ein bisschen zu sehr entspannt, dann ist es schwer, wieder reinzukommen.»
Mehrheit der Zuschauer unterstützt Sonego
Mehrfach maß der Hamburger bei den Seitenwechseln seinen Zuckerwert, Zverev ist seit Kindheitstagen an Typ-1-Diabetes erkrankt. Nach einiger Zeit berappelte sich der 29-Jährige und schaffte es in den Tie-Break. Es ging spektakulär und stimmungsvoll zu. Die Mehrheit der Zuschauer im größten Tennisstadion der Welt unterstützte Sonego und bejubelte den Satzgewinn nach einem Doppelfehler von Zverev.
Im vierten Durchgang blieb das Niveau hoch. Zverev erarbeitete sich Breakchance um Breakchance und belohnte sich mit dem Satzausgleich. Der Hamburger eilte auf die Toilette, Sonego ließ sich an der rechten Hand behandeln.
Um Punkt 1.00 Uhr Ortszeit startete der entscheidende Durchgang. Sonego konnte sein voriges Niveau nicht mehr halten. Stattdessen nahm Zverev seinem Gegner den Aufschlag zum 3:2 ab - und behielt auch zum Schluss die Nerven.
Von Florian Lütticke, dpa
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