Wer gratuliert wem beim Weltcup-Finale? Emma Aicher (links) und Mikaela Shiffrin stehen vor einem großen Showdown. (Archivbild)
Marco Trovati/AP/dpa
Wer gratuliert wem beim Weltcup-Finale? Emma Aicher (links) und Mikaela Shiffrin stehen vor einem großen Showdown. (Archivbild)
Weltcup-Finale

Ski-Historie winkt: Aicher vor Kugel-Showdown gegen Shiffrin

Nach zwei Olympia-Medaillen hat Emma Aicher auch im Weltcup den größtmöglichen Triumph im Visier. Sie fordert keine Geringere als US-Ass Mikaela Shiffrin. Der Showdown elektrisiert die Ski-Welt.

Vor wenigen Tagen zog Emma Aicher noch symbolisch den Hut vor Ski-Star Mikaela Shiffrin - die Amerikanerin gab Lob und Anerkennung aber prompt zurück. Im prickelnden Generationenduell um den größtmöglichen Erfolg um Weltcup, den Sieg in der Gesamtwertung, sagte Shiffrin über ihre deutsche Rivalin: «Um ehrlich zu sein: Sie verdient das wirklich.» Die 22 Jahre alte Aicher hat die große Chance, der besten Skirennfahrerin der Gegenwart den Gesamtsieg und die so begehrte große Kristallkugel noch zu entreißen.

Es winkt ein ski-historischer Coup: Aus Deutschland hatten bislang nur Rosi Mittermaier (1976), zweimal Katja Seizinger (1996/1998) sowie zuletzt Maria Riesch 2011 in den Gesamtwertungen triumphiert. Aber keine von denen war bei ihren Siegen so jung und unerfahren wie Aicher. «Dass ich hier stehen kann, und sagen kann, dass ich im Kampf dabei bin, das ist schon riesig für mich», sagte Aicher zuletzt im ORF und erinnerte: «Vor einem Jahr war ich ja noch nirgends im Vergleich. Ich bin schon sehr stolz, dass das so ist.»

Chefcoach beeindruckt: «Chance ergreifen»

Aichers Potenzial erkannten die Bosse und Trainer des Deutschen Skiverbands (DSV) zwar schon 2020. Damals holten sie die gebürtige Schwedin zu sich und nahmen sie als Teenagerin ohne Weltcup-Start gleich mit zur WM nach Cortina d'Ampezzo. Dort jubelte sie prompt über Bronze im Teamevent - seitdem geht es steil bergauf für die Tochter einer Schwedin und eines Deutschen.

«Das ist schon beeindruckend», lobt Cheftrainer Andreas Puelacher. Der erfahrene Coach sieht zwar auch schon seit Jahren, mit welchem Skigefühl und welcher Lernbereitschaft Aicher ausgestattet ist. Und dass sie perspektivisch um die Gesamtwertung mitfahren kann, das war ebenso der Plan mit ihr - schließlich ist sie die einzige im Weltcup, die alle vier Disziplinen bestreitet.

Skifahren und rechnen: Wie holt man 140 Punkte auf?

Von einem Shiffrin-Duell um die große Kugel schon in dieser Saison aber hatte selbst Puelacher nicht zu träumen gewagt. Aicher hatte mit zwei olympischen Silbermedaillen sowie bislang drei Siegen und sechs weiteren Podestplätzen im Weltcup eh schon eine ausgezeichnete Saison gezeigt. «Alles, was jetzt noch kommt, ist eine schöne Zugabe», sagte Puelacher der Deutschen Presse-Agentur. «Aber natürlich steigen die Erwartungen. Jetzt wollen wir die Kugel holen. Wenn man mal so eine Chance hat, dann will man sie ergreifen.»

Vor dem Weltcup-Finale von Lillehammer wird fleißig gerechnet. Ehe es auf der Piste von Kvitfjell am Samstag in die Abfahrt und am Sonntag in den Super-G geht, hat Aicher 140 Zähler Rückstand auf Shiffrin. Die Amerikanerin verzichtet auf die Abfahrt - da müsste Aicher also idealerweise siegen, um bis auf 40 Zähler an ihre Gegnerin heranzukommen.

Wie das geht, das weiß sie: Just bei der Abfahrt von Kvitfjell gewann Aicher 2025 ihr erstes Weltcup-Rennen. Ganz nebenbei kann sie da auch noch die Disziplinwertung für sich entscheiden.

Aicher will Kugel-Kampf ausblenden

Dann folgt der Super-G, wo die Deutsche auch zu den Sieganwärterinnen zählt. Am Dienstag und Mittwoch stehen Slalom und Riesenslalom in Hafjell an. Dort ist dann zwar Shiffrin wieder favorisiert - allerdings konnte Aicher zuletzt in Are im Slalom mit Platz zwei hinter der Amerikanerin den Druck hochhalten. «Es fühlte sich so an, als müsste ich um mein Leben fahren, und dennoch sprangen nur 20 Punkte mehr heraus», erzählte Shiffrin nach dem Rennen lachend.

Im Zielauflauf in Schweden verbeugte sich Aicher noch leicht vor der Siegerin und machte eine Handbewegung, als wenn sie den Hut vor der 31-Jährigen ziehen würde. «Eigentlich ist es egal, wie es ausgeht», kündigte die DSV-Athletin nun an. «Ich möchte mich auf die Rennen konzentrieren, Spaß haben und werde nicht an Kugeln oder in Was-wäre-wenn-Szenarien denken.»

Von Manuel Schwarz, dpa
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