Alexander Zverev muss die nächste Enttäuschung hinnehmen.
Pamela Smith/FR172156 AP/AP/dpa
Alexander Zverev muss die nächste Enttäuschung hinnehmen.
Tennisturnier in New York

«Schlecht gespielt»: Zverev erlebt nächsten Grand-Slam-Frust

Alexander Zverevs Hoffnung auf den US-Open-Titel bleibt unerfüllt. Die deutsche Nummer eins scheitert in Runde drei. Mitverantwortlich dafür: bekannte Fehler, Rückenschmerzen - und ein Netzroller.

Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen verschwand Alexander Zverev nach dem nächsten Grand-Slam-Frust in den Katakomben. Soeben hatte der Tennis-Olympiasieger von Tokio 6:4, 6:7 (7:9), 4:6, 4:6 gegen den Kanadier Felix Auger-Aliassime verloren und war bei den US Open in der dritten Runde gescheitert. Nur zwei Monate nach dem Erstrunden-Debakel von Wimbledon waren alle Hoffnungen auf den ersten Grand-Slam-Triumph auch diesmal wieder überraschend früh geplatzt. Der 28-Jährige warf einen selbstkritischen Blick auf seine Niederlage.

«Ich habe verloren, weil ich schlecht gespielt habe. Das ist halt dann so. Ich habe generell kein gutes Turnier gespielt», bilanzierte die Nummer drei der Tennis-Welt. Zverev rätselte, was dahinterstecken könnte. Während des Drittrunden-Matches fasste er sich an die Rückseite seines linken Oberschenkels. Auch der Rücken macht ihm seit Wochen Probleme. «Die Rückenschmerzen gehen nicht weg, bis ich jetzt eine Spritze bekomme», berichtete der zweimalige ATP-Finals-Sieger nach seinem Aus. «Aber das ist nicht der Grund.»

Als Ausrede wollte er die neuerlichen körperlichen Beschwerden nicht verstehen. «Ich finde, dass ich die letzten zwei Jahre hier schlecht gespielt habe. Die Matches, die ich hier gewonnen habe, waren mühsam, waren nicht wirklich schön, waren eher durch viel Arbeit und nicht durch gutes Tennis gewonnen. Sobald ich einen guten Spieler hatte, habe ich sofort das Match verloren.»

Titel-Sehnsucht bleibt unerfüllt

So geschah es auch gegen den gut aufgelegten Weltranglisten-27. Auger-Aliassime. Fünf Jahre nach seinem Endspiel-Drama von New York, als ihm nur zwei Pünktchen gegen den Österreicher Dominic Thiem fehlten, wartet Zverev weiter auf seinen ersten Grand-Slam-Titel. In New York hatte Zverev bei seinen vergangenen vier Teilnahmen immer mindestens das Viertelfinale erreicht - auch im vergangenen Jahr. So früh wie diesmal ist er seit 2018 nicht gescheitert.

«Enttäuschend», nannte der Hamburger kurz und knapp seine Grand-Slam-Bilanz in dieser Saison. Mit dem - wenn auch klar gegen Jannik Sinner verlorenen - Finale bei den Australian Open hatte 2025 für ihn eigentlich vielversprechend begonnen.

Zverevs «schreckliches» Jahr

Doch das war schwer für ihn zu verdauen und blieb das einzige wirkliche Highlight. Es folgten das Aus im Viertelfinale der French Open, die Blamage in Wimbledon - und nun ein nächster Rückschlag mit dem Scheitern vor dem Achtelfinale. Der Qualifikant Jan-Lennard Struff kam weiter als der deutsche Spitzenspieler.

Schon zuvor hatte Zverev sein Jahr als «schrecklich» deklariert. Diese US Open haben daran nichts geändert. Dabei hatte Zverev vor einer Woche forsch davon gesprochen, den finalen Schritt gehen zu wollen. Der Titel sollte also her. Nachdem er in Wimbledon ein Gefühl der Einsamkeit, ein mentales Loch und mangelnde Motivation offenbart hatte, fühle er sich wieder viel besser.

Trotz des gemeinsamen Trainings auf Mallorca war Rafael Nadals Onkel und Erfolgscoach, Toni Nadal, mit Zverev nicht auf Reisen gegangen. Der rege Austausch aus der Ferne mit den Nadals verhinderte nicht die zu frühe Abreise aus New York. Wie die Zusammenarbeit künftig aussehen könnte, ist offen.

Ein Netzroller wendet das Blatt

Weil er von seinen Schwächen in Flushing Meadows wusste, war Zverev «nicht mit viel Selbstbewusstsein» ins Duell mit dem Kanadier gegangen. Und dennoch hätte er trotz aller Probleme mit 2:0 nach Sätzen führen können. Nach dem verdient gewonnenen ersten Satz hatte Zverev im Tiebreak des zweiten Abschnitts einen Satzball - konnte ihn aber nicht nutzen. Auger-Aliassime wiederum half ein Netzroller, der über den Schläger des vorgerückten Zverev sprang, zum Satzausgleich. 

Damit kippte die Partie. «Es war ein unglücklicher zweiter Satz, das hat das ganze Match verändert», sagte Zverev. In entscheidenden Momenten war der Favorit oft zu passiv. Ein taktischer Fehler, der ihm seit Jahren vorgeworfen wird. Der einst als Teenager gehypte Kanadier konnte die Initiative übernehmen - und tat es auch. 

Er habe zu passiv gespielt, «weil ich einfach nichts in meinem Schläger gehabt habe. Ich habe kein Gefühl bei der Vorhand, ich habe kein Gefühl bei der Rückhand», schilderte Zverev. Eigentlich sei Auger-Aliassime ein Spieler, der ihm liege. «Aber wenn ich ihm aufs T-Feld spiele, dann hat er auch keine große Sorge.»

Zverev ärgerte sich über leichte Fehler, pfefferte wütend seinen Schläger auf den Boden. Selten zeigte Zverev positive Reaktionen, stattdessen wirkte er immer ratloser. 50 direkte Gewinnschläge listete die Statistik am Ende für Auger-Aliassime auf - bei Zverev waren es bloß 29. 

Nach 3:48 Stunden war die Pleite besiegelt. Seine Auslosung bis zum möglichen Halbfinale gegen Sinner galt als machbar. Nun ist das Turnier acht Tage vor dem Finale beendet. Und der Traum vom Grand-Slam-Titel wieder geplatzt.

Wie geht es für Zverev weiter?

Statt der entscheidenden Runden bei den US Open ist nun der Laver Cup, ein Duell eines Teams Europa gegen ein Team Welt, vom 19. bis 21. September Zverevs nächster Termin im Turnier-Kalender. Für den Davis Cup mit der deutschen Auswahl am 12. und 13. September in Tokio gegen Japan hatte der Spitzenspieler abgesagt.

Von Kristina Puck, dpa
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