Ein historischer Premierentitel wäre nicht nur die absolute Krönung einer bereits denkwürdigen Saison, sondern auch die nächste Bestätigung für Arteta. Der 44 Jahre alte Spanier, der selbst viele Jahre für die Gunners spielte, hatte die Engländer 2019 am Tiefpunkt übernommen. Arsenal stagnierte, der Kader glich einem teuren Fiasko. «Arsenal war ein Friedhof», erinnerte sich der Deutsche Shkodran Mustafi, der bis 2021 in London auflief, bei Sky.
Arteta als Erfolgsarchitekt
Arteta traf damals konsequente Entscheidungen, sortierte etwa Leistungsträger wie Pierre-Emerick Aubameyang aus. Gleichzeitig holte er mit Spielern wie Declan Rice gezielt Persönlichkeiten und Führungsstärke ins Team. Talente aus der eigenen Akademie, etwa Bukayo Saka, entwickelten sich unter seiner Führung zu Topfußballern.
Mit dem Motto «Trust the process» (Vertraue dem Prozess) setzte Arteta über Jahre hinweg auf kontinuierliche Entwicklung und stellte dabei Effizienz über ästhetischen Schönheitsfußball. Defensiv- und Standardstärke gehören zu den Waffen wie DFB-Profi Kai Havertz, der den Titel schon 2021 mit Arsenals Lokalrivalen FC Chelsea holte. «Viele Teams geben ihren Trainern keine Zeit. Mikel Arteta hatte die Zeit», befand Clublegende Thierry Henry in der «Sport Bild».
Offensivshow trifft auf Abwehrbollwerk
Arsenal hat seinen Weg ins Finale einer soliden Defensive zu verdanken. In 14 Spielen kassierten die Engländer lediglich sechs Gegentore. «Wir haben in dieser Saison die beste Defensive. Und wenn du der Beste bist, willst du gegen die Besten spielen», schickte Saliba als Kampfansage nach Frankreich.
Dem gegenüber steht die enorme Offensivkraft der Pariser. In der Champions League erzielten die Franzosen 44 Tore. Den Wettbewerbsrekord hält der FC Barcelona seit 1999/2000 mit 45 Toren. Liverpool hatte auf dem Weg zu Platz zwei 2018 zwar 47 Tore erzielt, allerdings fielen sechs davon in der Qualifikation und gehen daher nicht in die offizielle UEFA-Statistik ein.
Road to Budapest
Auch die Wege beider Teams nach Budapest hätten kaum unterschiedlicher verlaufen können. Die Engländer dominierten die Gruppenphase mit acht Siegen aus acht Spielen. In der K.o.-Runde setzten sie sich gegen Bayer Leverkusen (3:1), Sporting CP (1:0) und Atlético Madrid (2:1) durch.
PSG hingegen nahm den Umweg. Nach dem 11. Platz in der Gruppenphase mussten die Franzosen zunächst in den Playoffs gegen Monaco (5:4) ran, bevor sie endgültig in ihren Rhythmus fanden. Es folgten souveräne Siege gegen Chelsea und Liverpool sowie ein dramatisches Halbfinale gegen den FC Bayern München, das sie nach Hin- und Rückspiel mit 6:5 für sich entschieden.
Von Jordan Raza, dpa
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