War bereits achtmal Weltfußballer: Lionel Messi.
Tom Weller/dpa
War bereits achtmal Weltfußballer: Lionel Messi.
Fußball-WM

Messi gegen Yamal: Zwei Weltstars und eine Badewanne

Argentiniens Lionel Messi und Spaniens Lamine Yamal stehen beim WM-Finale im Fokus. Zwei Ballzauberer mit besonderen Geschichten - und einer fast schon schicksalhaften Begegnung vor knapp 19 Jahren.

Lamine Yamal sitzt in einer kleinen Plastikwanne und wird von Lionel Messi gebadet. Klingt erst mal etwas kurios. Das Ganze liegt auch schon fast 19 Jahre zurück. Und genau das macht die Geschichte noch unglaublicher. Deshalb kommt sie jetzt, vor dem Duell der beiden Fußball-Stars im WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in East Rutherford, natürlich auch wieder auf den Tisch. 

Gemeinsame Fotos jahrelang unter Verschluss

«Ich bin ein bisschen gewachsen seitdem», sagte der sichtlich amüsierte Yamal, als er in einem Interview kürzlich an das mittlerweile legendäre Fotoshooting im Dezember 2007 erinnert wurde. Yamal war damals gerade ein paar Monate alt, Messi schon Profi beim FC Barcelona und in der argentinischen Nationalelf. 

Die Bilder wurden für einen Wohltätigkeitskalender gemacht, auch das Kinderhilfswerk Unicef war beteiligt. Die UN-Organisation erinnerte nun noch einmal mit einem Social-Media-Post an die damalige Begegnung und teilte auch das inzwischen weltberühmte Foto.

Mehrere Barça-Spieler posierten mit Kindern. Dass Messi und Yamal zusammen abgelichtet wurden: reiner Zufall. Oder doch eine Form von Karma? Jahrelang blieben die Bilder unter Verschluss, ehe Yamals Vater 2024 bei Instagram doch auf sie aufmerksam machte. Nun stehen sich Yamal und Messi im WM-Finale gegenüber. Von der Badewanne auf die größte Bühne des Weltfußballs - es ist klingt eigentlich zu absurd, um wahr zu sein.

Messi überstrahlt diesmal alle - auch Ronaldo

Doch die Fotos von einst sind nur eine Facette dieses Duells, das die Sportwelt vor dem großen Showdown des XXL-Turniers in den USA, Kanada und Mexiko elektrisiert. Messi gegen Yamal. Der 39-Jährige gegen den 19-Jährigen.

Seit rund zwei Jahrzehnten prägt Messi die Fußballwelt wie kein anderer. Von seinem portugiesischen Dauerrivalen Cristiano Ronaldo, der bei dieser WM allerdings deutlich im Schatten des Argentiniers stand, mal abgesehen. Prägt Yamal die nächsten zwei Dekaden? Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - dieses Duell bringt alles zusammen. Wer seift, um im Bild zu bleiben, am Sonntag wen ein?

Ein Schleicher, aber immer noch ein Magier

Messi, der achtmalige Weltfußballer, hat die Kritiker bei dieser WM schon jetzt eindrucksvoll widerlegt. Acht Tore und vier Vorlagen stehen für ihn zu Buche. Er hat die Führung in der ewigen WM-Torjägerliste übernommen, wird womöglich auch Torschützenkönig des Turniers. So oft wurde es im Verlauf der K.-o.-Phase eng für die Argentinier, so oft war Messi - und sei es als Vorbereiter - zur Stelle.

«Es ist verrückt, was wir gerade erleben», sagte der Routinier nach dem Halbfinal-Drama gegen England. «Jetzt wird es so kommen, wie Gott es will.»

Solange er selbst es wolle, bleibe Messi der Beste, sagte Trainer Lionel Scaloni. «Natürlich wird es einen Zeitpunkt geben, an dem er aufhört. Aber so lange will er der Beste bleiben.» Und solange laufen die Teamkollegen für ihr Idol auch gern mal ein paar Meter mehr. Messi ist längst nicht mehr der Tempodribbler von einst, phasenweise sogar eher ein Schleicher. Aber immer noch ein Magier. Wenn's darauf ankommt, schüttelt er den Zauberball aus dem Fußgelenk.

Yamals großer Tag genau zur rechten Zeit?

Yamal hat dieser WM, seiner ersten wohlgemerkt, sportlich noch nicht den großen Stempel aufgedrückt. Bei einem Tor und einer Vorlage steht Spaniens Youngster vor dem Finale. Es sind eher andere, die den Europameister bis ins Endspiel vor den Toren New Yorks getragen haben: die starke Defensive inklusive Keeper Unai Simón, der fünffache Torschütze Mikel Oyarzabal und Spielmacher Dani Olmo. Was Yamal aber trägt, ist die Last der ganzen Nation.

«Der große Tag von Lamine Yamal kommt noch bei dieser WM», sagte Trainer Luis de la Fuente vor dem souveränen Halbfinal-Sieg gegen Frankreich voller Überzeugung. Vielleicht ja genau zur rechten Zeit. Der Jungspund selbst zeigt sich von all dem Trubel und den Erwartungen an ihn jedenfalls unbeeindruckt.

Yamal weiß genau, dass seine Finten im von Ballbesitz und Kontrolle geprägten Spiel der Iberer den Unterschied machen können. Und sei es nur in einem einzigen Moment. Nicht nur was das betrifft, ist der Spanier ein Mini-Messi.

Die Rekordjäger aus der Barça-Schmiede

Wie sein großes Vorbild wurde Yamal in der berühmten Talentschmiede des FC Barcelona ausgebildet. Wie der Argentinier ist er ein Rekordjäger. Und wie einst Messi, der unter anderem viermal die Champions League und zehnmal die spanische Meisterschaft gewann, will er mit den Katalanen Titel abräumen. 

Als 15-Jähriger debütierte Yamal für Barças Profis. Als 17-Jähriger wurde er als aufgehender Stern mit Spanien 2024 Europameister, dazu jüngster Spieler und Torschütze der EM-Geschichte. Was für Zahlen. Und übrigens: Auch Messi, als 18-Jähriger bei der WM 2006, spielte sein erstes großes Turnier in Deutschland.

Nun also das direkte Duell der beiden Ballvirtuosen. Auf der einen Seite Messi, der mit dem Gewinn des WM-Titels vor vier Jahren den letzten Makel in seiner Karriere beseitigt und die Bürde des womöglich unvollendeten Erben von Diego Maradona abgelegt hat. Auf der anderen Yamal, der sich nach kometenhaftem Aufstieg vielleicht schon als Teenager Europa- und Weltmeister nennen darf. Was für eine Geschichte. Sie begann vor knapp 19 Jahren an einer Badewanne.

Von Christoph Lother, dpa
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