Nach dem Verletzungsdrama um Ismael Koné versammelte Jesse Marsch seine kanadischen Profis in einem großen Kreis um sich. Alle knieten sich auf dem Rasen hin, ehe der Cheftrainer und Abwehrchef Moise Bombito das Wort führten. Auch auf der folgenden Ehrenrunde unter dem ohrenbetäubenden Lärm von Vancouver wurde eines deutlich: Dieses 6:0 gegen Katar war für den schwer verletzten Koné, der bereits auf dem Weg ins Krankenhaus war.
«Er kann großartige Dinge vollbringen, die kein anderer kann. Er steht für vieles, wofür das Team steht, und ist ein großer Verlust für uns. Aber wir werden ihm die besten Ärzte besorgen und er wird zurückkommen», versprach Marsch nach dem Torfest, das im achten Anlauf den ersten Sieg in Kanadas bisher magerer WM-Historie bedeutete.
Joker Saliba zeigt Konés Trikot
Bei dieser WM wird das mit einer Rückkehr Koné nichts mehr. «Es ist direkt vor der Bank passiert. Jeder konnte hören, wie der Knochen brach. Man fühlt natürlich tief mit ihm, und alle sind erschüttert von dem Vorfall – wegen der Art der Verletzung und auch, weil Ismaël das Herz unserer Mannschaft ist», berichtete Marsch.
«Für ihn ist es gerade sehr hart, aber er hat eine große Zukunft vor sich. Er bleibt ein Teil dessen, was wir hier machen», erklärte der Cheftrainer weiter. Koné war nach einem Foul von Assim Madibo, der dafür die Rote Karte sah, mit einer Trage vom Rasen gerollt worden. Der linke Unterschenkel schien Fotos zufolge gebrochen zu sein. Eine genaue Diagnose stand zunächst aus.
Der für ihn eingewechselte Nathan Saliba erzielte nicht nur ein Tor, sondern widmete dieses auch Koné, indem er dessen Trikot hochhob. Madibo kam später in die Kabine und entschuldigte sich. Schon auf dem Feld wirkte der Katarer geschockt von den Folgen seines Fouls.
Im Stadion bremste der Schreckmoment um Koné die Euphorie nur kurz. Wenige Minuten nach der Verletzung schwappte die La-Ola-Welle durch die ausverkaufte Arena, in der Kanada am kommenden Dienstag (21.00 Uhr) gegen die Schweiz um den Gruppensieg spielt. Bereits ein Remis reicht, um Gruppe B auf Platz eins zu beenden und das Sechzehntelfinale ebenfalls in Vancouver zu absolvieren.
Drei Tore von Stürmer David
Neben Joker Saliba traf Stürmer Jonathan David gleich dreifach. Für das frühe 1:0 sorgte Angreifer Cyle Larin, dazu kam ein Eigentor von Mohamed Manai. Torjäger David verdiente sich nach seinem Dreierpack ein Extralob vom Trainer. «Ich hoffe, Ihr habt Euch angeschnallt. Das ist mal ein Torjäger», sagte Marsch zu den Journalisten.