Kanada bejubelte den ersten Punkt bei einer WM-Endrunde.
Nathan Denette/The Canadian Press/dpa
Kanada bejubelte den ersten Punkt bei einer WM-Endrunde.
Fußball

Kanada holt ersten WM-Punkt überhaupt - 1:1 gegen Bosnien

Lange Zeit sieht Bosnien-Herzegowina beim WM-Auftakt in Kanada wie der Sieger aus. Doch der Gastgeber schlägt zurück - und geht erstmals in seiner WM-Geschichte nicht als Verlierer vom Feld.

Kanada hat sein WM-Trauma auch im siebten Anlauf nicht überwinden können, eine Auftaktpleite beim XXL-Turnier aber abgewendet. Der Co-Gastgeber verbuchte mit dem 1:1 (0:1) gegen Bosnien-Herzegowina zumindest einen Punkt, wartet bei seiner insgesamt dritten WM-Teilnahme jedoch weiter auf den ersten Endrundensieg. 

Vor 43.002 Zuschauern in Toronto brachte Jovo Lukic Bosnien-Herzegowina in der 21. Minute in Führung, diese glich Cyle Larin (80.) aus. Durch das Remis erhielten sich beide Teams in der Gruppe B die Chance auf den erstmaligen Einzug in die K.-o.-Runde. Weitere Vorrundengegner sind Katar und die Schweiz, die am Samstag aufeinandertreffen. Bei den bisherigen WM-Teilnahmen 2022 und 1986 hatte Kanada alle sechs Spiele verloren.

Tolle WM-Stimmung in der Stadt

Schon Stunden vor dem Anpfiff herrschte in Toronto - wo sich ansonsten fast alles um Eishockey, Basketball und Baseball dreht - eine elektrisierende Stimmung. Fans beider Teams zogen singend und trommelnd durch die Innenstadt.

Das führte jedoch dazu, dass bei der offiziellen Eröffnungsparty 90 Minuten vor dem Anpfiff tausende Plätze leer blieben. Erst beim Auftritt des fünffachen Grammy-Preisträgers Michael Bublé kurz vor Spielbeginn hatten sich die Ränge fast vollständig gefüllt. Für die emotionale Einstimmung der heimischen Fans sorgte dann Rockstar Alanis Morissette mit der Intonierung der kanadischen Hymne.

Bosnien schockt den Gastgeber

Als dann der Ball rollte, hatten die Hausherren gleich eine Schrecksekunde zu überstehen. Amar Memic (3. Minute) kam im Strafraum frei zum Abschluss, zielte aber zu hoch. Nach einer guten Viertelstunde verzeichnete dann auch Kanada seine erste Chance. Der Schuss von Jonathan David stellte den bosnischen Torwart Nikola Vasilj vom Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli jedoch vor keine Probleme.

Wenig später jubelte das Team von Trainer Sergej Barbarez, das sich durch einen sensationellen Sieg gegen Italien im entscheidenden Play-Off-Spiel für die Endrunde qualifiziert hatte. Im Anschluss an einen Eckball traf Lukic, der anstelle von Schalkes Oldie Edin Dzeko an der Seite von Stuttgarts Ermedin Demirovic stürmte, aus Nahdistanz per Kopf zur Führung. 

Bosniens Defensive hält lange dicht 

Nach der ersten Trinkpause drängten die Kanadier, die auf ihren noch nicht vollständig genesenen Star Alphonso Davies vom deutschen Meister Bayern München verzichten mussten, vehement auf den Ausgleich. Doch im Abschluss war der Co-Gastgeber des Turniers zu harmlos. Die beste Möglichkeit vergab Tani Oluwaseyi, der den Ball zum Entsetzen der Fans aus etwa elf Metern weit über das Tor drosch.

Auch nach dem Wechsel war Kanada das aktivere Team und hätte sich viel früher mit dem Ausgleich belohnen können. Als Richie Laryea plötzlich frei vor dem Gehäuse auftauchte und den Ball an Vasilj vorbeischob, hatten die Fans den Torschrei schon auf den Lippen. Doch im letzten Moment rauschte Ex-Bundesligaprofi Sead Kolasinac heran und bugsierte den Ball artistisch an die Latte, von wo er ins Feld zurücksprang. 

Nach 65 Minuten hatten die Gastgeber erneut Pech. Bei einem Kopfball des agilen Oluwaseyi rettete Tarik Muharemovic für seinen bereits geschlagenen Torwart kurz vor der Linie. Für Kanadas verdienten Ausgleich sorgte dann Joker Larin, der platziert ins Eck traf. Erst drei Minuten zuvor war der Profi vom FC Southampton für Oluwaseyi in die Partie gekommen.

Von Eric Dobias und Patrick Reichardt, dpa
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