Max Verstappen will weiter Grenzen ausloten.
Asanka Brendon Ratnayake/AP/dpa
Max Verstappen will weiter Grenzen ausloten.
Formel-1-Auftakt in Melbourne

Grenzgänger im Einkaufswagen: Verstappens Anpassungsvermögen

Max Verstappen hat die neue Formel 1 verhöhnt - und längst wieder umgeschaltet. Kann sich der viermalige Weltmeister den Titel von Lando Norris zurückholen?

Die neue Ära in der Formel 1 hätte für Max Verstappen auch auf dem Parkplatz eines Supermarkts beginnen können. Nach seiner Entthronung in der vergangenen Saison durch McLarens Lando Norris will der viermalige Weltmeister einfach nur weiter Vollgas geben.

«Wenn ich dieses Auto, das Auto aus dem vergangenen Jahr oder sogar einen Einkaufswagen fahren muss, dann fahre ich es bis an die Grenzen dessen, was ein Einkaufswagen leisten kann», verkündete Vollblutrennfahrer Verstappen vor dem Auftaktrennen in Melbourne am Sonntag (5.00 MEZ Uhr/Sky). Man versuche eben, sich an das Notwendige anzupassen. «Dafür sind wir hier. Gute Fahrer werden am Ende immer vorne sein.»

Sind die richtigen Dinge auch die besten?

Die Frage, um die sich in der Formel 1 alles dreht, lautet aber: in welcher Reihenfolge? 2025 hatte Verstappen im WM-Klassement das Nachsehen gegen Norris, der zum Start des Grand-Prix-Wochenendes in Australien zunächst von Getriebeproblemen ausgebremst wurde.

Für den Niederländer von Red Bull, das erstmals in Zusammenarbeit mit Ford einen eigenen Motor entwickelt, liefen die ersten Kilometer auf dem Albert Park Circuit dagegen weitgehend rund - selbst wenn er einmal die Ausfahrt auf den Rasen nehmen musste.

Steile Lernkurve

«Wir machen die richtigen Dinge», sagte Verstappen, der die neue Auto-Generation vor Kurzem verhöhnt hatte («Es hat mit der Formel 1 eigentlich nichts zu tun. Es fühlt sich eher an wie die Formel E auf Steroiden»), zu Beginn der neuen Zeitrechnung in der Formel 1. «Aber sind es auch die besten Dinge? Ich weiß es nicht. Die Lernkurve wird aber steil sein.»

Ohne jeden Zweifel. Und das gilt für jeden Rennstall. Das neue Reglement hat die jüngste Auto-Generation kürzer, schmaler und leichter gemacht. Die Motoren, die sensiblen Herzstücke, werden zu gut 50 Prozent vom Verbrenner angetrieben, die restlichen fast 50 Prozent Power liefert die Batterie. Dadurch ist ein anderer Fahrstil gefordert.

Riesige Chance für jeden?

Da die elektrische Energie nicht ausreicht, um eine komplette Runde Vollgas zu geben, sind Verstappen & Co. zu permanentem Energie-Management aufgerufen. Kopf schlägt Intuition. Der Elektroschub setzt immer nur kurzzeitig ein, anschließend muss durch das sogenannte Lift and Coast (Gas wegnehmen und rollen lassen) Energie zurückgewonnen werden.

«Für jeden ist das neue Reglement eine riesige Chance. Entweder bekommt man es hin oder man bekommt es nicht hin», meinte Mercedes-Fahrer George Russell, dem in dieser Saison sogar zugetraut wird, in den WM-Kampf einzugreifen. Die ersten Trainingseindrücke weisen darauf hin, dass die Topteams McLaren, Red Bull, Mercedes und Ferrari diesen Chancenpool auf sich selbst begrenzen.

Nur nicht ungeduldig werden

Es ist eine Saison der Fragezeichen. Und für Norris eine Saison, die wieder Geduld erfordern wird. «Eine der wichtigsten Lehren aus dem vergangenen Jahr ist, sich nicht zu sehr von ein oder zwei schlechten Rennen oder einem schlechten Start ins Jahr frustrieren zu lassen. Solange man weiter daran arbeitet, kann es immer wieder aufwärtsgehen», sagte der 35. Weltmeister der Formel-1-Historie fast schon selbst beschwörend.

Norris, dem im ersten Training Getriebeprobleme zu schaffen machten, weiß, wovon er spricht. Zur Halbzeit der vergangenen Saison sah sein Teamkollege Oscar Piastri, der nun die erste Tagesbestzeit in Melbourne holte, noch wie der kommende Weltmeister aus. Doch dann verlor der Australier, der in seiner Geburtsstadt am Yarra River auf die Unterstützung von Familie, Freunden und Fans setzen kann, auch wegen umstrittener Teamentscheidungen seine Coolness - und die WM.

Hat McLaren dazugelernt?

Piastri fühlte sich teamintern nicht immer fair behandelt. Dabei sollten genau das die sogenannten Papaya-Regeln bei McLaren gewährleisten. Eine Art Wertekodex oder Vorfahrtsregelung, wonach Norris und Piastri frei fahren können sollen, solange sie das Rennen des anderen nicht zerstören.

«Vielleicht haben wir manchmal nicht immer die perfekte Entscheidung getroffen, aber das Wichtigste ist, dass dahinter nie eine böse Absicht stand», erzählte Piastri, der als erster Australier beim Heim-Grand-Prix auf das Podium rasen will. «Wir haben viel gelernt, was wir anders machen können, was wir besser machen können.»

Piastri will sich nicht gegen das Team stellen

Piastri hat für sich eine Entscheidung getroffen. «Ich werde ganz sicher nicht rebellieren oder etwas dergleichen. Eine ziemlich schnelle Methode, um sicherzustellen, dass man keine Meisterschaft gewinnt, ist, sich gegen das eigene Team zu stellen», sagte Piastri. «Das halte nicht für einen besonders klugen Schachzug.»

Die Schritte der Rivalen zu erahnen, ihnen immer eine Wagenlänge voraus zu sein: Eine alte Marschroute, die auch den Kern der neuen Formel 1 ausmacht. Und sich auch auf einem Supermarktparkplatz umsetzen ließe.

Martin Moravec, dpa
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