Novak Djokovic formt ein Herz zum Abschied.
Frank Franklin II/AP/dpa
Novak Djokovic formt ein Herz zum Abschied.
Tennis-Superstar

Erbrechen und Tränen: Das US-Open-Drama für Djokovic

Seine 20. Teilnahme bei den US Open endet für Novak Djokovic als sportliche Tragödie. Die Tennis-Legende kämpft mit schweren körperlichen Problemen - und scheidet so früh wie nie zuvor aus.

Novak Djokovic übergab sich mehrfach auf dem Platz, weinte zeitweise und formte zum Abschied mit seinen Händen ein Herz für die Fans. Mit ganz großem Drama ist der Tennis-Superstar bei den US Open bereits in der ersten Runde gescheitert - so früh wie nie zuvor in New York in seiner ruhmreichen Karriere.

Nach 4:36 Stunden verlor der Grand-Slam-Rekordsieger mit 6:7 (5:7), 7:5, 6:4, 2:6, 1:6 gegen den argentinischen Außenseiter Mariano Navone. «Ich habe jeden Moment auf dem Platz gehasst», sagte Djokovic vor der Umkleidekabine im Arthur Ashe Stadion. «Es war offensichtlich, dass es für mich ein
furchtbares Gefühl war.»

Djokovic: «Ein wirklich ernstes Problem»

Dabei offenbarte er tiefergreifende körperliche Probleme. «Es ist etwas, das mich leider in fast jedem Spiel dieses Jahr begleitet», berichtete der Serbe. «Erbrechen, Übelkeit, ein wirklich ernstes Problem. Dann fängt mein ganzer Körper an, zusammenzubrechen, Krämpfe und Schmerzen. Mein Rücken hat einfach aufgegeben, am Ende auch die Schulter, und ich konnte es nicht mehr zu Ende bringen.» Schon beim Vorbereitungsturnier in Cincinnati hatte Djokovic in der ersten Runde mit diesen Beschwerden verloren.

Für den 39 Jahre alten Serben war es nun in seinem 20. Auftritt beim Grand-Slam-Turnier in New York das erste Erstrunden-Aus. Dabei ging es Djokovic sichtlich schlecht. Von Beginn an wirkte er bei zunächst 25 Grad und schwülen Bedingungen gezeichnet, stützte nach langen Ballwechseln immer wieder die Hände auf die Knie, atmete schwer. Alleine im dritten Satz ging er mehrere Male an den Rand des Platzes und übergab sich.

Wie viele Chancen auf den 25. Grand-Slam-Titel bleiben?

Damit bleibt der Traum von 25. Grand-Slam-Titel für Djokovic weiter unerfüllt - und die Chancen werden im fortgeschrittenen Sportleralter immer geringer. Zumal nun auch noch die gesundheitlichen Dauerprobleme für Fragezeichen sorgen, wie Djokovic seine Karriere fortsetzen kann. Vor drei Jahren hatte der erfolgreichste männliche Tennisprofi der Geschichte seinen bislang letzten Triumph bei einem Grand Slam gefeiert.

Gegen die Nummer 49 der Welt lag Djokovic im ersten Satz schnell mit 3:0 vorne, dann folgte jedoch der Leistungseinbruch. Navone übernahm die Initiative, dominierte die langen Ballwechsel. Nach 73 Minuten verlor Djokovic den ersten Satz im Tie-Break. Auf dem Weg Richtung Netz streifte sich der viermalige US-Open-Sieger die Schweißbänder von den Handgelenken, so dass mancher Beobachter schon mit einer Aufgabe rechnete.

Er habe wirklich daran gedacht, das Match vorzeitig zu beenden, sagte Djokovic nach der Partie. «Aber dann habe ich einen Satz gewonnen und dann noch einen dritten. Da dachte ich: Okay, vielleicht besteht ja eine Chance.»

Ehefrau Jelena mit Sorgen auf der Tribüne 

Djokovic kämpfte weiter, glich zum 1:1 aus. Im dritten Durchgang musste er sich übergeben, holte sich den Satz aber kurz nachdem er wieder einmal zu einem Behälter am Rande des Platzes gegangen war. Auf der Tribüne verfolgte Ehefrau Jelena mit besorgtem Gesicht die Partie, seine Kinder Stefan und Tara jubelten bei Punktgewinnen frenetisch.

Nach dem mehrfachen Übergeben kamen bei Djokovic muskuläre Beschwerden hinzu. Tabletten, Spray, Pulver, eine medizinische Auszeit zur Behandlung am Rücken - der Serbe versuchte alles. Doch vergeblich: Im fünften Satz war die Gegenwehr gebrochen, Djokovic musste sich geschlagen geben.

«Es war sehr schwer für mich», gestand Navone nach dem Sieg über sein Idol beim Platzinterview, «wenn du auf diesem Court gegen den Größten aller Zeiten spielst. Das ist das Beste, was ich auf dem Platz erlebt habe.»

Von Florian Lütticke, dpa
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