Nach Ansicht der UEFA stehen Integrität und Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, «wenn die Rechtssicherheit der Regeln nicht mehr von ihren Hütern gewährleistet wird», hieß es in der Stellungnahme. Sportrechtsexperten beurteilen die Entscheidung sehr kritisch. «Der Beschluss der FIFA, die Rote Karte für das nächste Spiel aufzuheben und zur Bewährung auszusetzen, ist rechtswidrig», sagte Thomas Summerer, Fachanwalt für Sportrecht in München, der Deutschen Presse-Agentur.
Trump begrüßt Entscheidung persönlich
Trump selbst zögerte nach der FIFA-Entscheidung nicht und meldete sich umgehend über Truth Social. «Vielen Dank an die FIFA, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt.» Dahinter schrieb er: «Präsident DONALD J. TRUMP.» Der 80-Jährige war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford bei New York im Stadion erwartet.
Vor dem Achtelfinale in Seattle forderte DFB-Präsident Bernd Neuendorf den Weltverband scharf zu einer Stellungnahme auf. «Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll», sagte er.
US-Trainer: Faire Entscheidung
Die Rote Karte gegen Balogun im Sechzehntelfinale war kontrovers bewertet worden, da sein Tritt gegen Tarik Muharemovic in einem Zweikampf zwar hart, aber wohl unabsichtlich war. Während der Partie in Santa Clara wurde die Rote Karte erst nach Überprüfung durch den Video Assistant Referee (VAR) ausgesprochen. Balogun hatte beim 2:0 zuvor das Führungstor erzielt.
«Ich denke, wir müssen feiern, dass das eine faire Entscheidung ist, uns nicht noch mehr zu bestrafen», begrüßte US-Trainer Mauricio Pochettino die Entscheidung. Aus dem US-Team hieß es, manche Spieler hätten die Nachricht zunächst für einen KI-generierten Fake gehalten.
Belgiens Trainer Rudi Garcia reagierte dagegen mit Unverständnis. «Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz», sagte der Nationalcoach. Ältere Fußball-Fans fühlten sich erinnert an die WM 1962, als der Brasilianer Garrincha im Halbfinale Rot sah und im Endspiel dennoch spielen durfte.