Steffen selbst war am Samstagabend im Weserstadion einer der Letzten, die weiter an seine Zukunft in Bremen glaubten. «Ich bin überzeugt davon, dass ich hier richtig bin», sagte er. Ausgelassen, wie man das von ihm selten sah, jubelte er in der Nachspielzeit des Gladbach-Spiels noch über den späten Ausgleichstreffer von Keke Topp (90.+4). 16 Stunden später wurde er freigestellt.
Große Hoffnungen nicht erfüllt
Bitter für ihn persönlich und für den Club ist, dass sich keine einzige der großen Hoffnungen erfüllte, die mit seiner Verpflichtung von der SV Elversberg im vergangenen Sommer verbunden war. Werder spielte nicht attraktiv und offensiv, sondern hölzern und verkrampft. Bis auf Karim Coulibaly (18) baute Steffen auch keine jungen Talente ein, sondern stopfte von Woche zu Woche vor allem die Löcher, die das große Verletzungspech dieser Saison riss.
Allein dieser Faktor zeigt: Der 56-jährige Steffen musste bei seiner ersten Trainerstation in der Bundesliga auch Probleme ausbaden, für die er nichts konnte. Das gravierendste davon: die Kaderplanung von Sportchef Fritz und Profifußball-Leiter Peter Niemeyer.
Kaderplanung als Problem
Fünf der sieben Neuzugänge kamen im vergangenen Sommer erst, als die Saison schon lief. Sechs von ihnen sind Leihspieler, die keinen Wertzuwachs und bis auf den Japaner Yukinari Sugawara bislang auch keinen sportlichen Mehrwert erbringen. Auf der Suche nach dem dringend benötigten neuen Mittelstürmer leistete sich Werder mit Victor Boniface den zweiten prominenten Fehlgriff nach Naby Keita nur zwei Jahre zuvor.
Allein eine Fan-Petition im Internet, die sich gegen Clemens Fritz richtet, zeigt: Bis zuletzt zielte die Kritik der Anhänger mehr auf die sportliche Leitung als auf den glücklosen und stets loyalen Trainer. «Da ziehe ich mich nicht raus. Natürlich nehme ich die Kritik an», sagte der Geschäftsführer am Sonntag dazu.
Allerdings gelang es Steffen zuletzt auch nicht, die Schwachstelle zu füllen, die die viel kritisierte Außenwirkung von Fritz und Niemeyer hinterließ. Fans und auch Führungsspieler nahm der Trainer am Ende nicht mehr mit. Spielidee, Krisenkommunikation - zu vieles blieb im Vagen. Schon vor dem Spiel gegen Gladbach hing am Samstag ein großes Fanplakat im Weserstadion: «Das Schöngerede muss jetzt enden», stand darauf.
Sebastian Stiekel, dpa
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