Rheinland-Pfalz gilt als der wichtigste US-Militärstandort in Deutschland – vor allem wegen der Ramstein Air Base. (Archivbild)
Frank May/dpa
Rheinland-Pfalz gilt als der wichtigste US-Militärstandort in Deutschland – vor allem wegen der Ramstein Air Base. (Archivbild)
Drehkreuz unter Druck

Wie wahrscheinlich ein US-Teilabzug aus Rheinland-Pfalz ist

Noch ist nichts konkret - aber: Die von US-Präsident Trump angekündigte Truppenreduzierung könnte auch Standorte im Südwesten treffen. Der Schritt hätte massive wirtschaftliche Folgen.

Trifft der angekündigte Abzug Tausender US-Soldaten aus Deutschland auch Rheinland-Pfalz? Die Sorge im Land ist groß - auch, weil viele Kommunen wirtschaftlich von den Kasernen profitieren. Konkrete Pläne sind nicht bekannt - die Verringerung, heißt es, könnte am ehesten Bayern treffen. Hinzu kommt: Die USA investieren aktuell Milliarden Dollar in ihre Standorte in Rheinland-Pfalz. Für Washington haben die Kasernen große strategische Bedeutung als internationales Drehkreuz. Ein Überblick.

Milliardenprojekt in Weilerbach

Nahe Ramstein entsteht in Weilerbach derzeit auf 47 Hektar das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA - mit 4.860 Räumen und Kosten von voraussichtlich 1,83 Milliarden US-Dollar. Die Klinik soll nicht nur die etwa 50.000 US-Militärangehörigen in der Region versorgen, sondern auch rund 200.000 Soldaten in Europa, dem Nahen Osten und Afrika medizinisch absichern. Derzeit übernimmt diese Aufgabe die US-Klinik in Landstuhl, wohin zuletzt auch die beiden nach dem Abschuss eines US-Kampfjets im Iran geretteten US-Soldaten gebracht worden waren. Politisch gilt das Projekt in Weilerbach als Signal für die Beständigkeit der transatlantischen Partnerschaft.

Hohe US-Investitionen laufen in Baumholder

Die US-Armee investiert derzeit eine Milliarde US-Dollar in die Modernisierung und den Ausbau des Standortes Baumholder. Unter anderem werden neue Wohnungen gebaut und alte renoviert. Ein Grund ist die Verlegung von Spezialeinheiten der US-Armee von Stuttgart nach Baumholder. «Sie hat bereits begonnen. Es sind kleine Kontingente, die schon kommen», sagt Standortsprecher Bernd Mai. 

Mit diesen Special Operation Forces der US-Army werde die Militärgemeinde um rund 2.000 US-Amerikaner wachsen - Soldaten plus Familienangehörige. 2029 sollen dann rund 10.000 US-Bürger in Baumholder leben, sagt Mai. Man suche daher noch dringend nach Wohnungen außerhalb der Garnison.

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump über einen Abzug von mindestens 5.000 US-Soldaten aus Deutschland habe alle überrascht. «Aber hier läuft alles ganz normal weiter», sagt er. Man müsse abwarten, welche Standorte es betreffen werde. «Also wir wissen hier am Standort über Planungen überhaupt nichts.»

2020, als Trump in seiner ersten Amtszeit als Präsident US-Truppen aus Deutschland abziehen wollte, war der Standort Baumholder kein Thema.

«Spangdahlem ist zweitwichtigste Air Base in Deutschland»

Damals gab es aber für Rheinland-Pfalz Abzugspläne für den US-Flugplatz Spangdahlem in der Eifel. Ein Geschwader von F-16-Kampfjets sollte nach Italien verlegt werden. Anfang 2021 kündigte die dann neue US-Regierung an, die Pläne zum Abzug aus Deutschland insgesamt auf Eis zu legen - was in der Eifel für große Erleichterung sorgte.

Und wie sieht es heute nach der erneuten Ankündigung von Trump aus? «Man muss Ruhe bewahren und abwarten. Gleichwohl herrscht eine bedenkliche Stille», sagt Ortsbürgermeister Alois Gerten (parteilos) in Spangdahlem. «Man möchte es sich nicht vorstellen.» Ein Abzug - in welchem Ausmaß auch immer - wäre wirtschaftlich ein großer Verlust für die Eifelregion.

Die Air Base sei Arbeitgeber für 700 bis 800 Deutsche. Um den Flugplatz gebe es rund 2.000 Wohnungen von deutschen Vermietern für US-Militärangehörige. Und Firmen setzten Aufträge von etlichen Millionen Euro um. Hinzu kämen zahlreiche Freundschaften, die über die Jahrzehnte gewachsen seien. 

Die Air Base Spangdahlem sei nach Ramstein der zweitwichtigste Flugplatz der US-Amerikaner bundesweit, sagt Gerten. In jüngster Zeit landeten und starteten viele Transportflugzeuge. Das habe mit der Situation im Nahen Osten zu tun. Teilweise seien es mehr als 20 Flugzeuge pro Tag, die zwischenlandeten, um zu tanken oder entladen zu werden.

In Spangdahlem ist eine F-16-Kampfjet-Staffel mit mehr als 20 Flugzeugen stationiert, wie die Air Base mitteilte. Die Staffel, die weltweit Einsätze der US Air Force und der Nato unterstützt, ist Kernstück des Flugplatzes. Hinzu kommt ein Geschwader, das verschiedene Luft-Luft- und Luft-Boden-Missionen durchführt. Der Standort zählt derzeit rund 5.000 militärische und zivile Mitarbeiter - plus Angehörige.

KMC: Geopolitische Herzkammer der USA

Die Kaiserslautern Military Community (KMC) ist mit rund 50.000 US-Angehörigen die größte US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten. Zentraler Bestandteil ist die Ramstein Air Base als wichtigster Luftwaffenstützpunkt der USA in Europa. Die KMC umfasst auch Einrichtungen in Kaiserslautern, Landstuhl und Umgebung, darunter das Landstuhl Regional Medical Center. Sie dient als logistisches und operatives Drehkreuz für Einsätze in Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Damit ist die Region ein zentraler Pfeiler der transatlantischen Sicherheits- und Verteidigungsstruktur.

Atomare Abschreckung aus Büchel

Die atomare Abschreckung der Nato basiert derzeit hauptsächlich auf den US-Atomwaffen, von denen Schätzungen zufolge noch etwa 100 in Europa stationiert sein sollen – einige davon unbestätigten Angaben zufolge zum Beispiel in Norditalien, in Belgien sowie in den Niederlanden und im rheinland-pfälzischen Büchel. Für den Einsatz von US-Atomwaffen sind hier im Landkreis Cochem-Zell zudem Tornado-Kampfjets stationiert.

Das Taktische Luftwaffengeschwader 33 in Büchel ist einer von zwei Tornado-Standorten der Luftwaffe. Zum Standort zählen 2.000 militärische und zivile Angehörige. In Büchel sollen ab 2027 moderne Tarnkappenjets vom Typ F-35 stationiert werden, die ab 2030 das Kampfflugzeug Tornado komplett ersetzen sollen. Dafür wird der Flughafen aktuell für rund zwei Milliarden Euro umgebaut.

Von Birgit Reichert, Alina Grünky und Wolfgang Jung, dpa
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