Ochsenfrösche sind deutlich größer als heimische Frösche. (Archivbild)
Uli Deck/dpa
Ochsenfrösche sind deutlich größer als heimische Frösche. (Archivbild)
Invasive Tierart

Was die Jagd auf Ochsenfrösche kostet und was sie bringt

Mit Fallen, Keschern und Schusswaffen gegen eine quakende Invasion: In Rheinland-Pfalz wird einiges gegen die Ausbreitung des Ochsenfroschs getan. Warum das Land dafür Geld ausgibt.

Mal wird er mit spezieller Munition gejagt, mal werden Fallen aufgestellt oder ganze Gewässer abgelassen: Mit einer Reihe von Maßnahmen soll in Rheinland-Pfalz eine weitere Ausbreitung der invasiven, eigentlich aus Nordamerika kommenden Ochsenfrösche verhindert werden. Auch wenn die Zahl der Tiere insgesamt trotz aller Anstrengungen konstant bleibt, sieht das Umweltministerium in Mainz wichtige Ziele erreicht. 

Laut Ministerium wurden zwischen 2021 und 2025 insgesamt knapp 600.000 Euro ausgegeben, für die Bestimmung betroffener Gebiete, Zäune zum Unterbinden von Wanderungen der Tiere in andere Gewässer. Oder für die «Populationskontrolle», wie es im Fachjargon heißt, also die Entnahme von Tieren, etwa durch Jagd, nächtliches Abkeschern von Larven oder das Trockenlegen von Gewässern. 

113.000 Euro für Zäune im Jahr 2025

Allein im vergangenen Jahr waren es 29.000 Euro für Kartierungen, mehr als 113.000 Euro für Zäune sowie 39.400 Euro für die Entnahme von Exemplaren des nordamerikanischen Ochsenfrosches (Lithobates catesbeianus). Das rechnet das rheinland-pfälzische Umweltministerium in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage aus der AfD-Fraktion vor. Im laufenden Jahr 2026 wurden demnach bislang Maßnahmen für 77.000 Euro beauftragt. 

Doch warum das Ganze? Der Ochsenfrosch, der bis zu 25 Zentimeter groß und damit deutlich größer als heimische Frösche werden kann, bedroht heimische Lebewesen. Denn er frisst von anderen Fröschen über Fische bis hin zu kleinen Vögeln im Grunde alles, was ihm vor das Maul kommt. 

Ochsenfrösche fressen vieles

Zum Nahrungsspektrum gehören dem Ministerium in Mainz zufolge auch kleine Säugetiere, Schlangen oder Schildkröten. Außerdem sei die Reproduktionsfähigkeit von Ochsenfröschen, bei denen sogar die Kaulquappen bis zu 15 Zentimeter lang werden können, enorm. Jedes Weibchen könne bis zu 25.000 Eier im Jahr produzieren. Damit nicht genug: Ochsenfrösche können über Land mehrere Kilometer am Tag zurücklegen und so neue Gewässer besiedeln. 

Weil hierzulande natürliche Feinde wie Krokodile, Alligatoren oder bestimmte Schlangen fehlen, könne sich die Art ohne Gegenmaßnahmen fast ungehindert ausbreiten. Die Eier von Ochsenfröschen enthalten laut Ministerium außerdem ein Toxin, also ein Gift, das die Entwicklung anderer Amphibieneier und Larven in Gewässern hemmt. Die Art gilt zudem als Überträger eines Pilzes, der Erreger einer tödlich verlaufenden Hauterkrankung bei anderen Amphibienarten ist. 

In einem Flyer des Regierungspräsidiums Karlsruhe im benachbarten Baden-Württemberg heißt es zum Ochsenfrosch: «Er gilt am Oberrhein als gebietsfremde Art und vermehrt sich rasant.» Auch in Gartenteichen sei die Art bereits gesichtet worden.

Kleinkaliberwaffen und Reusen im Einsatz 

Laut Regierungspräsidium haben in der Region um Karlsruhe Fachleute im vergangenen Jahr mit Kleinkaliberwaffen fast 7.000 dieser Frösche erschossen. Darunter waren 609 ausgewachsene Tiere sowie 6.378 Jungtiere, wie eine Sprecherin mitteilte. Zudem seien 2025 rund 16.000 Kaulquappen aus betroffenen Gewässern geholt worden, knapp zwei Drittel mit Reusen im Naturschutzgebiet Altrhein Kleiner Bodensee nordwestlich von Karlsruhe. 

Die diesjährige «Jagdsaison» beginnt dort den Angaben nach dieser Tage. «Bereits aktiv sind die ehrenamtlichen Taucher, die ganzjährig Kaulquappen fangen», teilte das Regierungspräsidium mit. Auch dieses Jahr sollen einer Sprecherin zufolge Methoden der Fischerei weiter erprobt werden, um die laufenden Maßnahmen zu ergänzen. 

Begrenztes Gebiet betroffen

Der Ochsenfrosch kommt in Deutschland nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) nur in der Oberrheinebene vor. «Ein früheres Vorkommen bei Bonn ist schon vor 20 Jahren wieder verschwunden», erläuterte Geschäftsführer Axel Kwet. Jenes bei Karlsruhe hingegen habe sich gehalten «und ist leider in Expansion begriffen».

Es habe auch Regionen jenseits des Rheins - also in Rheinland-Pfalz - erreicht. Dort werde der Ochsenfrosch aber aktuell mit guten Prognosen bekämpft, erklärte Kwet. Im Gegensatz dazu dürfte dies in Baden-Württemberg seiner Einschätzung zufolge schwierig werden.

Auch das Umweltministerium in Mainz spricht von Erfolgen. «Trotz der konstanten Gesamtanzahl der Individuen des Ochsenfrosches (Larven und adulte Tiere), konnte eine Abnahme der adulten geschlechtsreifen Individuen um deutlich mehr als die Hälfte festgestellt werden», heißt es in der Antwort weiter. Außerdem nehme die Größe der geschlechtsreifen Tiere mit jedem Jahr ab. Das deute darauf hin, dass alte, reproduktionsstarke Individuen nicht mehr Bestandteil der aktuellen Population seien. 

Auch könne von Erfahrungen aus den vergangenen Jahren profitiert werden. So gelinge es, mehr und schneller Frösche zu entnehmen als zu Beginn des Projekts. Überdies gebe es mehr geschulte Jägerteams als am Anfang. Die Zahl der Gewässer mit Nachweisen von Ochsenfröschen sei gesunken. «Eine weitere Ausbreitung des Ochsenfrosches in Rheinland-Pfalz konnte bisher verhindert werden», bilanziert das Umweltministerium in Mainz.

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