Warum Mähroboter für Igel so gefährlich sind
Scharfe Klingen, rollende Gefahr: Warum Igel nachts kaum eine Chance gegen Mähroboter haben – und was ein bundesweites Nachtfahrverbot jetzt ändern könnte.
Scharfe Klingen, rollende Gefahr: Warum Igel nachts kaum eine Chance gegen Mähroboter haben – und was ein bundesweites Nachtfahrverbot jetzt ändern könnte.
Mähroboter können für Igel eine tödliche Gefahr sein. Vor allem dann, wenn sie spätabends und nachts zum Einsatz kommen. Denn Igel sind vor allem in der Dämmerung und Dunkelheit unterwegs: Mähroboter können ihnen dann mit scharfen und schnell rotierenden Klingen Schnittverletzungen zufügen.
«Entweder ist die Nase ab oder man hat einen ziemlich klaren Cut an der Stelle, wo die Klinge war», sagt Jan Wolfmüller vom Verein Igelfreunde Rhein-Pfalz in Bobenheim-Roxheim. Er erinnert sich an einen Fall, da habe bei dem verletzten Igel das Gesicht in zwei Hälften gehangen.
Meistens könnte man die Tiere nicht mehr retten. Die Verletzungen führten häufig zu schweren Infektionen, an denen die Igel sterben. Wolfmüller meint, insgesamt sei die Zahl der Verletzungen durch Mähroboter eher gering. «Wir haben bei uns so zwei bis fünf Tiere im Jahr.» Es gebe aber eine hohe Dunkelziffer. «Und klar ist: Jeder Fall ist einer zu viel.»
Was kann getan werden, um Igel besser zu schützen?
Zwölf Tier-, Natur- und Artenschutzorganisationen fordern jetzt ein bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter. Sie haben sich in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) gewandt. Auch der Deutsche Städtetag hatte dies kürzlich gefordert.
Einige Kommunen haben bereits Nachtverbote für Mähroboter verhängt, darunter Augsburg, Bayreuth, Köln und Leipzig. In Rheinland-Pfalz hat Mainz 2025 eine entsprechende Allgemeinverfügung verhängt.
«Der Verzicht auf den nächtlichen Einsatz von Mährobotern leistet einen einfachen und wirksamen Beitrag zum Schutz dieser besonders geschützten Art», teilt die Stadt mit. Gärten und Grünflächen in der Stadt Mainz stellten wichtige Lebensräume für den Igel dar.
«Der Einsatz der Mähroboter hat in den vergangenen zehn Jahren erheblich zugenommen, währenddessen der Bestand der Igel immer weiter abnimmt», sagt Sonja Gärtner, Referentin für Naturschutz beim rheinland-pfälzischen Landesverband vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Mainz.
«Dass Igel in Deutschland mittlerweile auf der Roten Liste stehen, ist ein Warnsignal, welches nicht überhört werden darf und dringenden Handlungsbedarf erfordert», sagt der Deutsche Tierschutzbund. Seit 2024 listet die Weltnaturschutzunion den Igel als «potenziell gefährdet».
Warum läuft der Igel nicht weg?
«Das Riesenproblem ist, dass der Igel kein Fluchttier ist», sagt Gärtner. «Das heißt: Wenn der Igel den Mähroboter sieht oder berührt, dann rollt er sich zusammen oder zieht nur den Kopf ein. Er verharrt und wird dann böse verletzt.»
Die Igel seien nach ihrem Winterschlaf jetzt auf Nahrungssuche, sagt Klara Harres vom Naturschutzbund Rheinland-Pfalz. Mähroboter seien nicht das einzige Problem für Igel. Hinzu komme der schrumpfende Lebensraum, Straßenverkehr und Nahrungsmangel durch Insektensterben, mit dem die Tiere zu kämpfen haben.
«Es fehlt an naturnahen Gärten», sagt sie. Kurz geschorene Rasen seien nicht nur für Igel problematisch. Besser wären Hecken, Blätterhaufen und Pflanzen, die stehenblieben. «Da können dann Insekten überwintern, von denen sich die Igel wieder ernähren.»
Was bringt ein Nachtfahrverbot für Mähroboter?
Die Verbände, die sich nun dafür starkmachen, sagen: «Durch ein bundesweites Verbot des Einsatzes von Mährobotern von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang könnte das Risiko für den Tod zahlreicher Igel deutlich gesenkt werden.»
Sie verweisen darauf, dass Igel und weitere betroffene Arten nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt sind, weshalb es verboten ist, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Lebensstätten zu zerstören. Daher sei es nur konsequent, das Nachtfahrverbot für Mähroboter gesetzlich zu verankern.
Zu den Unterzeichnern gehören neben dem BUND unter anderem der Deutsche Tierschutzbund, WWF Deutschland und der Deutsche Naturschutzring.
Eine bundesweite Regelung wurde zwar bei der in der letzten Legislaturperiode geplanten Reform des Tierschutzgesetzes diskutiert und in Gesetzentwürfen festgehalten, jedoch scheiterte das Gesetz durch das Aus der Ampel-Regierung.
Wem hilft es noch?
Mit einem Nachtfahrverbot würden auch noch andere Arten geschützt, sagt Gärtner. «Es hilft auch den Erdkröten, den Mäusen und dem Gartenschläfer. Also allem, was nachts irgendwie kreucht und fleucht.»
Wolfmüller vom Verein Igelfreunde findet ein Nachfahrverbot für Kommunen auch absolut sinnvoll. Er meint aber, die Durchsetzung sei schwierig. «Wie will man das denn kontrollieren?» So ein Verbot könne aber «ein wichtiges Signal» senden.
Viel mehr Igel verletzten sich seiner Erfahrung nach in Zäunen, in denen sie eingeklemmt würden. Oder sie fielen in Kellerschächte, aus denen sie nicht mehr herauskämen. Und laut Tierschutzbund ist der Straßenverkehr eine der größten Gefahren: Jedes Jahr sterben so Tausende Igel.
Von Birgit Reichert, dpa
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