Wann ist der Wiesensee wieder mehr See als Wiese?
Segelboote, doch weit und breit kein Wasser in Sicht. Der Wiesensee hat seit Jahren kein Wasser. Das soll sich ändern.
Segelboote, doch weit und breit kein Wasser in Sicht. Der Wiesensee hat seit Jahren kein Wasser. Das soll sich ändern.
Nach rund drei Jahren ohne Wasser soll der Wiesensee im Westerwald im kommenden Jahr wieder angestaut werden. Die Arbeiten dafür laufen auf Hochtouren. Ein Überblick über die Geschichte des Sees, die aktuellen Arbeiten und die Pläne – vor allem über die Frage, wann das Wasser zurückkehrt.
Wann entstand der Wiesensee?
Der rund 80 Hektar große Wiesensee wurde 1971 aufgestaut und künstlich angelegt – als Hochwasserrückhaltebecken, wie Thomas Henritzi von der Verbandsgemeinde Westerburg erklärte. «Der See wurde in den, ich sag mal, 50 Jahren seit Bestehen natürlich nicht nur als Hochwasserrückhaltebecken benutzt, sondern hat natürlich hier für die Region einen massiven Anziehungspunkt gehabt im Bereich Tourismus», sagte er. Rund um den See entstanden unter anderem ein Hotel, Cafés, ein Campingplatz und ein Segelclub.
Warum ist der Wiesensee seit Jahren leer?
Ende 2021 wurde bekannt, dass der TÜV Rheinland Mängel an der Stauklappe festgestellt hatte. Anfang 2022 wurde das Wasser abgelassen. «Da ist Korrosion vom TÜV festgestellt worden, und man hatte eben Angst, dass dieses System an sich komplett versagen könnte und im Prinzip die Menge des Wassers auf einen Schlag sich ins Tal ergießen könnte», sagte Henritzi. Daraufhin durfte zunächst kein Wasser mehr angestaut werden.
Was geschah danach?
Bevor wieder Wasser in den See darf, musste die gesamte Anlage überprüft und an vielen Stellen erneuert werden. Unter anderem wurde der Damm untersucht und ein neues Bauwerk zur Regulierung des Wassers errichtet. Dafür waren zahlreiche Gutachten und Untersuchungen nötig. Allein für die Untersuchung des Untergrunds wurden 70 Tiefenbohrungen vorgenommen.
Hinzu kamen Planungen, Ausschreibungen und Abstimmungen mit Behörden. Für den Bau des sogenannten Mönchbauwerks waren beispielsweise drei Ausschreibungsrunden nötig, sagte Henritzi. Die Gesamtkosten belaufen sich derzeit auf etwa 7,5 Millionen Euro - «ich denke, das wird noch nicht das Ende der Fahnenstange sein», ergänzte er.
Was passiert derzeit im trockenen See?
Das Seebecken wird auf die Rückkehr des Wassers vorbereitet. Die grüne Fläche wurde zunächst gemäht, nun wird der Untergrund bearbeitet. Vor allem der angesammelte Schlamm wird innerhalb des Seebeckens umgelagert. Nach Angaben von Rolf-Peter Meyer von der ausführenden Firma Meyer-Luhdorf wurden bereits mehr als 100.000 Kubikmeter Schlamm bewegt. Mit Wällen wird zugleich verhindert, dass sich der Schlamm wieder in die Seemitte bewegt. An der tiefsten Stelle soll der See etwa 4,5 Meter tief sein.
Warum sind diese Arbeiten notwendig?
Die Arbeiten sollen nicht nur dafür sorgen, dass wieder eine Wasserfläche entsteht, auch Tiere und Umwelt werden mitgedacht. «Wir bauen Berge unter Wasser», erklärte Henritzi. Die Erhebungen sollen später etwa 30 bis 50 Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegen und so Lebensräume schaffen.
Wann kommt wieder Wasser in den Wiesensee?
Nach dem derzeitigen Zeitplan soll im Januar 2027 wieder mit dem Einstau begonnen werden. Henritzi hält es für möglich, dass der See bei günstigen Bedingungen bis Anfang März wieder voll ist.
Das hängt vor allem davon ab, wie viel Regen und gegebenenfalls Schneeschmelze es gibt. Der Wiesensee hat nach Angaben Henritzis ein Einzugsgebiet von rund 17,5 Quadratkilometern. Mehrere Bäche wie etwa der Seebach oder der Hüttenbach führen ihm Wasser zu.
Wird man künftig im Wiesensee baden können?
Nein. Der See soll kein Badegewässer werden. Zwar gab es früher einmal ein Strandbad, der Betrieb wurde jedoch unter anderem wegen der Wasserqualität nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Bei einer Wasserfläche von mehr als 80 Hektar sei eine ausreichende Aufsicht aus seiner Sicht nicht möglich, erklärte Henritzi.
Was bedeutet die Rückkehr des Wassers für die Region?
Den Moment, in dem klar war, dass der Wiesensee bald wieder Wasser führen wird, beschrieb Henritzi so: «Das war wie ein großer Mühlstein, der einem vom Herzen fällt.» Es sei sehr schwer gewesen, der Bevölkerung die Verzögerungen, die erforderlichen Untersuchungen und den Aufwand klarzumachen. «Man hat uns immer nur schwer abgenommen, dass wir es wieder hinbekommen», sagte er. Die Stimmung in der Bevölkerung habe sich bereits verbessert, seit die Bagger vor Ort seien. «Wir erhoffen uns natürlich, dass der Wiesensee wieder zu der ursprünglichen Funktion als Touristenmagnet zurückkehrt», sagte Henritzi.
Beim Segelclub Wällerwind Pottum ist die Stimmung trotz der langen Pause gut. «Es zeichnete sich in den letzten Jahren immer mehr ab, dass die Verbandsgemeinde Westerburg die Sanierung des Wiesensees beherzt angehen wollte. Das setzte bei uns Seglern die positive Stimmung frei», teilte der Vorsitzende Carsten Held mit. Der Verein bereitet sein Gelände, die Stege und die Boote nun auf die Rückkehr des Wassers vor. 2027 soll wieder gesegelt werden.
von Alina Grünky (Text) und Thomas Frey (Foto), dpa
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