Vor dem Weiterbau der A1: Welche Arbeiten stehen an?
Zunächst geht es um Lebensräume für Tiere und Pflanzen - um Naturschutz. Und konkret um den Schwarzstorch, die Haselmaus und die Feldlerche.
Zunächst geht es um Lebensräume für Tiere und Pflanzen - um Naturschutz. Und konkret um den Schwarzstorch, die Haselmaus und die Feldlerche.
Mehr als drei Monate nach dem grünen Licht für den Weiterbau der A1 zum Lückenschluss in der Eifel geht es jetzt in dem südlichen Abschnitt los mit den vorbereiteten Arbeiten. Dazu gehört einerseits der Bau der Baustraße. Es laufen aber auch die vorgesehenen Ausgleichs- und Umweltmaßnahmen an. Wie wichtig sind diese?
Sie sind für den Schutz von Natur und Biodiversität sehr bedeutsam. «Ziel ist es, Lebensräume für geschützte Arten bereits vor den eigentlichen Bauarbeiten zu schaffen oder zu optimieren, damit die ökologische Bilanz zu jedem Zeitpunkt gewahrt bleibt», teilte der Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes mit. Es handele sich um «ein anspruchsvolles ökologisches Konzept».
Was wird konkret gemacht?
Beispiele für vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen sind die Umsiedlung von Tierarten. Dazu werden Flächen geschaffen, in die Tiere umziehen können. Beim Bau des gut zehn Kilometer langen Autobahnabschnitts zwischen Kelberg (Kreis Vulkaneifel) und Adenau (Kreis Ahrweiler) ist der störungsempfindliche Schwarzstorch besonders im Blick. Maßnahmen sind auch vorgesehen für die Haselmaus, die Geburtshelferkröte, den Neuntöter und die Feldlerche.
Hinzu kommen «Pflegeverträge» für sensible Flächen und Maßnahmen für bedrohte Pflanzen.
«Diese Maßnahmen sind notwendig, sie sind sinnvoll», hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, Michael Güntner, im Dezember in Kelberg gesagt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) fügte damals hinzu: «Sie werden Aufwand und Zeit fordern.»
Dauert es damit in der Eifel länger, bis gebaut wird?
Ja. Bis mit dem Bau der eigentlichen Trasse begonnen werde, könne es daher noch ein paar Jahre dauern, hieß es. Die sogenannten CEF-Maßnahmen (Continuous Ecological Functionality) müssen vor dem tatsächlichen Baubeginn umgesetzt werden. Sie sind Voraussetzung für den zentralen Bau - als Ausgleich für Eingriffe in Natur und Landschaft.
Andere Dinge könnten aber dazu anlaufen. Parallel dazu würden auch zehn Talbrücken geplant und deren Ausschreibung vorbereitet. Zudem müssten Waldstücke gerodet werden. Das Teilstück soll 317,4 Millionen Euro kosten.
Sind die Maßnahmen gesetzlich vorgeschrieben?
Ja. Das Bundesnaturschutzgesetz von 1976 legt fest, dass unvermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft nur möglich sind, wenn sie mit Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen einhergehen. Nach Angaben der Autobahn GmbH sind Kompensationsmaßnahmen und Ausgleichsflächen «fester Bestandteil großer Infrastrukturprojekte».
So wurde beispielsweise beim Ausbau der A4 zwischen Chemnitz und Hainichen (Sachsen) eine 30 Hektar große Ausgleichsfläche für eine Streuobstwiese mit 240 Obstbäumen alter Sorten angelegt. Diese wurde Teil eines Forschungsprojektes zur Gesundheit von Wildbienen.
Das Vorgehen bei Ausgleichsmaßnahmen ist detailliert geregelt. Der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz hatte 2021 beispielsweise Hinweise zur Konzeption veröffentlicht. Diese behandeln auf 1.130 Seiten eine Vielzahl von Tierarten, die des Schutzes bedürfen. Solche Maßnahmen müssen vor dem eigentlichen Baubeginn umgesetzt werden, um das Überleben betroffener Arten zu sichern.
Auf nordrhein-westfälischer Seite soll die A1 beim Lückenschluss in der Eifel sogar einen Schlenker für das geschützte Haselhuhn machen. 2018 wurde die geplante Trasse so geändert, dass die potenziellen Lebensräume der Vogelart umfahren werden.
Wann soll die ganze Lücke der A1 geschlossen sein?
Jetzt geht es konkret um den Bau der Strecke zwischen Kelberg und Adenau. Es ist der südliche Abschnitt des Lückenschlusses. Für zwei weitere verbleibende Teilstücke bis Blankenheim in Nordrhein-Westfalen gibt es noch kein Baurecht. Insgesamt ist die Lücke der A1 noch 25 Kilometer groß.
Sie zu schließen, soll komplett 1,1 Milliarden Euro kosten. Der Lückenschluss sei Teil des sogenannten transeuropäischen Verkehrsnetzes, das bis spätestens 2050 fertiggestellt werden solle, hatte Schnieder gesagt.
Die A1 führt von der Ostsee bis zur französischen Grenze nahe Saarbrücken und ist dann mit 730 Kilometern eine der längsten Autobahnen Deutschlands - zurzeit eben noch mit dieser Unterbrechung.
Um den Lückenschluss der A1 gab es viele Diskussionen und Streit. Im November 2025 gab das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht für den ersten Teil des Lückenschlusses der Autobahn in der Eifel. Das oberste deutsche Verwaltungsgericht in Leipzig wies die Klage des Umweltschutzverbandes BUND gegen die Planungen des Landesbetriebs Mobilität ab.
Warum sind die Arbeiten in der Eifel besonders?
Es sei der erste Startschuss von all den großen Infrastrukturprojekten, für die Schnieder Anfang Dezember 2025 Baufreigaben erteilt habe, hieß es aus dem Bundesverkehrsministerium. Damit gehe also nicht nur das Projekt des neuen Abschnitts der A1 los, sondern auch die anderen Projekte, für die Bescheide übergeben worden seien.
Schnieder hatte Baufreigaben für 23 Straßenbauprojekte erteilt, darunter sieben baureife Autobahn-Neubauprojekte in Deutschland. In Rheinland-Pfalz gehört neben dem A1-Ausbau noch der Neubau eines 4,6 Kilometer langen Anschnitts der B50 an der Kreisgrenze Bernkastel-Wittlich dazu.
Von Birgit Reichert, dpa
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