Verband sieht bei Elektrifizierung im Land Luft nach oben
Der Bahnverkehr soll umweltfreundlicher werden - sprich: nicht mit Diesel, sondern elektrisch fahren. Ein Verband sieht fürs Land noch mehr Potenzial.
Der Bahnverkehr soll umweltfreundlicher werden - sprich: nicht mit Diesel, sondern elektrisch fahren. Ein Verband sieht fürs Land noch mehr Potenzial.
Bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken in Rheinland-Pfalz sieht der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) Nachholbedarf. Im bundesweiten Länder-Vergleich falle auf, dass Rheinland-Pfalz bei Bundesprogrammen geringer berücksichtigt werde. «Sinnvoll wäre es, seitens des Landes mehr Druck auf den Bund auszuüben und entsprechende Anträge auf Förderung für die Projekte zu stellen», teilte der Verband der Deutschen Presse-Agentur mit.
Für Rheinland-Pfalz sind demnach im Bundesschienenwegeausbaugesetz außer der Verbindung von Bingen über Hochspeyer bei Kaiserslautern nach Wörth am Rhein keine Elektrifizierungsprojekte enthalten. Letzteres Projekt rangiere im Bundesverkehrswegeplan so weit hinten, dass mit seiner Verwirklichung vor 2050 nicht zu rechnen sei.
Die Elektrifizierung der zu reaktivierenden Strecke Homburg - Zweibrücken werde durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) des Bundes gefördert, aber nicht als Elektrifizierungs-, sondern als Reaktivierungsprojekt. Ferner solle als weiteres kleines Projekt die Moselstrecke Pünderich - Traben-Trarbach elektrifiziert werden.
Bisher hat Rheinland-Pfalz eine der niedrigsten Quoten
Nach Angaben der Deutschen Bahn waren zuletzt 46 Prozent der Streckenkilometer in Rheinland-Pfalz elektrifiziert. Damit hatte das Land eine der niedrigsten Quoten der Flächenländer. Bundesweit lag der Schnitt bei 62 Prozent. Durch neue Projekte soll demnach die Elektrifizierungsquote in Rheinland-Pfalz bis 2030 auf rund 54 Prozent steigen.
Die Ahrtalbahn wurde gerade und die Eifelstrecke wird derzeit nach der Flutkatastrophe von 2021 komplett elektrifiziert, für die Moselweinbahn ist die Elektrifizierung konkret geplant. Im Pfalznetz werden laut Mobilitätsministerium zudem für ein Akkuzug-Projekt punktuell Elektrifizierungen insbesondere in Bahnhöfen vorgenommen.
Dieses Projekt umfasse nur wenige Kilometer Oberleitung, aber in Summe könne ein Streckennetz von rund 240 Kilometern künftig mit Ökostrom betriebenen Akkuzügen befahren werden, sagte der Ministeriumssprecher. Ziel ist es, bis 2029 die bislang dort eingesetzten Dieselzüge zu ersetzen.
«Es gilt also den Ausstoß von Treibhausgasen im Zugverkehr so gut es geht zu minimieren», sagte der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur weiter. Wenn dies wie beispielsweise im Pfalznetz auch durch den Einsatz von Akkuzügen ohne flächendeckende Elektrifizierung erfolgen könne, sei das ein gutes Ziel unabhängig von einer konkreten Prozentzahl.
Land würde Prozessbeschleunigung begrüßen
Nach welchen genauen Kriterien die Deutsche Bundesbahn damals Strecken zur Elektrifizierung ausgewählt habe, sei der Landesregierung nicht bekannt. Offensichtlich seien dabei jedoch in erster Linie die bedeutenderen Hauptstrecken im Netz elektrifiziert worden.
Dazu zählten unter anderem die rechte und linke Rheinstrecke, die Moselstrecke Koblenz-Trier, die Saarstrecke Trier-Saarbrücken, die Strecke Mainz-Ludwigshafen und die Strecke Mannheim – Kaiserslautern – Saarbrücken.
Elektrische Züge fahren lokal emissionsfrei und können – anders als Dieselzüge – vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Damit reduzieren sie CO2-Emissionen erheblich und machen den Verkehr unabhängiger von fossilen Importen.
In Anbetracht des immer schneller voranschreitenden Klimawandels wäre eine Prozessbeschleunigung grundsätzlich sehr zu begrüßen, teilte das Ministerium mit. Die Landesregierung arbeite mit den zur Verfügung stehenden Mitteln daran, hierzu den größtmöglichen Beitrag zu leisten.
Für die Elektrifizierung der Eifelstrecke und der Ahrtalbahn investiere das Land nach aktuellem Stand insgesamt knapp 110 Millionen Euro. Für das Oberleitungsinselnetz im Süden von Rheinland-Pfalz seien es weitere rund 33 Millionen Euro.
Die Strecke in der Eifel zwischen Trier und Köln soll voraussichtlich bis 2028 fertig elektrifiziert sein. Wegen der Arbeiten kommt es immer wieder zu Teilsperrungen.
Was dem Verband noch auffällt?
«Dass eine ehemalige internationale Hauptstrecke wie die Nahetalbahn weitgehend nur im saarländischen Streckenteil elektrifiziert wurde und der rheinland-pfälzische Abschnitt zwischen Neubrücke und Gau-Algesheim fehlt», teilte der VDV mit. Nach einer Elektrifizierung wäre dies die schnellste Verbindung zwischen Frankfurt und Saarbrücken.
In anderen Bundesländern seien Elektrifizierungen mit weniger Potenzial in den vordringlichen Bedarf des Gesetzes über den Ausbau der Schienenwege des Bundes übernommen worden. Das Saarland lag nach den letzten Daten bei der Elektrifizierung des Bundesschienennetzes bei 85 Prozent.
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