Eine der vielen offenen Fragen: Wie kam der Jugendliche an den Schlüssel? (Symbolbild)
Jörg Halisch/dpa
Eine der vielen offenen Fragen: Wie kam der Jugendliche an den Schlüssel? (Symbolbild)
Liebesbeweis?

Unternehmen rätselt über 15-jährigen Busentführer

Ein Teenager klaut einen Linienbus und fährt seine Freundin 130 Kilometer weit zur Schule. Das Internet feiert das. Jetzt spricht das Busunternehmen - und findet die Geschichte weder lustig noch süß.

Ein 15-Jähriger klaut in Wiesbaden einen Linienbus und bringt damit seine Freundin 130 Kilometer weit zur Schule. Was in den sozialen Medien als Zeugnis frühreifer Fahrkünste oder besonderer Liebesbeweis interpretiert wird, sieht das bestohlene Busunternehmen völlig anders. 

«Wir finden das eine sehr ernste Angelegenheit», sagt Jörg Martini, der Geschäftsführer der Nassauischen Verkehrs-Gesellschaft (NVG) der Deutschen Presse-Agentur. «Zum Glück ist niemandem etwas passiert.» Vom Betriebsgelände der NVG im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel war der Bus am vergangenen Freitag verschwunden und in Karlsruhe wieder aufgetaucht. 

«Gespannt auf die Ermittlungsergebnisse»

Wie der Jugendliche an den Schlüssel kam, «da sind wir gespannt auf die Ermittlungsergebnisse», sagt Martini. «Wir können jedenfalls nicht nachvollziehen, wie das passiert ist.» Weil der Junge in Mainz wohnt, hat die dortige Polizei die Ermittlungen übernommen. Man könne frühestens Ende der Woche mehr Details nennen, sagte eine Sprecherin. Am Freitagmittag stellte die NVG fest, dass der Bus fehlt.

Bus blieb unbeschädigt 

«Wir haben den Bus dann geortet und gesehen, dass er in Karlsruhe ist», berichtet der Geschäftsführer. «Dann haben wir sofort die Polizei verständigt.» Zwei Mitarbeiter machten sich auf den Weg nach Karlsruhe, um den Bus zurückzubringen. Den Jugendlichen trafen sie dabei nicht mehr an. Der Bus war unbeschädigt.

Als der Fall publik wurde, erreichten die NVG wohlwollende Zuschriften, wie Martini berichtet: Das Unternehmen solle dem Fahrtalent doch eine Chance geben. Martini kann darüber nur den Kopf schütteln: Der Jugendliche habe einen Diebstahl begangen und sei ohne Führerschein gefahren.

Verkehrsgesellschaft: Das ist eine Straftat

Das sieht auch die Wiesbadener Verkehrsgesellschaft ESWE so, in deren Auftrag Busse der NVG in Wiesbaden unterwegs sind: «Die illegale Entwendung eines Fahrzeugs aus einem Firmen-Fuhrpark ist kein Streich, sondern eine Straftat», sagt ESWE-Sprecher Jürgen Hüpohl.

«Egal, welche Absicht damit verfolgt wird, ich kann bei einer solch gefährlichen Aktion keinen Spaßfaktor erkennen. Ich mag mir lieber nicht vorstellen, was dabei alles hätte passieren können.»

© dpa-infocom, dpa:260317-930-828699/1
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