Tote Eltern im Garten - «Es fühlt sich gut und richtig an»
Seit ein paar Monaten darf man in Rheinland-Pfalz die Asche von Toten im Garten verstreuen lassen. Johanna erzählt, warum für sie dieser Abschied tröstlich ist.
Seit ein paar Monaten darf man in Rheinland-Pfalz die Asche von Toten im Garten verstreuen lassen. Johanna erzählt, warum für sie dieser Abschied tröstlich ist.
Johanna hat ihre toten Eltern ganz nah bei sich. In ihrem Garten, unter einer großen Tanne neben einem Teich. «Es war ihr großer Wunsch, dass ihre Asche genau dort ausgestreut wird», erzählt Johanna. Sie zeigt auf einen Stab mit Engelsflügeln, daneben hat sie ein Rostherz aufgestellt, das ihre Mutter so liebte. Und Hortensien gepflanzt.
«Es fühlt sich gut und richtig an», sagt die 63-Jährige an dem Ort. «Irgendwie rund, warm und weich.» Vor allem kein bisschen gruselig. «Ich gehe morgens hierher, sage den beiden guten Morgen und rede ein bisschen.» Das Allerschönste für sie sei, dass der Wunsch ihrer Eltern aufgegangen sei. «Ich spüre, dass es ihnen gut da geht. Das ist der perfekte Schluss.»
Möglich geworden ist es mit dem neuen Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz, das seit einigen Monaten das Verstreuen von Totenasche auf privatem Grund erlaubt. «Dass es das jetzt gibt, ist mega gut», sagt Johanna. Sie sei dankbar, dass Rheinland-Pfalz da so fortschrittlich sei.
Vater und Mutter starben kurz hintereinander
Schon seit Jahren hätten die Eltern immer wieder gesagt, dass sie eines Tages im Garten der Tochter bestattet werden wollten - auf dem Grundstück der Familie. Damals sei das aber noch nicht erlaubt gewesen. Mit dem neuen Gesetz hätten beide ihren Wunsch im Januar beim Bestatter verfügt. «Und dann haben sie sich tiefenentspannt zurückgelegt.»
Ihr Vater war Mitte April mit 96 Jahren gestorben. Ihre Mutter (88) starb zweieinhalb Wochen später. «Meine Mutter hatte nach dem Tod meines Vaters keinen Lebenswillen mehr», erzählt die Frau. «Sie waren fast 70 Jahre verheiratet.» Die Mutter habe gewusst, dass sie sterbe. «Als wir die Bestattung von Papa planten, hat sie gesagt: "Ich werde an dieser Beerdigung anders teilnehmen, als ihr es euch vorstellt".»
Bei der Bestattung sei dann die Asche der Mutter und die Asche des Vaters jeweils aus einer Streuurne auf den Boden gestreut worden. «Gleichzeitig, sodass sich deren Asche vermischt hat», sagt Johanna. Im Rosenherz seien weiße Rosenblätter gewesen, die jeder beim Abschiednehmen dann über die Asche gestreut hat. «Es war ein schöner und würdiger Abschied.»
Die Trierer Bestatterin Ulrike Grandjean, stellvertretende Vorsitzende des Bestatterverbandes Rheinland-Pfalz, hat bereits vier dieser neuen Bestattungen gehabt, bei denen die Totenasche auf einem privaten Grundstück verstreut wurde. Oft werde ein besonderer Platz von der Familie ausgesucht, wie bei den Eltern von Johanna die Tanne, erzählt sie.
In einem anderen Fall habe der Ort neben einer Bank gelegen, auf der der Verstorbene immer gesessen habe. Nach der Bestattung werde die Stelle meist gekennzeichnet. «Entweder pflanzt man ein Bäumchen oder Strauch oder man legt einen kleinen Stein dorthin», sagt Grandjean. Ein Ort der Erinnerung.
Derzeit nur in Rheinland-Pfalz erlaubt
Laut Bundesverband Deutscher Bestatter ist die «Ausbringung von Totenasche» derzeit nur in Rheinland-Pfalz möglich. Voraussetzung ist, dass die verstorbene Personen die Beisetzungsform und den Ort der Ausbringung zu Lebzeiten in einer Verfügung schriftlich festgelegt hat.
Und: Der letzte Hauptwohnsitz vor dem Tod muss in Rheinland-Pfalz gewesen sein. Auch das Grundstück müsse in Rheinland-Pfalz liegen. Nach der Ausbringung der Asche gilt eine Ruhefrist von fünf Jahren.
Interesse gebe es auch an der mit dem neuen Gesetz möglichen Aufbewahrung der Urne zu Hause. Auch hier habe sie schon mehrere Fälle gehabt, sagt die Bestatterin. Meistens gebe es eine Trauerfeier, dann werde die Urne der Familie übergeben. Erlaubt ist es jetzt auch, einen Teil der Asche «zur würdevollen Weiterverarbeitung» zu entnehmen, um etwa einen Diamanten daraus fertigen zu lassen.
Johanna will später auch dort verstreut werden
Auch Johannas Eltern haben verfügt, aus einem Teil der Asche Diamanten zu pressen. «Ich werde sie auf meinem Ring anbringen», sagt die 63-Jährige. Dann seien Vater und Mutter auch bei ihr, wenn sie unterwegs sei.
Johanna erzählt ihre Geschichte, weil sie auf diese neue mögliche Form der Bestattung aufmerksam machen will. «Ich glaube, viele wissen bisher nicht, dass es sie gibt.» Klar sei aber, dass so was nicht für jeden infrage komme. «Ich war anfangs auch skeptisch», räumt sie ein. Jetzt aber sage sie: «Es ist richtig, den Tod mit ins Leben zu nehmen.»
Von ihrer Terrasse ist der Erinnerungsort im Garten in Sichtnähe, nur wenige Meter entfernt. Johanna will nach ihrem Tod ihre Asche auch an der Tanne verstreuen lassen. «Weil es sich gut anfühlt, ich liebe dieses Grundstück. Es gibt keinen Ort, an dem ich schöner liegen könnte.»
Von Birgit Reichert, dpa
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