Auf dem Gelände entstehen auch eine Großwärmepumpe, ein Batteriespeicher und eine neue Netzersatzanlage.
Lea Winkler/dpa
Auf dem Gelände entstehen auch eine Großwärmepumpe, ein Batteriespeicher und eine neue Netzersatzanlage.
Vorzeigeprojekt

Rechenzentrum am Rhein hat Modellcharakter

Bunt, modern, klimafreundlich: Das Rechenzentrum «Green Rocks» will Digitalisierung und Wärmewende verbinden. Das Erste von drei Gebäuden steht bereits.

Ein großer, bunt gestalteter Bau ragt auf der Ingelheimer Aue am Rhein in Mainz in die Höhe. Es ist das erste von drei geplanten Gebäuden für das neue Rechenzentrum der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW). Das Bauwerk steht inzwischen kurz vor der Fertigstellung und weist einige Besonderheiten auf, die Betreiber bezeichnen das Projekt «Green Rocks» als grünes Vorzeigeprojekt. 

Für das Rechenzentrum entstehen auf dem Gelände eine Großwärmepumpe, ein Batteriespeicher und eine neue Netzersatzanlage. Diese solle als kleines Kraftwerk ohne Diesel auskommen und die Stromversorgung des Rechenzentrums absichern.

Der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) sagte, die Ingelheimer Aue sei mit dem neuen Rechenzentrum ein «absoluter Zukunftsstandort» und ein wichtiger Baustein für die Infrastruktur von Mainz und Wiesbaden.

CO2-neutral bis 2045

Für die KMW ist das Vorhaben Teil einer langfristigen Transformation des Standorts. Man wolle bis 2045 CO2-neutral werden, sagte Vorstand Oliver Malerius. Das könne aber nur mit neuen Technologien erreicht werden. Die vollständige Inbetriebnahme der weiteren Bauabschnitte sei schrittweise in den kommenden Jahren vorgesehen. Ab Herbst sollen erste Kunden Server, Netzwerktechnik und Speicherhardware in das Gebäude bringen können.

Eine Besonderheit des Rechenzentrums: Beim Betrieb entstehende Abwärme soll über die Großwärmepumpe in das Mainzer Fernwärmenetz eingespeist werden. Nach früheren Angaben der KMW könnten dadurch zusätzlich bis zu 20.000 Haushalte mit Wärme versorgt werden. Zur Kühlung wird Rheinwasser genutzt.

Notstrom über bestehende Kraftwerksanlagen

Anders als bei vielen vergleichbaren Anlagen ist laut Betreiberangaben keine klassische dieselbasierte Notstromversorgung als Standardlösung vorgesehen. Stattdessen wird die Stromversorgung bei Störungen zunächst über die bestehende Kraftwerksinfrastruktur abgesichert. Ergänzend soll eine noch zu errichtende Netzersatzanlage für das Rechenzentrum entstehen.

Nach Einschätzung des Branchenverbandes German Datacenter Association (GDA) hat das Projekt am Rhein bundesweiten Modellcharakter. Es gehe deutlich über klassische Rechenzentrumsentwicklungen hinaus. Die GDA sieht darin ein Beispiel für eine stärker integrierte Verbindung von Energieinfrastruktur, Digitalisierung und nachhaltiger Standortentwicklung.

© dpa-infocom, dpa:260618-930-244971/1
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