«Diese Form von Schusswaffengebrauch, also flüchtenden Autos hinterher schießen, kommt in der Realität sehr selten vor.»
Kevin Schößler/dpa
«Diese Form von Schusswaffengebrauch, also flüchtenden Autos hinterher schießen, kommt in der Realität sehr selten vor.»
Polizei

Polizeischüsse nach Verfolgungsfahrt: Experte sieht Ausnahme

Warum es laut Experte selten ist, dass die Polizei auf flüchtende Autos schießt – und wie sich die Haltung zu riskanten Einsätzen verändert.

Nachdem ein junger Mann bei einer Verfolgungsfahrt in Saarbrücken durch Polizeischüsse tödlich verletzt wurde, hat ein Experte den Einsatz als absolute Ausnahme bezeichnet. «Diese Form von Schusswaffengebrauch, also flüchtenden Autos hinterher schießen, kommt in der Realität sehr selten vor», sagte Polizeiwissenschaftler Rafael Behr.

Solche Verfolgungsfahrten gehörten «zum absoluten Worst-Case-Szenario im Polizeidienst». Sie setzen mitunter eine gewisse Dynamik in Gang, die im Nachhinein schwierig zu beurteilen sei, sagte Behr, der bis 2024 Professor für Polizeiwissenschaften an der Akademie der Polizei Hamburg war.

Bei der Verfolgungsfahrt im Saarland hat die Polizei in der Nacht zum Sonntag nach Angaben der Staatsanwaltschaft Schüsse abgegeben. Der 22 Jahre alte Fahrer des verfolgten Autos wurde durch die Schüsse verletzt und starb. Ein 19 Jahre alter Mann in dem Auto wurde verletzt. Zuvor sei bei einem Wendeversuch des Autos eine Polizistin verletzt worden, hieß es von der Polizei. 

Behr beobachtet eine «zunehmende autoritäre Durchsetzungskultur»

Behr sagte, dass eine Analyse des konkreten Falls wegen vieler fehlender Informationen und der laufenden Ermittlungen schwierig sei. Laut dem Experten würde es beispielsweise einen großen Unterschied machen, wenn das Auto auf einen zufahre und Notwehr bestehe - oder wenn das Auto wegfahre. 

Generell beobachte der Experte aber eine «zunehmende autoritäre Durchsetzungskultur» bei der Polizei. So würden die Beamten inzwischen «eher offensiv mit solchen Dingen umgehen und nicht defensiv». Etwa fände die Einstellung, eine Verfolgung abzubrechen, weil dies unverhältnismäßig sei, immer weniger Gehör. «Ich habe den Eindruck, dass man sich im Zweifel immer für eine Fortsetzung einer solchen polizeilichen Maßnahme entscheidet.» 

Das Abbrechen sei für viele ganz schwierig und auch schwer zu vermitteln, «weil es immer danach klingt: Wir haben den Kampf aufgegeben.» Dabei sei es vielleicht oftmals er bessere Weg zu sagen, «das Risiko, dass hier Unbeteiligte zu Schaden kommen, ist zu groß.»

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