Mit E-Bikes und Innovationen für mehr Sicherheit will der Fahrradhersteller Canyon nach schwierigen Jahren raus aus der Krise. Zur Branchenmesse Eurobike in Frankfurt verkündete das Unternehmen die Eröffnung eines E-Bike-Zentrums am Koblenzer Hauptsitz.
In dem Neubau sollen Kunden auf 1.200 Quadratmetern die komplette E-Bike-Palette testen, vergleichen und kaufen können. Es handle sich um den ersten Standort, der ausschließlich auf Elektro-Räder setze.
«Vor 15 Jahren haben wir E-Bikes abgelehnt als zu schwer und unausgereift», sagte Firmengründer Roman Arnold der Deutschen Presse-Agentur. Nun baue man seit sieben Jahren E-Mountainbikes. Nicht nur im Alltag, auch bei Sporträdern seien E-Bikes längst etabliert. So seien mittlerweile mehr als die Hälfte der verkauften Mountainbikes bei Canyon elektrisch. Bei Rennrädern stehe das Thema «erst am Anfang», der Markt werde aber wachsen.
Widerspruch zur Marke?
Einen Widerspruch zum Markenkern der Rennrad-Schmiede, die die Tour-de-France-Teams Movistar und Alpecin-Premier Tech sponsert, sieht Arnold nicht. Auch bei E-Bikes setze Canyon auf leichte und schnelle Räder. Elektro-Räder seien längst nicht mehr nur etwas für alte Leute, sagt Arnold.
Zugleich will Canyon mit integrierten Warnsystemen im Lenker und vernetzten Helmen punkten, die Radfahrer vor Gefahren warnen sollen. «Mangelnde Sicherheit im Verkehr ist eine Sorge, die viele Kunden vom Radfahren abhält», sagte Arnold. Sicherheitssysteme wie Canyon Predict, die Radfahrer per Vibration vor Gefahren durch Autos warnen, könnten in wenigen Jahren serienreif sein.
Harter Preiskampf
Canyon ist mit Sporträdern groß geworden und sponsert unter anderem Radstar Mathieu van der Poel und die Ironman-Athleten Laura Philipp und Patrick Lange. Doch die Firma, der im Wettbewerb mit Herstellern wie Rose und Cube steht, spürt wie viele Hersteller die Spätfolgen des Corona-Booms.
2025 sank der Umsatz mit Fahrrädern in Deutschland laut Branchenverband ZIV um acht Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. Sogar der Verkauf von E-Bikes, der über 80 Prozent der Umsätze in der Radbranche bringt, schrumpfte. Am Geschäft mit E-Bikes kommt längst kein Hersteller mehr vorbei. Bei Canyon reichen die Preise von unter 3.000 Euro für City-Bikes bis 7.000 Euro für E-Rennräder und E-Mountainbikes.
Neue Einnahmequellen kann Canyon gebrauchen: 2025 fiel der Umsatz um gut 6 Prozent auf 738 Millionen Euro, der Betriebsgewinn brach um rund ein Drittel ein. Das Unternehmen, hinter dem der belgische Finanzinvestor GBL steht, strich 320 Jobs. GBL musste den Wert seiner Canyon-Mehrheitsbeteiligung drastisch senken, wechselte den Chef aus und holte Gründer Arnold zurück in die Führung.
«Wir hatten ein bisschen den Fokus verloren», sagt Arnold. «Wir haben uns zu sehr mit uns selbst beschäftigt.» Auch die Verwaltung sei zu groß gewesen. Dieses Jahr wachse Canyon wieder bei allen Kennzahlen. «Wir liegen über Plan.»
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