Macht sich der Otter im Saarland wieder rar? (Symbolbild)
Bernd Weißbrod/dpa
Macht sich der Otter im Saarland wieder rar? (Symbolbild)
«Alarmsignal» im Saarland

Naturschützer beunruhigt: Weniger Fischotter-Sichtungen

Am 27. Mai ist der Welt-Otter-Tag. Anlass, um auf die Entwicklung der Tiere im Saarland zu schauen. Vor einiger Zeit gab es gute Nachrichten, doch wie ist die Lage 2026?

Die Überraschung und die Freude waren groß im August 2022: «Der Fischotter ist zurück im Saarland!», jubelten Naturfreunde, als dem stellvertretenden Vorsitzenden des Naturschutzbundes Homburg (Nabu), Hardy Welker, mit seiner Wildkamera zum ersten Mal die Aufnahme eines Fischotters an der Blies gelungen war. Denn seit dem 19. Jahrhundert galt diese Art im Saarland als ausgestorben. Bei dieser einmaligen Sensation blieb es nicht: Im Laufe der Jahre belegten Video-Aufnahmen und DNA-Untersuchungen, dass sich zu dem ersten Rüden auch ein Weibchen gesellte und es sogar Nachkommen gab. 

Doch knapp vier Jahre später ist die Euphorie bei den Naturschutzverbänden Nabu und BUND einer Ernüchterung gewichen: Denn im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Sichtungen zwischen Dezember und März von 41 auf 7 zurückgegangen. «Das ist extrem und ich rätsele, woran das liegt», sagt «Otter-Spotter» Welker. Zwar gebe es diese Schwankungen auch an anderen Orten, allerdings nicht in dieser Größenordnung. «Der Otter ist Futteropportunist, und das kann der einzige Grund sein», meint Welker. «Wir vom Nabu vermuten, die Permanentverschmutzung unseres Gewässers verursacht den Rückgang von Fischbrut und damit der Nahrung.»

Ministerium: «Situation hat sich verbessert»

Demgegenüber meint das Umweltministerium, dass sich die Situation und der Kenntnisstand zum Fischotter im Saarland seit etwa 2025 «insgesamt stabilisiert und verbessert» habe. Sprecherin Tatjana Hesidens weist darauf hin, dass bei einer Otter-Fortbildungsveranstaltung in Kooperation mit der Biber-AG im Nabu-Landesverband Saarland eine neue Fundstelle bei Neunkirchen-Wellesweiler entdeckt worden sei. «Im Komplex mit regelmäßigen Sichtungen südöstlich von Blieskastel wird nun angenommen, dass sich an der Blies ein Revier mit grob 40 Kilometer Ausdehnung zwischen Neunkirchen und Blieskastel aufgebaut hat.» 

Über einen lokalen Rückgang könne nicht spekuliert werden, zumal Otterbeobachtungen woanders zunähmen und Nachweise schwierig seien. Es gebe bislang «keine plausible Begründung für einen vermeintlichen Rückgang oder Stagnation», außer dass die Population an der Blies in diesem Bereich eventuell schon ihr Maximum mit einem Männchenrevier und gegebenenfalls zwei bis drei Weibchenrevieren erreicht habe. «Die Gewässergüte hat sich nicht verschlechtert», so Hesidens.

Nach Ansicht von Winfried Anslinger, Nabu-Vorsitzender aus Homburg, verkenne die Stellungnahme der Behörde die aktuelle Entwicklung an der Blies. Denn das Monitoring der Naturschützer im Auftrag des Zentrums für Biodokumentation habe einen Rückgang um über 80 Prozent ergeben. «Ein derart drastischer Einbruch der Sichtungen lässt sich nicht mit "schwieriger Nachweisbarkeit" erklären.» 

Auch die Einschätzung, es gebe «keine plausible Begründung» für einen Rückgang dieser Nachweise, teilt er nicht: «Die gibt es durchaus.» Denn parallel zu den weniger werdenden Ottersichtungen stelle der Nabu seit letztem Jahr eine deutliche Abnahme der Fischbestände, einen Rückgang niederer Wasserlebewesen, wiederkehrende Schaumbildung auf der Blies, Belastungen durch Tenside und möglicherweise PFAS-Einträge aus dem seit Jahren schäumenden Erbach fest.

Chemische Belastung der Blies verantwortlich?

Das Argument der Behörde, die Gewässergüte habe sich nicht verschlechtert, weist der Nabu-Sprecher zurück: «Wenn Messwerte an einzelnen Stationen stagnieren, bedeutet dies nicht, dass keine kritische Dauerbelastung vorliegt.» Auch gleichbleibend hohe Belastungen könnten kumulativ zu ökologischen Schäden führen. Anslinger: «Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob die chemische Belastung allein für den Rückgang des Otters verantwortlich ist, aber die Korrelation ist nicht von der Hand zu weisen.»

Der Nabu erwarte, dass die Gewässer nun tiefgreifend untersucht werden. «Hier sehen wir das Umweltministerium und den Fischereiverband in der Pflicht, valide Zahlen zu liefern.»

Auch BUND erwartet weitere Gewässer-Untersuchungen

Rückendeckung dazu gibt es vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND): Den Rückgang der Sichtungen insbesondere an der Blies sehe der BUND Saar mit «großer Sorge», das sei ein «Alarmsignal», so der Landesvorsitzende Christoph Hassel. Er appelliert, den Hinweisen nachzugehen und weitere Untersuchungen durchzuführen. 

Die Gewässerüberwachung sei eine behördliche Aufgabe, «es ist allerdings auch Auftrag, dass wir weiter an der Verbesserung der Gewässergüte und der Gewässerstruktur arbeiten, damit der Fischotter einen guten Lebensraum hat, wo er sich wohlfühlt.»

Neues «Kompetenzzentrum Fischotter Saar»

Damit das so bleibt, will der Verband mit der Entwicklung und Eröffnung eines «Kompetenzzentrums Fischotter Saar» im BUND-Umweltzentrum «Haus Eckert» in Lebach nach eigener Aussage ein deutliches Zeichen für den Artenschutz setzen. Das Kompetenzzentrum diene ab sofort als zentrale Ausbildungs- und Informationsstätte. 

Hier sollen gezielt ehrenamtliche Monitorer geschult werden, um den Fischotter im Saarland fachgerecht nachzuweisen und Datenlücken zu schließen. Hassel: «Nur durch ein engmaschiges Netz an Beobachtungen lässt sich der Schutz des heimlichen Wassermarders langfristig gewährleisten.» Für die offizielle Eröffnung hat sich der Nabu ein besonders passendes Datum ausgesucht: den 10. Welt-Ottertag am 27. Mai.

Von Katja Sponholz, dpa
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