Für Mountainbiker gibt es gekennzeichnete Strecken für ihre Touren. (Archivbild)
Uwe Anspach/dpa
Für Mountainbiker gibt es gekennzeichnete Strecken für ihre Touren. (Archivbild)
Freizeitsport

Mountainbiken im Wald: legale Trails für weniger Konflikte?

Sprünge auf wilden Trails, Streit um Naturschutz und jede Menge Herzblut: Warum mehr legale Strecken für Mountainbiker und Waldbesitzer Konflikte lösen könnten.

Mountainbiken erfreut sich in Rheinland-Pfalz wachsender Beliebtheit. Während Forstverwaltung, Waldbesitzer und Kommunen die sportliche Nutzung der Wälder grundsätzlich begrüßen, sorgen illegale Trails und Nutzungskonflikte für Diskussionen. Was ist den verschiedenen Interessengruppen besonders wichtig?

Aus Sicht des Forstamts Donnersberg gehört Mountainbiken zur Erholungsfunktion des Waldes. «Wir sehen Mountainbiken und Fahrrad fahren im Wald als einen Teil der Waldfunktion "Erholung" und begleiten die Interessen der Mountainbike-Gemeinde positiv», erklärt Andreas Grauer, Leiter des Forstamts Donnersberg. Dort gebe es eine gute Zusammenarbeit mit dem MTB-Verein Donnersberger Land.

Vor der Eröffnung neuer Strecken seien jedoch zahlreiche Interessen abzuwägen. Dabei spielten Naturschutz, Verkehrssicherung, Besucherlenkung sowie die Belange anderer Waldnutzer eine Rolle. Gleichzeitig beobachte das Forstamt eine zunehmende Nutzung der Wälder durch Mountainbiker. Offizielle Trails hätten dabei eine wichtige Lenkungsfunktion. 

«Mit Blick auf den Lenkungseffekt der offiziellen Trails beseitigen wir Bauwerke auf inoffiziellen Trails», so Grauer. Es werde auch geschaut, wer die illegalen Trails erbaut und nutzt - entsprechend würden Gespräche geführt. «Nur in seltenen Fällen verfolgen wir dies auch rechtlich», sagt Grauer.

Forst und Waldbesitzer fordern mehr Rücksicht

Auch rechtlich seien Grenzen gesetzt, sagt der Forstamtsleiter. Nach dem Landeswaldgesetz sei Radfahren im Wald grundsätzlich nur auf Straßen und Waldwegen erlaubt. Ein Verstoß dagegen sei eine Ordnungswidrigkeit. Grauer appelliert deshalb an die Nutzer: «Gegenseitige Rücksichtnahme ist das A und O.» Zudem sollten Mountainbiker Rücksicht auf Wildtiere nehmen und möglichst nicht in der Dämmerung oder nachts fahren.

Ähnlich äußert sich Dirk Fernholz, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbands Rheinland-Pfalz und Referatsleiter in der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. «Wir begrüßen die Mountainbiker, genauso wie die Reiter, Wanderer, Pilzesammler, Jäger und überhaupt alle allgemein oder auf spezielle Art in unseren Wäldern Erholungsuchenden», erklärt er.

Kritisch sieht Fernholz jedoch sogenannte wilde Trails. Beispielsweise hatte die Stadt Lahnstein von mehreren illegal angelegten Mountainbike-Strecken im Stadtwald berichtet. Diese seien mit Werkzeugen gebaut und mit Sprüngen versehen worden. Da keine Genehmigung vorliege, würden die Trails gesperrt.

Fernholz zufolge kollidierten diese Trails häufig mit Naturschutzinteressen, dem Klimaschutz, anderen Waldbesuchern und den Abläufen der Forstbetriebe. «Wir würden uns deshalb von den Mountainbikern, deren Zahlen weiter rasant zunehmen, an vielen Stellen mehr Sensibilität wünschen», sagt er. Als Lösung sieht er eine stärkere Organisation der Szene in Vereinen und den frühzeitigen Dialog mit Waldbesitzern und Forstämtern.

Mountainbiker verweisen auf Naturnähe

Der Mountainbike-Verein Pfalzbiker weist auf die Bedeutung ihres Sports für Naturerlebnis, Gesundheit und Gemeinschaft hin. Vereinssprecher Marian David Serr nennt als zentrale Motive für viele Biker «die direkte Nähe zur Natur, sowie die sportliche Betätigung und besonders auch die klasse Gemeinschaft». Für viele sei Mountainbiken zudem ein wichtiger Ausgleich zum Alltag.

Der Verein sieht insbesondere bei legalen und anspruchsvollen Trail-Angeboten noch Entwicklungspotenzial in Rheinland-Pfalz. Vor allem in bevölkerungsreichen Regionen und für Kinder und Jugendliche seien zudem wohnortnahe Angebote wichtig. 

Gleichzeitig betont Serr, wie wichtig dem Verein eine naturverträgliche Planung von legalen Strecken sei. Bei Projekten im Neustadter Weinbiet habe der Verein beispielsweise ein umfangreiches Gutachten mit Artenschutzprüfung finanziert. Die Kosten für dieses Gutachten in Höhe von rund 23.800 Euro wurde demnach aus der Vereinskasse finanziert, wobei die Touristik, Saalbau und Kongress GmbH (TKS) der Stadt Neustadt einen Zuschuss in Höhe von 5.000 Euro beigesteuert hat. 

Streitpunkt illegale Trails

Gegen Vorwürfe, Mountainbiker würden die Natur stärker schädigen als andere Waldbesucher, wehrt sich der Verband. «Zwei der größten Missverständnisse im Wald sind, dass uns Mountainbikern gerne vorgeworfen wird, wir würden, im Gegensatz zu Wanderern, die Natur zerstören und wir würden uns rücksichtslos gegenüber anderen verhalten», sagt Serr. Zwar gebe es auch unter Mountainbikern einzelne «schwarze Schafe», die Mehrheit halte sich jedoch an Verhaltensregeln und engagiere sich etwa bei der Pflege von Wegen.

Ein Konfliktthema bleibt der Umgang mit illegalen Trails. «Dem Forst sind die illegalen Strecken oft ein Dorn im Auge, der Rückbau ist oft notwendig, um Natur oder rechtliche Rahmenbedingungen zu schützen», sagt Serr. «Währenddessen haben die Erbauer häufig viel Arbeit und Herzblut in eine Strecke gesteckt und Kompromisse können sich deshalb schwierig gestalten.» Der Verein biete in solchen Fällen Unterstützung als Vermittler an.

Nach Angaben des Pfalzbiker e.V. zeige die Existenz von illegalen Trails den Bedarf nach legalen Angeboten. Wo attraktive legale Strecken entstünden, nehme deren Nutzung zu und andere Bereiche würden entlastet.

Von Alina Grünky (Text) und Uwe Anspach (Foto), dpa
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