Die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen steigt. (Symbolbild)
Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn
Die Zahl der ADHS-Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen steigt. (Symbolbild)
Neudiagnose

Mehr Kinder und Jugendliche bekommen Diagnose ADHS

Warum ADHS bei Mädchen oft erst später erkannt wird und wie Schulen laut Experten zur frühzeitigen Unterstützung beitragen können.

Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten in Rheinland-Pfalz eine ADHS-Neudiagnose. 2024 gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 18 Prozent, wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit für Rheinland-Pfalz hervorgeht. Hochgerechnet wurde somit landesweit bei rund 11.700 jungen Menschen erstmals ADHS diagnostiziert. 

Jungen bekommen demnach häufiger eine Erstdiagnose als Mädchen: 2024 waren es rund 7.600 Jungen und etwa 4.000 Mädchen. Im Vorjahresvergleich weisen Mädchen aber mit plus 33 Prozent eine höhere Steigerungsrate auf als Jungen, bei denen der Wert bei plus 11 liegt. ADHS ist eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität. 

Insgesamt mehr als 37.000 junge Menschen in Versorgung

Der Anstieg betreffe alle Altersgruppen, teilt die DAK-Gesundheit mit. Am häufigsten betroffen seien Grundschulkinder zwischen fünf und neun Jahren. Die Daten zeigten, dass 6,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt werden. Das entspreche hochgerechnet rund 37.400 jungen Menschen im Land.

«Wir brauchen in Rheinland-Pfalz ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller, die Kinder begleiten und versorgen. Nur so können sie früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigen», sagte DAK-Landeschef Rainer Lange. «Ein großes Potenzial liegt hier in der Schule, wo wir alle Kinder erreichen können.»

Bei Mädchen oft erst später erkannt

«Mädchen wurden sehr wahrscheinlich lange unterdiagnostiziert», sagte die Kinder- und Jugendärztin und stellvertretende Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen in Rheinland-Pfalz, Anke Wenzel, in Mainz. ADHS sei damit kein reines «Jungen-Thema», sondern ein Störungsbild, das bei Mädchen häufig übersehen und erst spät erkannt werde.

Ein Grund für die häufigere Diagnose von ADHS könne sein, dass der Druck und Stress für Kinder und Jugendliche zugenommen hätten, sagte der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité, Christoph U. Correll. 

«Wir beobachten wahrscheinlich zum Teil auch Spätfolgen der Pandemie, weil wichtige Lernschritte eventuell unterbrochen oder verzögert wurden.» Zudem nehme der negative Einfluss sozialer Medien zu, sagte Professor Correll.

Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte das Wissenschaftsteam von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 48.200 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz versichert sind.

© dpa-infocom, dpa:260902-930-618955/1
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

ROBIN SCHULZ & FAST BOY mit MILLION GOOD REASONS

RPR1. – der beste Musikmix für Rheinland-Pfalz

RPR1. – der beste Musikmix für Rheinland-Pfalz


Es läuft:
ROBIN SCHULZ & FAST BOY mit MILLION GOOD REASONS