Beim Weihnachtsbaumwerfen in der Pfalz.
Uwe Anspach/dpa
Beim Weihnachtsbaumwerfen in der Pfalz.
Schleudern, werfen, siegen

Kraftakt: Weltmeister im Weihnachtsbaumwerfen gesucht

Den scherzhaften Antrag zur Aufnahme des Wettbewerbs ins Olympiaprogramm lehnte das IOC einst ab: Die Regeln seien doch zu unterschiedlich. Der Popularität schadet das nicht, die Gaudi gilt als Kult.

Mit viel Anlauf - oder locker aus dem Stand: Beim traditionellen Weihnachtsbaum-Dreikampf im pfälzischen Weidenthal haben zahlreiche Männer, Frauen und Kinder ihre Kräfte gemessen. Das Spektakel in der Ortsgemeinde unweit von Kaiserslautern gilt als Klassiker - obwohl das Nadelgewächs auch anderswo in Deutschland über Plätze geworfen wird. Das augenzwinkernd zur Weltmeisterschaft ausgerufene Turnier auf dem hügelumsäumten Sportplatz wurde in diesem Jahr zum 18. Mal ausgetragen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer messen sich in drei Kategorien: Die Kontrahenten müssen einen etwa 1,50 Meter großen Baum wie einen Speer werfen sowie wie einen Hammer in der Leichtathletik schleudern und über eine Hochsprung-Latte bugsieren. Die Höhe bestimmen sie selbst. Die Werte werden addiert - wer auf den größten Gesamtwert kommt, gewinnt. Im vergangenen Jahr nahmen nach Angaben des örtlichen Fußballclubs Wacker 53 Männer und 29 Frauen sowie 25 Kinder teil.

Hölzerne Siegertrophäe

Um gebrauchte Weihnachtsbäume aus dem Wohnzimmer handelt es sich nicht. Die Sportgeräte wurden im Gemeindewald geschlagen und werden danach an Ziegen verfüttert. Um dem Spektakel mehr Gewicht zu geben, wurde es von den Veranstaltern einst nicht ganz ernst gemeint zur Weltmeisterschaft erklärt. Als Siegertrophäe gibt es unter anderem das offizielle Logo der Feier aus Holz.

2017 hatte Wacker gar verschmitzt die Aufnahme des Weihnachtsbaumwerfens ins Olympiaprogramm beantragt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) lehnte allerdings ab: Die Regeln, hieß es, seien dann doch zu unterschiedlich.

Die Stars der Szene

Der mehrfache Weltmeister Frank Schwender hatte angekündigt, nicht mehr anzutreten. Der 61 Jahre alte Verkaufsleiter aus dem Nachbarort Frankeneck hatte 2016 mit 25,01 Metern einen Fabelrekord bei den Männern aufgestellt. «Ich werde den Wettkampf natürlich verfolgen und bin gespannt auf den neuen Weltmeister», hatte Schwender gesagt. «Am Rande der WM werde ich gemütlich und entspannt mit alten Kumpels einen trinken.»

Bei den Frauen war die Saarländerin Margret Klein-Raber in den vergangenen Jahren das Maß der Dinge. Die Leichtathletin aus Siersburg stellte gleich bei ihrer Weidenthal-Premiere 2019 drei Bestmarken auf und kam im Mehrkampf auf 20,20 Meter - natürlich Weltrekord. «Der Wettkampf war heute sehr anspruchsvoll durch den Regen und die schweren Bäume», sagte Klein-Raber im vergangenen Jahr. «Aber es hat alles gut geklappt.»

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