Köln macht Ernst – ziehen die Dome in Rheinland-Pfalz nach?
Ab Mittwoch ist es so weit: Erstmals kostet der Kölner Dom Eintritt. Zwischen Finanzdruck und kirchlichem Selbstverständnis suchen die Bistümer im Bundesland den richtigen Weg.
Ab Mittwoch ist es so weit: Erstmals kostet der Kölner Dom Eintritt. Zwischen Finanzdruck und kirchlichem Selbstverständnis suchen die Bistümer im Bundesland den richtigen Weg.
Der von Mittwoch (1. Juli) an geplante Eintritt für Touristen im Kölner Dom sorgt auch in Bistümern in Rheinland-Pfalz für Diskussionen. Domkapitel im Bundesland sehen derzeit keinen Anlass für vergleichbare Schritte. Zugleich ist jedoch finanzieller Druck spürbar, die oft jahrhundertealten Gotteshäuser zu erhalten.
Im Mainzer Domkapitel sei die Einführung eines Eintrittsgeldes «nie favorisiert» worden, teilt Domdekan Henning Priesel mit. Zwar habe man nach der Kölner Entscheidung erneut über das Thema beraten. «Aktuell sehen wir für den Mainzer Dom keinen Ansatz für einen Eintritt», betont Priesel.
Die Ausgaben für den Mainzer Dom sind erheblich
Eine solche Gebühr sei mit erheblichem Aufwand verbunden. «Uns ist klar, dass die Umsetzung einer solchen Gebühr komplex ist», meint der Domdekan. Es müssten technische Voraussetzungen geschaffen, zusätzliches Personal für Aufsicht und Kontrolle eingestellt sowie Ein- und Ausgangskonzepte entwickelt und genehmigt werden. Hinzu kämen Sicherheitsfragen. «Zuletzt muss man für all das erst einmal deutlich investieren.»
Die Ausgaben für den Mainzer Dom sind ohnehin erheblich. Nach Angaben Priesels kostet der tägliche Betrieb rund 15.000 Euro. Darin enthalten seien unter anderem Personal-, Betriebs- und Reinigungskosten sowie Ausgaben für Wartung und Veranstaltungen. Bei durchschnittlich 750.000 Besuchern pro Jahr «würde uns schon ein Euro von jedem einen Großteil der laufenden Kosten abfedern», erklärt Priesel.
Mitgliedschaft als Alternative
Gleichzeitig hält das Domkapitel am offenen Zugang fest. «Wir sind im Domkapitel überzeugt, dass wir den Dom für alle im Zentrum der Stadt offenhalten wollen, gerade für das Gebet und um zur Ruhe zu kommen.» Besucher seien willkommen und könnten ihre Wertschätzung freiwillig durch Spenden zeigen.
«Wer kann, könnte sich zu einer Zustiftung zur Domstiftung Gedanken machen oder auch Mitglied im Dombauverein oder im Verein Musica Sacra werden», sagt Priesel. «Auch wenn lange Mitgliedschaften nicht mehr en vogue sind, ist gerade eine verbindliche Mitgliedschaft eine feste Größe, mit der wir wirtschaftlich planen können. So helfen viele durch einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Doms.»
In Speyer sind einzelne Bereiche kostenpflichtig
Auch im Speyerer Dom gibt es derzeit keine Überlegungen, Eintritt für das gesamte Gotteshaus zu verlangen. Bereits seit Jahrzehnten sind einzelne Bereiche kostenpflichtig. «Am Speyerer Dom gibt es bereits seit vielen Jahren zwei eintrittspflichtige Bereiche: die Krypta mit dem Zugang zu den Kaisergräbern sowie den Kaisersaal mit Zugang zum Südwestturm», teilt Domdekan Georg Müller mit.
Die Einnahmen dienten dazu, «einen Beitrag zum Bauunterhalt zu erwirtschaften und die Besucherströme zu regulieren». Konkrete Pläne für einen allgemeinen Eintritt gebe es nicht. Nach Angaben des Domkapitels werden jährlich durchschnittlich rund eine Million Euro für den Erhalt des Unesco-Welterbes aufgewandt. Die Finanzierung werde wegen steigender Baukosten zunehmend schwieriger.
Trier und Worms wollen «allen und jedem offen stehen»
Trier hält ebenfalls an der bisherigen Linie fest. «Das Domkapitel plant nicht, Eintritt für touristische Besuche im Dom zu erheben», teilt Sprecherin Judith Rupp mit.
Ähnlich äußert sich die Dompfarrei in Worms. Dort gebe es «keine entsprechenden Pläne», betont Dompropst Tobias Schäfer. Wichtig sei, dass der Dom «vor allem als Gotteshaus wahrgenommen wird, nicht als Museum, Touristenattraktion oder Denkmal». Ein Gotteshaus solle «allen und jedem Menschen offen stehen, auch unabhängig von seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit».
St. Stephan erinnert an seine berühmten Chagall-Fenster
Zudem seien die Verhältnisse mit Köln nicht vergleichbar. Während der dortige Dom jährlich rund sechs Millionen Besucher zähle, komme Worms auf 300.000 bis 400.000 Gäste. Der organisatorische und personelle Aufwand für ein Eintrittssystem stünde «in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen», meint Schäfer. «Die Herausforderung, ein solches Bauwerk als kleine Pfarrei zu erhalten, bleibt natürlich.»
Für die katholische Kirche St. Stephan in Mainz mit den berühmten Chagall-Fensternist ein Eintrittsgeld nach Angaben von Dompräbendat Thomas Winter derzeit nicht vorgesehen. Im Verwaltungsrat sei aber über eine solche Möglichkeit angesichts hoher Unterhaltskosten mehrfach gesprochen worden. Angesichts der hohen Unterhaltskosten könne eine Gemeinde die Finanzierung eines solchen Bauwerks kaum allein tragen, betont Winter.
Besucherzahlen nicht mit Köln vergleichbar
St. Stephan stehe vor einer umfassenden Innenrenovierung, deren Kosten noch ermittelt würden. Die laufenden Ausgaben würden derzeit vor allem durch ehrenamtliches Engagement sowie Einnahmen aus dem Verkauf von Schriften und Postkarten gedeckt. Rücklagen könnten nicht gebildet werden.
An starken Frühjahrs- und Sommerwochenenden besuchen nach Angaben Winters bis zu 1.000 Menschen die Kirche. Viele kämen wegen der Chagall-Fenster und der besonderen Atmosphäre des Gotteshauses.
Der Kölner Dom wird für Besucher ab Mittwoch (1. Juli) zwölf Euro Eintritt kosten. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, wie das Domkapitel mitteilte. Es gibt aber Ausnahmen. So soll der Dom jährlich an bestimmten Tagen kostenfrei sein. Zudem soll er für Gottesdienstbesucher, Betende sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins kostenfrei bleiben.
Vom Wolfgang Jung, dpa
© dpa-infocom, dpa:260630-930-307054/1
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten