Mehr als 50 Schüler zählt die Gladiatorenschule Trier. (Archivbild)
Birgit Reichert/dpa
Mehr als 50 Schüler zählt die Gladiatorenschule Trier. (Archivbild)
Gladiatorenkämpfe

Kämpfen wie ein Römer - Warum wird jemand Gladiator?

Vom US-Soldaten bis zum Mathematiker: Wer wagt sich in Trier mit Schwert und Schild in den Sand? Warum der Kampf für viele mehr als nur Sport ist.

Es sind die Gladiatoren von heute. Sie tragen Schwert, Schild, Helm und Turnschuhe - und liefern sich Zweikämpfe im Amphitheater in Trier. Teils geht es heftig zu: Die Kämpfer schwitzen, Staub wirbelt durch die Luft.

Gekämpft wird nach antikem Vorbild an einem antiken Ort: In der einst römischen Arena traten vor rund 2.000 Jahren tatsächlich Gladiatoren bei Kämpfen auf. Jetzt kommt die Nachwuchs-Truppe der Gladiatorenschule Trier jeden Samstag zum Training in das Oval.

«Wir haben mehr als 50 Schüler», sagt Schulleiter Uli Wagner nach der Aufwärmrunde. Die Gruppe ist bunt gemischt. Anfänger und Fortgeschrittene. Leute, die aus Interesse an der Geschichte kämen, andere wegen des «physisch nahen» Kampfsports. «Die Kämpfe sind so unglaublich brutal», sagt der «Lanista» (Gladiatormeister), der im normalen Leben Psychologe ist. 

«Movete!» (Bewegt Euch!) ruft Trainer Sebastian Thomas zur ersten Runde mit dem Holz-Kurzschwert in die Arena. Die Bewegungen sind schnell, Holz schlägt auf Holz. Dann der Ruf «State!» (Bleibt stehen!). Es folgen weitere Übungen mit Schilden bis hin zu kurzen, aber stumpfen Stahlschwertern. 

Thomas, Rechtsanwalt in Koblenz, gibt Tipps, wie die Kämpfer den Gegner am besten zwischen Schild und Helm mit dem Schwert treffen können. Der 30-Jährige ist seit acht Jahren dabei. Bei den Kämpfen könne er gut abschalten. «Man muss irgendwann aufhören zu denken, um schnell genug reagieren zu können.»

Was er an den Kämpfen mag? «Es ist eine super Mischung aus Kampfsport und Geschichte. Und anders als in vielen anderen Kampfsportarten, die schon über Jahrhunderte bestehen, hat man kein festes Regelwerk. Es gibt Platz für ganz viel Kreativität», sagt Thomas, einer von drei Lehrern.

US-Soldat, Softwareentwickler und Mathematiker trainieren

Voller Elan mit dabei ist auch Harvey Brandon. Er ist US-Soldat bei der Air Force in Ramstein in der Pfalz und kommt auch regelmäßig ein-, zweimal pro Monat zum Training nach Trier. Bis auf den Helm hat er seine ganze Ausrüstung selbst gefertigt. «Ich mag Geschichte, ich mag Dinge herstellen und ich kämpfe gerne», sagt der 32-Jährige aus Las Vegas.

Vor rund einem Jahr sei er zufällig auf die Gladiatorenschule gestoßen, als er das Amphitheater besucht habe. «Ich habe die Leute angesprochen, es sah nach Spaß aus.» Ihn begeistere es auch, an einem Ort zu kämpfen, an dem die Römer es früher auch taten. «Ich liebe es einfach.»

Für Kajetan «Leo» Weiß ist der Kampf wie Meditation. «Ich bin dann nur im Hier und Jetzt. Da ist nur der Moment, nur instinktiv», sagt er in Wickelunterhose mit Ledergürtel, Armschutz und Beinschienen. Es sei dann «nur großartig», den Körper zu spüren. «Ich hätte nie gedacht, dass mein Körper so stark ist, es auszuhalten.» 

Franz «Bacchus» Schlöder, der auch mit Speer kämpft, mag, dass der Kampfsport auch Experimentalarchäologie ist. «Es gibt keine Handbücher dazu», sagt der promovierte Mathematiker. Das Amphitheater habe eine besondere Atmosphäre. «Man muss einen gewissen Respekt behalten, hier sind auch wirklich Leute dabei gestorben.»

Tatsächlich haben in der Trierer Arena im dritten Jahrhundert noch römische Gladiatoren (gladius: Kurzschwert) gekämpft. Auch um Leben und Tod. Sie traten zur Unterhaltung des Volks gegeneinander an – und waren damals sehr beliebt.

Nicholas Schneider, gelernter Schreiner, trägt den Kampfnamen «Scorpio» - nach dem Skorpion. «Ich steche mit meiner gebogenen Klinge von oben zu», sagt der Kämpfer aus der Nähe von Koblenz. Er sei im vierten Jahr dabei und habe die «Stahlzulassung»: Er darf mit Stahlschwert in die Arena und sich Gladiator nennen. «Als Kinder haben wir uns früher auch schon mit Stöcken geklopft.»

Verletzungen gehören dazu

Auch wenn die Schwerter stumpf sind - bei den Schlägen und Schnitten kommt es immer wieder zu Verletzungen. Wagner, der die 2011 gegründete Schule seit 2019 leitet, zählt von sich einiges auf: «Drei Mittelhandknochen gebrochen, etliche Rippenbrüche, Kniescheibe raus», sagt er. «Das Schlimmste war eigentlich, dass ich da immer Trainingspause machen musste.»

Größere Gladiatorenschulen gebe es auch in Köln und in Berlin. Aber keine trainiere jede Woche in einer antiken Arena. «Das ist schon toll hier», sagt der 41-Jährige zur alten Römerstadt Trier. 

Er denkt auch schon an die Gladiatoren von morgen. «Wir sind zwar mit über 50 Schülern bundesweit die größte Schule. Mein Ziel sind aber 150 Schüler», sagt er. «Ich will die Tradition langfristig erhalten. Dass, auch wenn die jetzige Generation sich verabschiedet, die Schule und das Wissen erhalten bleiben.»

Welche Eigenschaften sollte man als Schüler mitbringen? «Man muss Spaß haben, an seine Grenzen zu gehen», sagt Wagner. Eine gewisse körperliche Fitness sei notwendig. «Und dann braucht es eine gewisse Form von Wahnsinn, glaub' ich.»

Von Birgit Reichert, dpa
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