Jun: AfD-Wähler wenig beeindruckt von Skandalen
Vorwürfe der Vetternwirtschaft bei der AfD gibt es auch in Rheinland-Pfalz. Wird das der Partei bei der Landtagswahl am 22. März schaden? Was ein Experte dazu sagt.
Vorwürfe der Vetternwirtschaft bei der AfD gibt es auch in Rheinland-Pfalz. Wird das der Partei bei der Landtagswahl am 22. März schaden? Was ein Experte dazu sagt.
Die Vorwürfe der Vetternwirtschaft bei der AfD werden nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Uwe Jun keinen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis der Partei bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz haben. «Wir haben bisher erlebt, dass sich potenzielle AfD-Wählerinnen und Wähler kaum haben beeinflussen lassen von dem, was innerparteilich bei der Partei passiert ist. Und auch von Skandalen sind sie bisher wenig beeindruckt gewesen», sagte Jun der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Ein Grund dafür ist aus Sicht des Politologen aus Trier die Enttäuschung der Wähler über die anderen Parteien.
«Es ist anzunehmen, dass das auch diesmal der Fall sein wird, gleichwohl die AfD ja von sich sagt, sie sei anders als die anderen Parteien», sagte Jun. «Jetzt sieht man, dass sie eigene Vorteile für sich nutzt, was sie ja an anderen Parteien kritisiert.»
Es sehe bei keiner Partei gut aus, wenn die eigene Verwandtschaft primär in den Genuss von öffentlichen Geldern komme, stellte der Wissenschaftler fest. «Auch wenn es legal ist, so bleibt eben ein bisschen ein Geschmäckle.»
Lohrs Mutter, Schwester und Stiefvater arbeiten bei der AfD
Nicht nur die Mutter, sondern auch die Schwester und der Stiefvater des rheinland-pfälzischen AfD-Fraktionsgeschäftsführers Damian Lohr arbeiten im Umfeld der Partei. Die Familienbande reichen über den Rhein.
So ist Lohrs Schwester Assistentin des hessischen AfD-Fraktionschefs Robert Lambrou. Lohrs Stiefvater arbeitet seit Januar 2022 für die AfD-Stadtfraktion im Wiesbadener Rathaus. Zunächst sei er als politischer Referent tätig gewesen, inzwischen als Büroleiter. Lohrs Mutter ist seit zehn Jahren bei der AfD-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz beschäftigt, wie zudem kürzlich bekanntgeworden war. Bundesweit ziehen Vorwürfe von Vetternwirtschaft in der AfD immer weitere Kreise.
«Hervorragende Arbeitsleistung»
Hessens AfD-Fraktionschef Lambrou teilte der dpa zur Schwester des rheinland-pfälzischen AfD-Fraktionsgeschäftsführers Lohr mit: «Sie arbeitet seit sieben Jahren für die Fraktion und zeichnet sich durch eine hervorragende Arbeitsleistung aus. Eingestellt wurde sie ausschließlich aufgrund ihrer Fachkompetenz.»
In der hessischen AfD-Landtagsfraktion sind laut Lambrou davon abgesehen «keine Verwandten von Abgeordneten angestellt. Bei überzeugender Fachkompetenz schließen wir eine solche Anstellung jedoch nicht grundsätzlich aus – sie ist rechtlich zulässig.» Es gebe bei der hessischen AfD-Landtagsfraktion keine Über-Kreuz-Anstellungen. «Verwandte von mir sind in keiner Form bei der AfD beschäftigt und waren es auch nie», betonte Lambrou.
Er ergänzte: «Explizite Regelungen zur Anstellung von Verwandten bei der hessischen AfD-Landtagsfraktion gibt es nicht.» Die Anstellung von Mitarbeitern der Abgeordneten sei ausdrücklich im hessischen Abgeordnetengesetz geregelt.
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