Bald wehen wieder die roten Fahnen der IG Metall. (Archivbild)
Martin Schutt/dpa
Bald wehen wieder die roten Fahnen der IG Metall. (Archivbild)
Industrie in der Krise

IG Metall Mitte macht sich für harte Tarifrunde bereit

Die IG Metall Mitte sieht den industriellen Kern Deutschlands in einer tiefen Krise. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen werde sich der Widerstand der Belegschaften zeigen.

Die IG Metall erwartet eine harte Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie im kommenden Herbst. «Die Beschäftigten fühlen sich in die Zange genommen von Politik und Arbeitgebern», sagt der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger. «Während die Politik verschiedene Maßnahmen zum Sozialabbau diskutiert, überbieten sich Unternehmer und Konzernmanager in Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit und Lohnverzicht.» 

Mit Blick auf den forcierten Stellenabbau in der Autoindustrie und anderen Sparten sowie fehlende Investitionspläne für deutsche Standorte sagt der Bezirkschef: «Die Industrie befindet sich in der schärfsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Dabei geht es nicht um konjunkturelle Entwicklungen, sondern um die Struktur der Industriegesellschaft.» 

Existenzielle Fragen für die Beschäftigten 

Die Beschäftigten werden sich die Entwicklungen nicht tatenlos anschauen, kündigt der Gewerkschafter an. «Es geht für unsere Leute um existenzielle Fragen. Ich erwarte eine sehr kämpferische Tarifbewegung, bei der ausdrücklich keine Arbeitskampfmaßnahme ausgeschlossen ist.» 

Die Situation sei in den meisten Betrieben sehr angespannt: «Mit Ausnahme der wenigen Rüstungsbetriebe steht die Metall- und Elektroindustrie unter Druck. Dem Maschinenbau geht es dabei noch etwas besser als der Automobilindustrie und ihren Zulieferern.» Es sei klar, dass gute tarifliche Bedingungen nur mit einem starken Engagement der Belegschaften erreicht werden können. 

Natürlich gehe es den Menschen um die Sicherung der Standorte und ihrer Arbeitsplätze. Die Arbeitgeber müssten auf einen verlässlichen Kurs zurückkehren. «Die Unternehmen haben die Krise selbst mit verursacht durch falsche Strategie sowie arrogante Fehleinschätzungen des Marktes und der Konkurrenz. Jetzt fällt ihnen als einziges ein, dass die Kosten sinken müssen. Die Unternehmen waren erst planlos, jetzt sind sie schamlos.» 

Forderung kommt im September 

Die IG Metall verhandelt ab Oktober für rund 3,7 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie die Entgelt-Tarifverträge. Bei den regional geführten Verhandlungen ist der Bezirk Mitte für rund 360.000 Beschäftigte in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie rund 28.000 Metallerinnen und Metaller in Thüringen zuständig. Ein bundesweiter Aktionstag zur Situation in der Automobilindustrie ist bereits für den 21. September geplant. 

Eine Forderung will Deutschlands mächtigste Gewerkschaft im September festlegen. Dazu ist ein komplexes Wechselspiel zwischen Gewerkschaftsvorstand, den Tarifkommissionen der Bezirke und den Beschäftigten etabliert. Eine Nullrunde werde es in diesem Jahr nicht geben, kündigt Köhlinger an: «Natürlich werden wir höhere Entgelte fordern. Dafür haben wir die Tarifverträge ja gekündigt.» Warnstreiks sind ab November möglich. 

Köhlinger kritisiert wiederholte Forderungen von Unternehmern und Konzernmanagern wie Mercedes-Chef Ola Källenius nach verlängerten Arbeitszeiten und abgesenkten Sozialkosten. «Wenn das alles ernst gemeint ist, müssten die Arbeitgeber eigentlich den Manteltarifvertrag aufkündigen. Dann bekommen wir aber eine noch sehr viel härtere Auseinandersetzung.»

© dpa-infocom, dpa:260824-930-573079/1
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