Schnieder bringt zu Haustürgesprächen Zeit und Gummibärchen mit (Archivbild)
Harald Tittel/dpa
Schnieder bringt zu Haustürgesprächen Zeit und Gummibärchen mit (Archivbild)
Haustürwahlkampf der CDU

Gummibärchen und neue Schuhe - Schnieder klingelt an Türen

Haustürbesuche, Wechselstimmung und neue Schuhe: Wie Schnieder im blauen Anzug durchs Land zieht, worüber er spricht – und welche Rolle Gummibärchen spielen.

CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder macht im Wahlkampf gerade eine neue Erfahrung: Immer mehr Menschen kennen ihn. «Es ist enorm, was passiert, seitdem die Plakate hängen», sagt der 50-Jährige in Rittersdorf im Eifelkreis Bitburg-Prüm. In Frankenthal, wo er gerade gewesen sei, habe es niemanden gegeben, der nicht wusste, wer er war. «Und in Mainz werde ich angehupt und es ruft einer.»

Er stelle fest: «Wenn sich der Wahlkampf zuspitzt und die Plakate hängen, dann hat man plötzlich eine ganz andere Wahrnehmung.» Er spüre, dass er bekannter werde. «Das geht dann rapide.» Lange Zeit galt Schnieder, der seit Herbst 2024 die CDU Rheinland-Pfalz führt, bei der Bevölkerung eher als Unbekannter. Noch sind es rund zwei Wochen bis zur Landtagswahl am 22. März. 

Gummibärchen und Themen querbeet

Gut gelaunt trifft der Finanzwirt zum Haustürwahlkampf im Eifelort ein. Dort will er mit dem CDU-Direktkandidaten im Wahlkreis, Michael Ludwig, noch ein bisschen mehr an seiner Bekanntheit arbeiten. Bei Sonnenschein und milden Temperaturen geht es von Haustür zu Haustür. Heute sind die meisten Gespräche kurz.

Nach einem kurzen «Hallo» und «Guten Tag» greift Schnieder in eine Stofftasche und verteilt unter anderem Gummibärchen-Tütchen, auf denen ein Foto von ihm zu sehen ist. In der Fastenzeit verzichte er auf Gummibärchen. «Da kann ich sie jetzt auch verschenken», sagt er lachend.

Man rede an der Haustür mit den Leuten, über das, worüber sie gerade sprechen wollen, sagt Schnieder. «Das ist querbeet alles. Ich habe genauso schon über Frauengesundheit an der Tür gesprochen wie über Bildung und andere normale Dinge», sagt er in seinem blauen Anzug und weißem Hemd. 

«Es gibt wieder eine Bereitschaft, dass wir miteinander sprechen»

Sein bisher schönstes Erlebnis habe er in Neustadt gehabt. Da habe eine ältere Dame geöffnet und ihn hereingebeten zu einer Tasse Kaffee - und zum Reden. Sie habe einen schwer dementen Ehemann und eine kleine Pause machen wollen - da habe sein Besuch gut gepasst.

Es gebe vereinzelt auch Leute, die die Tür zumachten. Oder an anderen Türen öffne niemand, warum auch immer. «Insgesamt merke ich aber eine bessere Stimmung und Laune. Es gibt wieder eine Bereitschaft, dass wir miteinander sprechen. Nicht nur an der Haustür, sondern auch am Stand oder sonstwo, wo wir unterwegs sind.»

In Rittersdorf bleibt es bei kurzen Besuchen vor der Tür. Man stellt sich vor, macht sich bekannt - und lässt neben kleinen Werbegeschenken auch einen Flyer mit Infos da. «Ich dränge mich nicht auf», sagt Schnieder. «Wer uns was sagen will, der tut es.» Für ihn stehe im Vordergrund: «Ich komme zu Besuch.»

Auch andere Parteien machen Wahlkampf an Haustüren

Eine Sprecherin der Partei sagt, Schnieder nutze den Haustürwahlkampf vor allem, um sich auch bekannt zu machen. «Damit die Leute sein Gesicht sehen und wissen: "Ah, der vom Wahlplakat, das ist er hier".»

Seit fast zwei Jahren sei der gebürtige Eifeler aus Birresborn in der Vulkaneifel im ganzen Land unterwegs. 2025 habe er über 85.000 Kilometer in Rheinland-Pfalz zurückgelegt, dieses Jahr seien es bereits mehr als 20.000 Kilometer. Bis zur Wahl werde er in diesem Jahr mehr als 300 Termine in allen Regionen des Landes absolviert haben, hieß es von der CDU.

Die CDU sagt, ihre Wahlkämpfer hätten beim Haustürwahlkampf schon rund 100.000 Haushalte besucht. Die SPD hat ihr Ziel von 100.000 Haustüren nach eigenen Angaben bereits Anfang März geknackt und will bis zum Wahltag jetzt an 125.000 Türen geklingelt haben.

Andere Parteien setzen ebenfalls auf den direkten Kontakt mit Wählerinnen und Wählern. Die Linke etwa, die sich Hoffnungen macht, erstmals in den Landtag in Mainz einzuziehen, hat sich vorgenommen, an 40.000 Wohnungen zu klopfen.

Schnieder: «Ich spüre eine Wechselstimmung» 

 Die CDU hofft, die Mainzer Staatskanzlei nach Jahrzehnten in SPD-Hand zurückzugewinnen. Die Sozialdemokraten regieren das Land seit 1991. Schnieder sagt, er wolle Ministerpräsident werden - und Parteikollege Ludwig stellt ihn schon als künftigen neuen MP im Land vor. Rund 2,95 Millionen Bürger sind zur Wahl des neuen Landtags aufgerufen.

«Ich spüre eine Wechselstimmung», sagt Schnieder. «Und vor allem spüre ich eine gute Stimmung der CDU gegenüber. Das ist das, was ich seit Jahren so wirklich nicht gekannt habe. Das tragen wir bis zum Ende durch», gibt er sich kämpferisch im Schatten der Burg von Rittersdorf. 

Seinen Lederschuhen merke man es an. «Da sind die Sohlen schneller durch», sagt er. Gerade habe seine Frau wieder ein neues Paar bestellt, das Paket sei unterwegs. «Die nächsten Schwarzen, die müssten jetzt kommen», sagt er - und lacht, als er merkt, dass seine Worte auch politisch passen.

Von Birgit Reichert (Text) und Harald Tittel (Foto), dpa
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