Das Hochwasser im Juli 2021 kostete mehr als 180 Menschenleben. (Archivbild)
Boris Roessler/dpa
Das Hochwasser im Juli 2021 kostete mehr als 180 Menschenleben. (Archivbild)
Katastrophales Hochwasser

Fünf Fakten zum fünften Jahrestag der Ahrtal-Flut

Fünf Jahre nach der Flut, die im Sommer 2021 viele Todesopfer im Westen Deutschlands forderte, gibt es Fortschritte beim Wiederaufbau und Katastrophenschutz. Doch es gibt auch noch Wunden und Lücken.

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist nach fünf Jahren immer noch präsent. Nach Starkregen kam es in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 zu einer verheerenden Sturzflut. Dabei starben 136 Menschen in Rheinland-Pfalz, 49 in Nordrhein-Westfalen. Als die Flut kam, riss sie Autos, Häuser und Leben mit sich. Es folgte für viele Menschen eine harte Zeit voll Trauer, Frust und erzwungenen Neuanfängen.

Wie geht es den Menschen fünf Jahre später? Wie steht es um Katastrophenschutz und Sicherheit? Und wie läuft die Heilung der teils zerstörten Flutregionen? Ein Überblick. 

Viele Menschen kämpfen nach der Katastrophe noch mit psychischen Folgen.

Noch immer haben einige Menschen aus den Hochwasser-Gebieten mit den psychischen Folgen zu kämpfen. «Die Anrufe sind natürlich weniger geworden, aber der Bedarf ist noch da», sagt Michael Mönks vom Netzwerk psychosoziale Hilfe Bad Münstereifel. «Viele Menschen waren erstmal mit dem Wiederaufbau beschäftigt und haben ihre Emotionen verdrängt – doch die kommen dann auf einmal hoch.» Häufig sei ein bestimmter Anlass wie der Jahrestag der Auslöser.

Deutschland hat den Katastrophenschutz nach der Flut angepasst.

Nachdem die Flut schonungslos offengelegt hat, was beim Katastrophenschutz schlecht läuft, wurden verschiedene Programme aufgelegt, um technische Mittel und den Ausbildungsstand der lokal Verantwortlichen zu verbessern. Auch der Bund, der für den Schutz der Zivilbevölkerung im Verteidigungsfall die Verantwortung trägt, jedoch nicht für den Katastrophenschutz, trug dazu bei. 

Wenige Wochen nach der Katastrophe legte der damalige Bundesinnenminister, Horst Seehofer (CSU), ein Sirenen-Förderprogramm auf. Damit wollte der Bund den Ländern helfen, ihre Warn-Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Denn vielerorts in Deutschland gab es damals gar keine, zu wenige oder nur veraltete Sirenen, um die Bevölkerung, wenn es schnell gehen muss, zu warnen. 

Um den sogenannten Warnmittel-Mix insgesamt zu verbessern, kam Cell Broadcast als weiterer Übertragungsweg hinzu. Damit können Warnmeldungen direkt an alle Mobiltelefone gesendet werden, die zu einem Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet im Netz sind. 

Ziel ist nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) «ein Warnmix, der Menschen auch dann erreicht, wenn einzelne Kommunikationswege ausfallen». 

Der Hochwasserschutz im Ahrtal ist aktuell nicht ausreichend, um eine Flut wie 2021 größtenteils schadlos zu überstehen. 

Ein zentraler Teil des Hochwasserrisikomanagements ist dem Kreis Ahrweiler zufolge die Gewässerwiederherstellung. Ziel dabei ist es, ein statistisches Jahrhundert-Hochwasser möglichst schadlos durch die Ortschaften zu führen oder vorbeizuleiten.

In besonders engen Tallagen wie Altenahr sei dies topographisch nicht möglich, dort werde sich nur auf ein 20-jährliches Hochwasser vorbereitet. «Wir wissen aber, für extreme Ereignisse brauchen wir mehr Schutz», sagte die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand. «Wir kämpfen für große Rückhaltebecken.» 

Das Land NRW hat seit 2021 rund 490 Millionen Euro für Hochwasserschutzprojekte bereitgestellt. Damit werden nach Angaben des Umweltministeriums etwa die Sanierung von Deichen und der Bau von Rückhaltebecken gefördert. Vorhersagesysteme und Meldeketten wurden laut Ministerium grundlegend modernisiert, vor allem an kleineren Flüssen wurden zusätzliche Pegel installiert. 

Eine Elementarschadenversicherung ist bisher nicht Pflicht, könnte es aber werden. 

Da nur ein Teil der massiven Schäden an Gebäuden damals durch Versicherungspolicen abgedeckt war, strebt die Bundesregierung hier eine Reform an. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD heißt es: «Wir führen ein, dass im Neugeschäft die Wohngebäudeversicherung nur noch mit Elementarschadenabsicherung angeboten wird, und im Bestandsgeschäft sämtliche Wohngebäudeversicherungen zu einem Stichtag um eine Elementarschadenversicherung erweitert werden.» 

Dabei soll geprüft werden, ob dieses Modell mit einer Opt-Out-Lösung zu versehen ist. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will demnächst Eckpunkte für die geplanten Änderungen vorstellen. 

«Nach der jahrelangen Untätigkeit der Ampel liegt es nun an dieser Regierung, zu liefern», sagt Unionsvize Günter Krings. Er setze daher auf einen baldigen Entwurf aus dem Justizministerium. Eine starre Pflicht lehnt der CDU-Politiker ab. Er sagt, wer den Schutz, den eine solche Versicherung bietet, auch nach einer klaren Belehrung nicht wolle, solle bewusst darauf verzichten können. 

Es dürfe jedoch auch niemand so tun, als ersetze eine Police die Vorsorge, sondern «wer weiterhin neue Baugebiete in Überschwemmungsgebiete legt, muss dafür auch geradestehen». Für ihn gehörten deshalb schärfere Vorgaben bei der Bauleitplanung und eine Konkretisierung der Staatshaftung zwingend dazu. 

Der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen. 

Die Infrastruktur einer ganzen Region wurde zerstört - zehntausende Häuser weggerissen, Schulen beschädigt, Brücken zerstört, Straßen überspült. Auch fünf Jahre nach der Flutkatastrophe ist der Wiederaufbau im Ahrtal in vielen Bereichen noch nicht abgeschlossen. Von rund 30 schwerbeschädigten oder zerstörten Brücken im klassifizierten Straßennetz wurden 14 wiederhergestellt, weitere neun werden aktuell geplant oder gebaut, wie das Mainzer Bauministerium informiert. 

Von 17 betroffenen Schulen sind zwei fertig aufgebaut, zwölf werden saniert und für drei sind Ersatzneubauten vorgesehen. Die Deutsche Bahn hat den Wiederaufbau der von der Flut betroffenen Bahnstrecken nach eigenen Angaben abgeschlossen - alle Bahnen fahren wieder. Auch bei Kirchen, Krankenhäusern und der kommunalen Infrastruktur laufen zahlreiche Wiederaufbauprojekte weiter. 

In NRW wurden nach Angaben des Bauministeriums für Kommunen, Unternehmen und Privathaushalte insgesamt rund 4,7 Milliarden Euro für den Wiederaufbau bewilligt. Bis zum Ende der Antragsfrist am 30. Juni seien mehr als 29.000 Anträge von Privatleuten eingegangen und rund 900 Millionen Euro genehmigt worden. Etwa 80 Prozent der privaten Gebäudesanierungen seien bereits abgeschlossen. 

Für den Aufbau der kommunalen Infrastruktur wurden über 3 Milliarden Euro beantragt und bewilligt. «Von den ursprünglich 181 Kommunen, die Schäden gemeldet hatten, werden rund 50 Prozent im kommenden Jahr ihren Wiederaufbau abgeschlossen haben», sagte Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU). Die Arbeiten seien oft sehr komplex, weil ganze Straßensysteme mitsamt Entwässerung neu angelegt werden müssten.

Von Alina Grünky, Petra Albers und Anne-Beatrice Clasmann, dpa
© dpa-infocom, dpa:260708-930-350424/1
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

CYNDI LAUPER mit TIME AFTER TIME

RPR1. – der beste Musikmix für Rheinland-Pfalz

RPR1. – der beste Musikmix für Rheinland-Pfalz


Es läuft:
CYNDI LAUPER mit TIME AFTER TIME