Im eng besiedelten Rhein-Main-Gebiet gibt es Streit um Fluglärm.
Arne Dedert/dpa
Im eng besiedelten Rhein-Main-Gebiet gibt es Streit um Fluglärm.
Fluglärm

Flughafen Frankfurt plant mehr Starts Richtung Taunus

Der Frankfurter Flughafen plant mehr Starts Richtung Nordwesten – trotz Kritik. Welche Entlastungen es gibt und warum frühe Starts dort künftig tabu sein sollen.

Anwohner im Nordwesten des Frankfurter Flughafens müssen sich auf zusätzlichen Fluglärm einstellen. In einigen Orten südlich des größten deutschen Flughafens soll es hingegen leiser werden. Die Betreibergesellschaft Fraport und die Deutsche Flugsicherung haben ihr neues Betriebskonzept mit zusätzlichen Abflügen in Richtung Taunus überarbeitet und der regionalen Fluglärmkommission vorgestellt, in der die Anrainerkommunen vertreten sind. 

Das Konzept sieht vor, Abflüge von der Center-Bahn häufiger als bislang in Richtung Taunus zu leiten. Die Änderungen betreffen Abflüge bei Flugbetrieb in Richtung West, in die vom Frankfurter Flughafen an 67 Prozent der Tage geflogen wird. Neue Flugrouten werden nicht eingerichtet. 

Das Ergebnis ist laut dem hessischen Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) konform zum Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des Flughafens, in dem rechtsverbindlich auch Regelungen zum Thema Fluglärm festgeschrieben wurden. 

Minister: Verbindlicher Lärmschutz nötig

Nötig sei verbindlicher Lärmschutz für die Menschen in der Region, fügte der Minister hinzu. Das bisherige Betriebskonzept gelte mindestens bis zum Jahr 2028.

Hintergrund der Neuauflage ist ein prognostizierter Anstieg der Flugbewegungen: Bis zum Jahr 2033 werden in Frankfurt 560.000 Starts und Landungen erwartet. Im vergangenen Jahr waren es rund 460.000. In der Planfeststellung war man noch von bis zu 701.000 ausgegangen. 

Doppelbelastung in manchen Orten

Zusätzliche Lärmbelastungen werden vor allem in den Orten Flörsheim und Eddersheim (Main-Taunus-Kreis) erwartet, die bereits bei Landungen in die Betriebsrichtung Ost belastet sind. Als die ursprünglichen Pläne vorgestellt wurden, hatte es an dieser Doppelbelastung besonders starke Kritik gegeben. 

In der Überarbeitung sind einige Entlastungen für den Nordwesten enthalten. So sollen dort Starts vor 6.00 Uhr verboten sein und bis 7.00 Uhr nach Möglichkeit vermieden werden. Hauptabflugroute bleibe die Südumgehung, die wann immer möglich genutzt werden müsse. 

Zudem soll es Anreize für den Einsatz leiserer Flugzeuge und zusätzliche Mittel für den Lärmschutz geben, etwa neue Fenster. Dafür werde ein neues freiwilliges Schallschutzgebiet ausgewiesen. 

Andernorts werde es nach dem neuen Konzept leiser, teilt das Wirtschafts- und Verkehrsministerium mit: in Rüsselsheim und Nauheim (Landkreis Groß-Gerau).

Bewertung der Anrainerkommunen im Juni

Die Fluglärmkommission will über das neue Betriebskonzept am 10. Juni beraten und es bewerten. Die Kommission fordert unter anderem, dass nur so viele Nordwestabflüge wie betrieblich unbedingt notwendig geflogen werden sollen. Zudem solle es eine Lärmpause in dem Bereich bis 8 Uhr und ein engmaschiges Monitoring der Vorgaben geben.

Etwaige Forderungen der Fluglärmkommission nach der Sitzung am 10. Juni würden dann geprüft, erklärte die Fluglärmschutzbeauftragte im Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Regine Barth. Danach stehen noch Überprüfungen durch die Deutsche Flugsicherung und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung an.

© dpa-infocom, dpa:260506-930-43553/1
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