Die Ernte 2026 fällt in Rheinland-Pfalz insgesamt besser aus, als es die ungewöhnlich trockene und heiße Witterung zunächst erwarten ließ. (Archivbild)
Thomas Frey/dpa
Die Ernte 2026 fällt in Rheinland-Pfalz insgesamt besser aus, als es die ungewöhnlich trockene und heiße Witterung zunächst erwarten ließ. (Archivbild)
Bilanz Landwirtschaft 2026

Ernte mit zwei Gesichtern - «Gute Erträge, niedrige Preise»

Das Ergebnis fällt vielerorts gut aus, doch wirtschaftlich wächst der Druck. Was die Bauernpräsidenten des Bundeslandes jetzt fordern.

Trotz eines ungewöhnlich heißen und trockenen Jahres fällt die aktuelle Ernte in Rheinland-Pfalz besser aus als zunächst befürchtet. Vor allem Wintergerste, Winterweizen und Raps erzielten gute bis sehr gute Erträge. Das sagten der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Marco Weber, und der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, in der ersten gemeinsamen Erntepressekonferenz in Badem (Eifelkreis Bitburg-Prüm).

Gleichzeitig gerieten Betriebe unter Druck: Niedrige Erzeugerpreise stünden deutlich gestiegene Kosten für Treibstoff, Dünger und Arbeit gegenüber.

Der Hauptgeschäftsführer beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Dirk Gerling, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es gebe aufgrund des Nord-Süd-Gefälles im Flächenland Rheinland-Pfalz aber durchaus große regionale Unterschiede in den Erträgen. «Insgesamt wird die Lage als angespannt bewertet», betonte Gerling.

Das Frühjahr sei mit durchschnittlich 10,8 Grad rund 2,7 Grad wärmer als im langjährigen Mittel gewesen, hieß es. Seit Februar blieb der Niederschlag in jedem Monat demnach unterdurchschnittlich. Hitze und Trockenheit beschleunigten den Reifeprozess. Das habe die Erfassung durch den Landhandel erschwert und mit niedrigen Erzeugerpreisen teilweise zu Hoflagerungen geführt.

Nischenprodukt Roggen

Besonders erfreulich zeigte sich die Wintergerste - sie konnte von der Winterfeuchte profitieren. Dem guten Ertrag stünden jedoch schwache Preise gegenüber, hieß es. Beim Winterweizen, mit rund 106.000 Hektar die wichtigste Marktfrucht des Landes, falle die Bilanz überwiegend positiv aus: Je nach Region würden sieben bis zehn Tonnen je Hektar erwartet. Roggen hingegen werde bei Preisen um 150 Euro je Tonne zunehmend zum Nischenprodukt.

Sehr erfreulich entwickele sich der Raps. Die Anbaufläche sei um sieben Prozent auf rund 46.000 Hektar gestiegen. Die trockene Witterung hielt demnach Unkräuter, Pilzkrankheiten und Schädlinge weitgehend zurück. Sorge bereite dagegen der Mais. Seine Entwicklung sei regional extrem unterschiedlich. Auch Kartoffeln litten unter der Hitze. Im Weinbau seien die Reben weit entwickelt, im Obstbau ergebe sich ein gemischtes Bild.

Zwiespältige Bilanz

Weber und Hartelt zogen eine zwiespältige Bilanz. Auf vielen Flächen stimmten Erträge und Qualitäten, doch die wirtschaftliche Lage bleibe angespannt, sagten die beiden Verbandspräsidenten. «Gute Erträge treffen auf niedrige Preise.» Stark gestiegene Betriebsmittel- und Lohnkosten stünden Erzeugerpreise gegenüber, die zum Teil auf dem Niveau von 2020 lägen. Notwendig seien faire Wettbewerbsbedingungen, verlässliche politische Rahmenbedingungen - und eine stärkere Marktposition heimischer Betriebe.

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