Acht Meter unter Zweibrücken befindet sich eine riesige unterirdische Welt. (Archivbild)
Oliver Dietze/dpa
Acht Meter unter Zweibrücken befindet sich eine riesige unterirdische Welt. (Archivbild)
Rätselhafte Unterwelt

Ein «verborgenes Juwel» wird vermessen

Im Südwesten von Rheinland-Pfalz klafft ein riesiges, lange Zeit vergessenes Labyrinth. Zweibrücken lässt die spektakuläre Anlage derzeit untersuchen - und hofft auf wichtige Erkenntnisse.

Im imposanten Himmelsbergstollen unter der Stadt Zweibrücken laufen die Untersuchungen zur Sicherung der historischen Anlage. Anfang des Jahres seien dort 3D-Messungen vorgenommen worden, teilte die pfälzische Stadt mit. Ziel sei es, die weit verzweigte unterirdische Struktur zu erfassen und eine Grundlage für mögliche Sicherungsmaßnahmen zu schaffen.

«Aktuell liegen lediglich erste Vorergebnisse vor», sagte Stadtsprecher Jens John auf Anfrage. Diese würden derzeit von einem Vermessungsbüro in enger Abstimmung mit dem Hohlraumforscher Bernhard Häck vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ausgewertet und konkretisiert.

Ein Unikat

Nach Angaben der Stadt sollen die noch ausstehenden Vermessungsarbeiten im Laufe des Sommers abgeschlossen werden. Die darauf aufbauende Auswertung werde voraussichtlich im Herbst vorliegen. Erst danach könne über das weitere Vorgehen und mögliche Maßnahmen entschieden werden.

Der Himmelsbergstollen gilt als kulturhistorisch bedeutende Anlage. Nach einer früheren Einschätzung des Experten Häck handelt es sich um einen mittelalterlichen unterirdischen Steinbruch mit mehreren Ebenen und Dutzenden Schächten. Die gigantische Anlage sei ein Unikat.

Rettung in der Bombennacht

Mehr als 40 Räume wurden bislang gezählt, einige davon bis zu zehn Meter hoch. Sichtbare Bearbeitungsspuren im Sandstein zeugen vom jahrhundertealten Abbau des begehrten Burgsandsteins. Wer die Anlage ursprünglich schuf, ist unklar.

Im Zweiten Weltkrieg diente der Stollen als Luftschutzraum. Nach Angaben der Stadt überlebten dort während der Bombennacht vom 14. März 1945 auch Teile der Verwaltung und eine Notklinik. Danach geriet der Stollen in Vergessenheit.

Möglicherweise der Öffentlichkeit zugänglich

Heute ist die Anlage aus Sicherheitsgründen gesperrt. Zugleich gibt es Überlegungen, den unterirdischen Komplex langfristig zu sichern und möglicherweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) bezeichnete den Himmelsbergstollen einst als «verborgenes Juwel» der Stadtgeschichte.

Neben seiner historischen Bedeutung ist der Stollen auch Lebensraum geschützter Tiere wie Fledermäuse und Bergmolche. Die besondere Akustik und die weitläufigen Gänge nährten in der Vergangenheit zudem Ideen für kulturelle Nutzungen - etwa Konzerte oder Veranstaltungen unter Tage.

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