Manchmal muss das eine gezeigt werden, um das andere zu verstehen: Mit einem gar nicht so alten Ausstellungsstück erklärt das Mainzer Gutenberg-Museum künftig, wie revolutionär die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern von Johannes Gutenberg war.
Ein Drucker hat im Auftrag des Museums einen mehr als 500 Jahre alten aus einem Holzbock gearbeiteten Druckstock originalgetreu nachgeschnitten - von einer Seite der sogenannten Armenbibel Biblia Pauperum aus dem 15. Jahrhundert.
Mit dem sehr filigran geschnittenen Druckstock aus Kirschbaumholz kann Besuchern noch anschaulicher erklärt werden, wie aufwendig und mühselig der Blockdruck war. Das war eine Technik, die im 15. Jahrhundert mit der deutlich effizienteren Methode von Gutenberg (um 1400 bis 1468) konkurrierte, sich aber gegen diese letztlich nicht durchsetzte.
Viele Stunden an Präzisionsarbeit
Entstehen ließ den Nachschnitt der aus Portugal stammende und in Dänemark lebende Jorge Larguito in mehr als 100-stündiger Präzisionsarbeit. Es sei die bislang komplexeste Arbeit für ihn gewesen, sagte der gelernte Grafik-Designer, der für das Marketing eines Museums in Dänemark verantwortlich ist und den Nachschnitt in seiner Freizeit gestochen hat. Das sei seine wahre Leidenschaft, sagte er. Auf ihn aufmerksam wurde das Museum über Instagram, wie Direktor Ulf Sölter erzählte.
Die Biblia Pauperum ist zwischen 1460 und 1464 entstanden und damit etwas später als die in der Schatzkammer des Museums zu sehende Gutenberg-Bibel von 1454. Das Museum hatte die Armenbibel vor rund zwei Jahren aus dem Schweizer Kunsthandel für knapp zwei Millionen Euro erworben.
Auf den etwa 27 mal 20 Zentimeter großen rund 40 Seiten sind Illustrationen neben Texten zu sehen mit Szenen aus dem Leben Christi, flankiert mit Szenen aus dem Alten Testament. Das Buch ist nicht - wie der Name Biblia Pauperum nahelegen würde - für Arme gedacht gewesen, sondern ein textarmes Buch.
Gedruckt wird mit dem Nachschnitt nicht
Blockbücher wie diese verschwanden im 16. Jahrhundert wieder, weil die dahinter stehende Technik recht zeitaufwendig war, keine Korrekturen erlaubte und Buchseiten sich teils nur von einer Seite bedrucken ließen. Gutenbergs Technik mit beweglichen Lettern bot ungleich größere Flexibilität, völlig neue Möglichkeiten der Vervielfältigung und damit der Wissensverbreitung.
Mit dem Nachschnitt von Larguito soll nicht gedruckt werden: Tinte würde den Druckstock dunkler werden lassen, dann wären auch faszinierend filigrane Linien und Bilder für Besucherinnen und Besucher nicht mehr so gut zu erkennen.
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