Am 22. März wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. (Archivbild)
Michael Brandt/dpa
Am 22. März wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. (Archivbild)
Köpfe im Wahlkampf

Die Spitzenkandidaten bei der Landtagwahl in Rheinland-Pfalz

Menschen machen Politik. Nicht nur Inhalte, sondern vor allem auch Personen bestimmen die Wahlentscheidung. Wer wird als sympathisch und kompetent wahrgenommen?

Um welche Köpfe geht es bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz? Am 22. März haben die Bürgerinnen und Bürger die Wahl.

SPD

Ministerpräsident Alexander Schweitzer tritt für die Sozialdemokraten an. Der 52-Jährige stellt sich erstmals dem Votum der Wählerinnen und Wähler in Rheinland-Pfalz. Den Posten als Regierungschef übernahm der 2,06-Meter-Mann in der laufenden Legislaturperiode Mitte 2024 von Malu Dreyer (SPD). Schweitzer reist rastlos durch Rheinland-Pfalz, um sich und seine politischen Ziele bekannt zu machen. 

Der große Fan der Britpop-Band Oasis verbrachte die ersten sechs Jahre seines Lebens mit seiner Familie auf einem Binnenschiff. Schweitzer hat drei Kinder, spielte in der Jugend Basketball und lebt seit rund zehn Jahren vegan. Privat ist der Sozialdemokrat in Bad Bergzabern verwurzelt. Politisch bringt sich der stellvertretende SPD-Bundeschef oft und gerne in Berlin mit einer klaren Meinung ins Spiel.

CDU

Gordon Schnieder führt die CDU als Partei- und Fraktionschef. Der 50-Jährige ist nach dem Machtkampf bei den Christdemokraten nach der Wahlniederlage vor vier Jahren als Sieger hervorgegangen. Es ist sein erster Wahlkampf als Spitzenkandidat. Beim Wandern bekommt der dreifache Vater den Kopf frei. Schnieder lebt mit mehreren Generationen unter einem Dach auf dem Dorf in Birresborn in der Eifel.

Politik ist bei den Schnieders Familiensache: Sein älterer Bruder Patrick ist Bundesverkehrsminister in Berlin. In die Bundeshauptstadt zieht es Gordon, der fast genauso viele Zentimeter an Körperlänge misst wie der amtierende Schweitzer, nicht so sehr. Schnieder, der gerne deftig und Fleisch isst, sieht sich als Rheinland-Pfälzer und nicht als Bundes- oder Europapolitiker. Beim Rosenmontagszug in Mainz machte er als Ehrenoffizier der Ranzengarde mit.

AfD

AfD-Spitzenkandidat Jan Bollinger wurde in Koblenz geboren und ist in Neuwied aufgewachsen. Im Urlaub reist der 48-Jährige gerne an Nord- und Ostsee. Bollinger hat Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitete einige Jahre als Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe. 

Bollinger trat im Jahr 2013 in die AfD ein. Seit 2016 sitzt er für die Alternative für Deutschland im rheinland-pfälzischen Parlament. Nach einem parteiinternen Machtkampf übernahm Bollinger 2022 erst den Landesvorsitz von Michael Frisch und im Anschluss auch noch den Vorsitz der Landtagsfraktion.

Grüne

Katrin Eder wollte eigentlich nach dem Abitur Meeresbiologie in Kiel studieren. In ihrer Geburtsstadt Mainz wurde es dann ein Studium der Politik, Soziologie und des öffentlichen Rechts. Ihre ersten politischen Erfahrungen sammelte Eder im Mainzer Stadtrat in der Sozialpolitik. Als Verkehrs- und Umweltdezernentin war die 49-Jährige rund zehn Jahre in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt im Einsatz. 

Die amtierende Klimaschutz- und Umweltministerin bezeichnet sich selbst als hartnäckige Kämpferin und ehrlichen Typ. «Deshalb polarisiere ich auch.» Eder ist Mutter von zwei kleinen Kindern und leidenschaftliches Mitglied von Fußball-Bundesligist Mainz 05. 

Linke

Rebecca Ruppert hat in den Niederlanden und Österreich studiert, für die Landesregierung absolvierte sie ein Praktikum in Brüssel. Danach entschloss sich die 37-Jährige, nach Rheinland-Pfalz zurückzukehren. Nach dem Studium arbeitete Ruppert in der IT-Beratung und beriet dabei vor allem Behörden bei der Verwaltungsdigitalisierung. Seit dem Jahr 2000 ist sie Mitglied bei der Linken und seit 2024 Landesvorsitzende. 

Ruppert wurde in Mainz geboren und wohnt mittlerweile in Rheinhessen. Sie spricht fließend Niederländisch, Französisch und Englisch. Wenn es in ihrem Leben nicht um Politik geht, spielt sie gerne Volleyball und liest.

FDP

Daniela Schmitt war im Verein als Leistungsschwimmerin aktiv und fährt gerne Ski – traditionell direkt nach Weihnachten. «Die Bewegung, die frische Luft und der Sport sind der ideale Ausgleich», sagte die 53-Jährige. Die FDP-Spitzenkandidatin hat eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert. Vor ihrer Karriere in der Politik war Schmitt Regionaldirektorin bei der Mainzer Volksbank. 

Die Wirtschaftsministerin stammt aus Alzey und lebt dort mit ihrem Mann. Schmitt ist erst vor weniger als einem Jahr zur FDP-Landeschefin gewählt worden – mit einem Ergebnis von 67,5 Prozent der gültigen Stimmen und einem parteiinternen Machtkampf.

Freie Wähler

Joachim Streit hat nach den Querelen innerhalb der Freien Wähler wieder Führungsverantwortung ergriffen. «Hätte ich gesehen, dass die Fraktion zerbricht, wenn ich nach Brüssel gehe, wäre ich nicht gegangen», sagte der 60-Jährige bei seiner Kür zum Spitzenkandidaten. Der gebürtige Trierer sitzt derzeit für die Freien Wähler im Europaparlament. Bei einem Wiedereinzug der Partei in den Landtag plant er sein Mandat in Brüssel niederzulegen und nach Mainz zurückzukehren. 

Der langjährige Bürgermeister und Landrat war vor seiner Wahl ins Europaparlament Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag. Nach seinem Abgang gab es große Differenzen in der sechsköpfigen Landtagsfraktion, die zu zwei Austritten führten. Streit ist Jurist und dreifacher Vater.

Von Bernd Glebe, dpa
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