Karl-Heinz Wiesemann gehörte zu jenen Oberhirten der katholischen Kirche, die Veränderung als notwendige Antwort auf eine sich wandelnde Gesellschaft verstehen. (Archivbild)
Uwe Anspach/dpa
Karl-Heinz Wiesemann gehörte zu jenen Oberhirten der katholischen Kirche, die Veränderung als notwendige Antwort auf eine sich wandelnde Gesellschaft verstehen. (Archivbild)
Noch einmal vor der Gemeinde

Der letzte große Auftritt des Bischofs

Karl-Heinz Wiesemann verlässt nach fast zwei Jahrzehnten das Bistum Speyer. Sein festlicher Abschied findet dort statt, wo Geschichte auf Glaube trifft.

Eine Ära endet am Sonntag (13.9.) für das Bistum Speyer im imposanten Dom. Nach fast zwei Jahrzehnten als Oberhirte wird sich Karl-Heinz Wiesemann in der Unesco-geschützten Kathedrale von seiner Diözese verabschieden. Der 66-Jährige hatte wegen gesundheitlicher Probleme um Entlassung gebeten - das Gesuch nahm Papst Leo XIV. im August an. Nun steht der Abschied bevor. Und er wird dort stattfinden, wo Wiesemanns Wirken seinen sichtbaren Mittelpunkt hatte: im monumentalen Gotteshaus.

Viele Weggefährten kommen

Zum Gottesdienst (15.00 Uhr) werden Gläubige aus der Region erwartet, dazu Abordnungen kirchlicher Verbände, Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums. Prominente Weggefährten haben sich angekündigt, unter ihnen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, und Wiesemanns Nachfolger als Erzbischof von Paderborn, Udo Markus Bentz.

Ein Zeichen der Ökumene setzen Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst und Verena Hammes von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Grußworte kommen aus Kirche, Politik und Stadtgesellschaft - aus Rheinland-Pfalz und Saarland. Eine Stimme wird besonders zählen: Wiesemann selbst wird die Predigt halten.

Musik zum Abschied

Auch musikalisch soll der Gottesdienst den Charakter eines großen Abschieds tragen. KathedralJugendChor, Domchor und Dombläser gestalten die Feier unter Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori und Domkantor Joachim Weller. Es erklingen unter anderem Werke von Wolfram Menschick, Anton Bruckner und Edward Elgar. An der Orgel sitzt Domorganist Bastian Fuchs. Rund 14 Sekunden kann der Nachhall in der fast 1.000 Jahre alten Kathedrale betragen. Ein Klang vergeht nicht einfach. Er bleibt, schwebt, kommt zurück.

Für alle, die nicht dabei sein können, wird der Gottesdienst live über die YouTube-Kanäle von Bistum und Dom übertragen und anschließend abrufbar sein. Der Dom wird damit nicht nur Ort des Abschieds, sondern zugleich Bühne für einen letzten großen öffentlichen Auftritt des scheidenden Bischofs.

Unesco-geschütztes Weltwunder

Das Programm zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals entfällt wegen der Feier. Besichtigungen sind nur zwischen 11.30 und 14.00 Uhr sowie zwischen 18.00 und 19.00 Uhr möglich.

Die Domkirche St. Maria und St. Stephan, so ihr offizieller Name, gilt als größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Schon zu ihrer Bauzeit im 11. Jahrhundert galt die Kathedrale unweit des Rheins den Zeitgenossen als Weltwunder. Im Dom liegen vier Kaiser, drei Kaiserinnen und vier Könige des Mittelalters begraben. Auch Bischöfe fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

«Das gehört sich so»

Für Wiesemann wird Rheinland-Pfalz künftig nicht mehr Lebensmittelpunkt sein. Der bisherige Bischof bleibt nicht im Bundesland. Nicht aus Enttäuschung, sondern um seinem noch zu bestimmenden Nachfolger nicht im Nacken zu sitzen. «Der Neue wird Freiraum brauchen», sagte er unlängst.

Bevor er sich für einen künftigen Wohnort entscheide, wolle er mit dem dortigen Bischof sprechen. «Das gehört sich so.» Sein Heimatbistum Paderborn schließt der Ostwestfale aus. «Erst mal möchte ich mit mir und meinem Umfeld sortieren», sagt der Mann, der Bischof war. Das Bistum Speyer umfasst die Pfalz und den Saarpfalz-Kreis mit rund 1,57 Millionen Menschen. Davon rund 423.000 Katholikinnen und Katholiken. Mit sinkender Tendenz.

Von Wolfgang Jung, dpa
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