Gordon Schnieder kommt aus einem Eifelort an der Kyll.
Harald Tittel/dpa
Gordon Schnieder kommt aus einem Eifelort an der Kyll.
Schnieders Heimatort

Birresborn freut sich: «Wir sind Ministerpräsident»

Malu Dreyer lebt in Trier, Alexander Schweitzer im südpfälzischen Bad Bergzabern. Und Gordon Schnieder kommt aus dem kleinen Eifelort Birresborn - fast 200 Kilometer von Mainz entfernt. Birres...was?

Das Brot und die Torten im «Café Blasius» sind vielen Menschen aus der Vulkaneifel einen Umweg wert. Bei dem Bäcker und Konditor in Birresborn decken sich auch Fliegenfischer, Ausflügler und Sportler aus der BMX-Freestyle-Szene mit Proviant ein. Einen Lebensmittelladen gibt es in dem staatlich anerkannten Erholungsort an der Kyll, der auch der Heimatort des wohl künftigen CDU-Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz ist, sonst nicht mehr. 

«Gordon Schnieder kauft hier auch schon mal ein, wenn er da ist», sagt Bäckerei-Verkäuferin Mäggi. Und zu seinem Wahlsieg: «Ich habe mich für ihn gefreut.» Die Familie Schnieder kennen alle in der Ortsgemeinde mit ihren rund 1.100 Einwohnern - und viele freuen sich über die Karrieren der Brüder Patrick (Bundesverkehrsminister) und jetzt Gordon. «Wir sind Ministerpräsident», ist augenzwinkernd zu hören. 

«Natürlich bin ich stolz, ich bin hier geboren», sagt Sigrid Monix über den voraussichtlichen neuen Regierungschef in Rheinland-Pfalz. «Hoffentlich macht sich das bemerkbar», ergänzt sie - und verweist darauf, dass es früher fünf Lebensmittelgeschäfte in dem Ort gab. Wieder mehr Geschäfte wünscht sich auch Frank Heinen, ein alter Schulkamerad des älteren Schnieder-Bruders Patrick, der inzwischen in einem anderen Ort in der Eifel lebt. «Ich denke schon, dass beide etwas bewirken können.» 

Ortsbürgermeisterin: «Hier ist richtig was los»

Die Infrastruktur in Birresborn sei eigentlich gut, sagt Ortsbürgermeisterin Christiane Stahl (parteilos). Die meisten kauften ohnehin in Gerolstein ein, rund acht Kilometer entfernt. Ein Lebensmittelgeschäft, in dem eigentlich immer nur das gekauft werde, was vergessen wurde, könne sich eben auf Dauer nicht halten. 

«Wir haben eine Grundschule, eine Kita, einen Bahnhof, eine praktische Ärztin, eine Physiotherapie-Praxis und die Gaststätte "Krone"», zählt Stahl auf. Dazu komme ein Tattoo-Studio und ein Geschenke- und Dekolädchen mit SB-Service. Pizza, Döner und Schnitzel gibt es bei «Khaled´s» in direkter Nachbarschaft zum «Café Blasius», der «Krone» und der Kirche. 

Ein Zahnarzt fehle allerdings seit Ende vergangenen Jahres. Die Zahnärztin habe keinen Nachfolger gefunden. Zwei Autowerkstätten, einen Elektriker, einen Weißbinder, ein Sägewerk und einen Schreiner - auch Handwerker biete der Ort. 

Und einen besonderen Fahrradladen mit Schwerpunkt für BMX Freestyle. Die deutsche Meisterschaft werde Ende Juli/Anfang August in Birresborn ausgetragen. «Im Vergleich zu anderen auch größeren Dörfern ist hier richtig was los», fasst Stahl zusammen. 

Mehr Geschäfte und eine bessere Anbindung

Außer mehr Geschäften wünschen sich die Menschen eine bessere Anbindung ihres Orts: Den Lückenschluss der Autobahn 1 in der Eifel (Ostsee-Saarbrücken), mehr Busse und wieder häufigere Zugverbindungen nach Köln, zählen sie auf. 

«Ohne Auto ist es hier schlecht», sagt Gabi Wirtz, die als Verkäuferin in einem anderen Ort arbeitet. Sie wünscht sich auch die von der CDU versprochene Abschaffung der Straßenausbaubeiträge. Gordon Schnieder beschreibt sie als «sympathisch, bodenständig und offen». Und ist überzeugt: «Er wird das schon machen!» 

Tourismus spiele in der Region auch eine Rolle, sagt Ortsbürgermeisterin Stahl. Eine Attraktion sind die Eishöhlen - einst Abbaustätte für Mühlsteine aus Basalt und im Sommer besonders kühl. Im Zweiten Weltkrieg hätten die Menschen dort Schutz gefunden, berichtet Monix. Es gebe mehr als 100 Betten in Ferienwohnungen und im Gasthof «Krone», sagt Stahl. 

Fliegenfischen und BMX-Freestyle

Vier Niederländer sind an diesem Vormittag aus der Nähe von Rotterdam gekommen, zum Fliegenfischen. Forellen und Saiblinge gebe es in der Kyll, sagt einer. Allerdings sei es in dem Eifelort doch unerwartet kühl - «dann verstecken sich die Fische». 

Wer eine Erlaubnis zum Fliegenfischen bekomme, müsse zwei Tage in dem Ort übernachten, erläutert Simone Göres vom Gasthof «Krone» mit 20 Betten. Unter ihren Gästen seien viele Motorradfahrer und Wanderer. 

Familie Schnieder ist auch immer mal wieder in der «Krone» zu Gast. «Wir freuen uns», sagt Inhaberin Göres über den Wahlgewinner. «Es ist super, was die ganze Familie leistet, auch der Patrick.» Gordon Schnieder sei so bodenständig und «ein Strahlemann». Sie freue sich, wenn der neue Ministerpräsident «bei seiner Politik an die Eifel denkt». Klar sei aber auch: «Er kann nicht die Welt drehen.» 

Schnieder sah Wahlergebnis exakt vorher

Beim Mittagessen am Wahlsonntag in der «Krone» habe Schnieder das Landtagswahlergebnis fast hundertprozentig vorausgesagt: für die CDU 31 Prozent und 26 für die SPD, erzählt Göres und zeigt zum Beweis einen Zettel. Zu einem Zeitpunkt, an dem viele noch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgingen. Am Ende waren es genau 31,0 und 25,9 Prozent.

Den Zettel mit dem Tipp habe Schnieder in einen Briefumschlag gesteckt, der erst um 20 Uhr geöffnet werden durfte, ergänzt Roland Göres. Jetzt soll er Teil einer Collage werden mit Fotos vom Besuch im Landtag bei Schnieder und Zeitungsberichten über den so treffenden Wahltipp. 

Schnieders Wahl eine Ehre 

«Das ist für uns eine Ehre», sagt Ortsbürgermeisterin Stahl zum Wahlsieg Schnieders. Mit dem künftigen Ministerpräsidenten hat sie schon zusammengearbeitet. Sie sei seine erste Beigeordnete gewesen, als er von 2014 bis 2019 Ortsbürgermeister war. «Die Bodenständigkeit, die auf dem Land da ist, der zollt er immer Tribut.» Er habe guten Kontakt zu den Vereinen und der Feuerwehr im Ort. 

Wird Birresborn jetzt bei Touristen noch beliebter? «Ich bin froh, wie es ist und offen für alles, was kommt», sagt Stahl. Eine ehemalige Nachbarin der Schnieders, die ihren Namen lieber nicht nennen will, sagt mit Blick auf die Diskussionssendungen vor der Wahl: «Er ist, wie er im Fernsehen war.» Der neue Ministerpräsident sei ein offener bodenständiger Familienmensch vom Land. Und die 37-Jährige ergänzt: «Wenn jetzt hierher gepilgert wird, nehmen wir Eintritt am Ortsschild.»

Von Ira Schaible (Text) und Harald Tittel (Fotos), dpa
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